Serie Deutschland von Außen (aus dem AFP-Archiv): Das Foto zeigt Freiwillige, die in Deutschland für ein Kunstwerk posieren, und nicht „gefangene pakistanische Soldaten“

In den sozialen Medien kursierte ein Bild von nackten und gebückten Menschen. Fälschlicherweise wird behauptet, es zeige pakistanische Soldaten, die 1971 während eines neunmonatigen Krieges gefangen genommen wurden, aus dem das damalige Ostpakistan als unabhängiges Bangladeschs hervorging. Der Bildunterschrift behauptet, dass 93.000 gefangene pakistanische Armeeoffiziere zu sehen seien. In Wirklichkeit zeigt das Bild Freiwillige, die 2006 in Deutschland für einen US-Fotografen posierten, als dieser eine Skulptur für ein Kunstmuseum schuf.

„Die Menschen in Ostpakistan haben das mit ihnen gemacht, und sie begannen, sich zu entwickeln. Wenn wir anfangen, ihnen das anzutun, werden auch wir uns entwickeln“, lautet die Bildunterschrift in Urdu unter einem Bild, das hier am 9. März 2023 auf dem damaligen Kurznachrichtendienst Twitter geteilt wurde.

Das Bild zeigt Reihen von nackten Menschen, die von der Kamera abgewandt und in gebückter Haltung zu sehen sind. Der englischsprachige Text darunter lautet: „Ostpakistan 1971“. Der Text in Urdu über dem Bild lautet: „Ein denkwürdiges Foto aus dem Jahr 1971, das die pakistanische Armee zeigt, als 93.000 Offiziere gefangen genommen wurden.“

Bangladesch – ehemals Ostpakistan – entstand 1971 als neue Nation nach einem brutalen Unabhängigkeitskrieg mit Indien, der von grausamen Menschenrechtsverletzungen geprägt war. Nach bangladeschischen Angaben wurden dabei bis zu drei Millionen Menschen getötet.

Während eines Verfahrens vor dem Internationalen Gerichtshof im Jahr 1973 erklärte Pakistan, dass mehr als 92.000 pakistanische Kriegsgefangene und zivile Internierte, die sich 1971 in Ostpakistan den indischen Truppen ergeben hatten, in Indien festgehalten würden.

Screenshot des falschen Posts, aufgenommen am 14. März 2023

Das Bild kursierte, als der abgesetzte Premierminister Pakistans, Imran Khan, der beim mächtigen Militär des Landes in Ungnade gefallen war, in eine Reihe von Gerichtsverfahren verwickelt und schließlich des Amtes enthoben ??? wurde.

Das Militär, das Pakistan fast die Hälfte seiner 76-jährigen Geschichte regiert und einen starken Einfluss auf die Regierungsführung hat, sah sich mit heftigen Reaktionen auf Khans Amtsenthebung konfrontiert. Analysten sagen, dass einige Anhänger seiner Partei Pakistan Tehreek-e-Insaf (PTI) seitdem eine kritische Haltung gegenüber der Armee eingenommen haben.

Khan wurde im November (wich Year??) bei einer Kundgebung angeschossen und verletzt. Ohne Beweise vorzulegen, machte er seinen Nachfolger als Premierminister, Shehbaz Sharif, und einen hochrangigen Geheimdienstoffizier der Armee für das Attentat verantwortlich.

Das gleiche Bild wurde zusammen mit einer der  ähnlichen Behauptung, es zeige gefangene Armeeoffiziere, auf Twitter Konten geteilt, die offenbar die PTI unterstützen, darunter hier , hier , hier und hier , und auf Facebook hier.

Kommentare in Urdu zu den Beiträgen ließen darauf schließen, dass sich einige Nutzer von ihnen irreführen ließen.

Ein Kommentar lautet: „Das sollten wir ihnen noch einmal antun. Die gesamte 700.000 Mann starke Truppe sollte nackt durch die Straßen Pakistans marschieren, bis ihre gesamte Nachkommenschaft vernichtet ist. Andernfalls werden sie als selbsternannte Richter uns weiter ins Unglück stürzen.“

Auf einer anderen Seite heißt es: „Keine Sorge, sie sind immer noch so. Deshalb ist ihr psychischer Zustand so angeschlagen. Sie haben diesen Vorfall nicht vergessen und fügen den Menschen Schmerzen zu, um sich von dieser seelischen Qual zu befreien.“

Tatsächlich zeigt das Bild jedoch Freiwillige, die für ein Kunstwerk posieren, das 2006 vom Kunstpalast in Düsseldorf  in Auftrag gegeben wurde.

„Dreidimensionale Körperskulptur“

Eine umgekehrte Bild- und Stichwortsuche bei Google ergab ein ähnliches Foto, das von der chinesischen Staatszeitung China Daily am 6. August 2006 verwendet wurde.

Die Bildunterschrift lautet: „Nackte Freiwillige posieren für den US-Fotografen Spencer Tunick und schaffen eine dreidimensionale Körperskulptur im Museum Kunst Palast in Düsseldorf am 6. August 2006.“

Das Foto wird Reuters zugeschrieben und kann in deren Bildarchiv hier angesehen werden, wo es die gleiche Bildunterschrift trägt.

Screenshot-Vergleich des in den falschen Posts verwendeten Bildes (links) und des Reuters-Fotos (rechts)
Screenshot-Vergleich des Fotos auf Artnet (links) und des Museums, wie es auf Google Street View zu sehen ist (rechts).

Ein Sprecher von Spencer Tunick sagte gegenüber AFP, das Foto zeige seine Skulptur. „Das ist ein Detail eines Kunstwerkes von Spencer, das er (im Auftrag des Kunstpalast-Museums) in Düsseldorf geschaffen hat“, sagte der Sprecher am 14. März 2023.
Eine Stichwortsuche nach Tunicks Werk ergab ein ähnliches Foto hier auf Artnet, einer US-amerikanischen Kunstmarkt-Website.
Das im Hintergrund sichtbare Gebäude entspricht den Google Street View-Bildern des Kunstpalast-Museums.

 

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