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Nein. Mitte November teilte die Polizei mit, dass die Ermittlungen keine Belege für eine vorsätzliche Brandstiftung ergeben haben. Das vermeintliche Bekennerschreiben hat laut Polizei keinen Zusammenhang mit dem Brand.
Fakten
Der Brand des Jagdschlosses Thiergarten nahe Regensburg in der Nacht zum 6. Oktober hat in den sozialen Netzwerken viel Aufmerksamkeit erregt. Das Gebäude gehörte der Familie Thurn und Taxis. Am 9. Oktober erschien auf der Plattform «Indymedia» ein angebliches Bekennerschreiben einer Antifa-Gruppe. Behauptet wird, dass die Gruppe das Jagdschloss mit «mehreren Brandvorrichtungen» gezielt in Brand gesteckt habe. Die Tat sei als Warnung an die «Großkapitalistin» Gloria Fürstin von Thurn und Taxis zu verstehen, hieß es. Sie steht wegen ihrer Nähe zu Politikern und Aktivisten aus dem rechten Spektrum und eigener politischer Äußerungen seit langem in der Kritik.
Die Polizei teilte im Oktober mit, dass sie das Schreiben prüfe, aber in alle Richtungen ermittele. Zu diesem Zeitpunkt stand noch nicht einmal fest, ob das Gebäude überhaupt vorsätzlich angezündet wurde.
Ungarns Ministerpräsident verbreitete Behauptung als Tatsache
Dennoch verbreitete sich die Behauptung über einen angeblichen linksextremen Brandanschlag auf das Thurn-und-Taxis-Jagdschloss schnell in den sozialen Medien sowie auf rechten Online-Portalen. Sogar Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban schaltete sich auf der Plattform X ein und verurteilte den angeblichen «terroristischen Akt». Gloria von Thurn und Taxis selbst sprach Anfang November in einem Interview mit einem rechtsextremen Magazin davon, dass es sich um Brandstiftung gehandelt habe.
Doch nur einen knappen Monat später fielen diese Behauptungen in sich zusammen. Am 13. November veröffentlichte die Polizei neue Ermittlungsergebnisse. Demnach gibt es «keine Hinweise auf eine vorsätzliche Brandstiftung». Das habe die Analyse von Proben und von Spurenmaterial vom Brandort ergeben. In Betracht kommt laut Polizei nur noch eine fahrlässige Brandstiftung oder ein technischer Defekt. Über das vermeintliche Bekennerschreiben schreibt die Polizei, dass «bislang keine Zusammenhänge zu (…) dem Brand des alten Jagdschlosses erkennbar» seien.
Dennoch kursiert die Behauptung über die angebliche linksextreme Brandstiftung weiter – auch nach Veröffentlichung der neuen Erkenntnisse durch die Polizei.
Warum schon das Schreiben misstrauisch machen konnte
Wer hinter dem falschen Bekennerschreiben steckt, ist nicht bekannt. Doch es weist einige Besonderheiten auf, die schon Anfang Oktober auf eine Fälschung hindeuteten: So findet sich in dem Schreiben kaum sogenanntes Täterwissen – also Details zu dem Fall, die nicht in der Medienberichterstattung genannt wurden und nur einem möglichen Täter hätten bekannt gewesen sein können. Außerdem ist der zeitliche Abstand der Veröffentlichung – rund drei Tage nach ersten Medienberichten über den Brand – ungewöhnlich lang.
Hinzu kommt eine Besonderheit der Plattform «Indymedia». Sie wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz als linksextremistisch eingestuft. Allerdings kann dort jeder Texte veröffentlichen, auch unter falschem Namen. Schon in der Vergangenheit waren auf «Indymedia» falsche Bekennerschreiben aufgetaucht. So ging die Polizei am 1. Oktober 2025 im Zusammenhang mit einem Tötungsdelikt und einem Brand in München auch einer Drohung gegen das Oktoberfest nach. Das Schreiben auf «Indymedia« stammte laut Polizei jedoch von einem «Trittbrettfahrer».
(Stand: 25.11.2025)
