Am Abend des 29. Januar 2026 riss ein Mann in der Hamburger U-Bahnstation Wandsbek Markt eine 18-Jährige mit sich vor eine einfahrende U-Bahn. Beide starben am Tatort, die Mordkommission der Polizei Hamburg ermittelt aufgrund des Verdachts eines Tötungsdelikts. Online kursierte ein KI-generiertes Bild von Einsatz- und Rettungskräften in der U-Bahnstation. Die Haltestelle Wandsbek Markt unterscheidet sich jedoch deutlich von der im künstlich erstellten Bild.
„ÖPNV: Wir sind nirgendwo noch sicher. Mann… zieht wartende Frau in den Tod. U-Bahn überrollt zwei Menschen in Hamburg Wandsbek – Mordkommission ermittelt wegen Tötungsdelikt!“, heißt es in einem X-Beitrag vom 30. Januar 2026. Dazu enthält der Beitrag ein Bild von Einsatzkräften der Polizei und Rettungssanitätern sowie einem Arzt, die am Bahnsteig und im Gleisbett stehen. Im Vordergrund sind Blumen und Kerzen auf den Gleisen zu sehen. Laut seinem Namen informiert der Account über Nachrichten aus Hamburg.
Auch auf Facebook und anderen Sprachen wie Englisch, Französisch, Niederländisch, Polnisch, Russisch und Spanisch wurden Beiträge über den Vorfall zusammen mit diesem Bild mitunter tausendfach geteilt.

Während die Nachricht über das Tötungsdelikt zwar korrekt ist, wird zur Illustration in den Beiträgen jedoch ein mit Künstlicher Intelligenz (KI) generiertes Bild verwendet.
Laut Polizeiangaben wartete eine 18-Jährige am 29. Januar 2026 um circa 22 Uhr am Bahnsteig der U-Bahnstation Wandsbek Markt. Als eine Bahn einfuhr, ergriff ein zuvor abseits stehender 25-jähriger Südsudanese die iranische Frau und riss sie mit sich vor die Bahn. Beide starben der Polizei zufolge noch vor Ort. Die Polizei Hamburg ermittelt wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts. Dabei geht sie nicht davon aus, dass sich der Mann und die Frau kannten. Laut Hamburger Staatsanwaltschaft war der Mann zuvor bereits straffällig geworden.
Regionale und überregionale Medien berichteten über den tödlichen Vorfall vom 29. Januar 2026 und bebilderten ihre Artikel mit Aufnahmen der U-Bahnstation Wandsbek Markt. Diese Aufnahmen unterscheiden sich stark von dem online geteilten Bild.
Bilder auf Google Maps zeigen: Die U-Bahnstation hat lediglich einen Bahnsteig in der Mitte beider Gleise – auf dem KI-generierten Bild sind mehrere Bahnsteige zu sehen. Auch das Design des Hinweisschilds mit dem Namen der Station unterscheidet sich von dem Design des tatsächlichen Schilds der Station. Der Boden sowie die Wände sind ebenfalls anders gestaltet als im KI-Bild dargestellt.

Ein Video auf einem Youtube-Kanal (hier archiviert), der weltweit U-Bahnstationen filmt, zeigt dieselbe Gestaltung der Station Wandsbek Markt wie die Fotos in der Berichterstattung. Aus dem Video geht zudem ein weiteres Detail hervor, das belegt, dass das KI-generierte Bild unauthentisch ist: Die digitale Anzeige am Bahnsteig stimmt nicht mit jener an Hamburger U-Bahnstationen überein.

Vielmehr erinnert die Anzeige im KI-generierten Bild an die Displays in U-Bahnhöfen der Berliner Verkehrsbetriebe:

Zudem findet sich innerhalb des Bildes eine visuelle Unstimmigkeit: Die Aufschrift „Polizeiabsperrung“ ist an einigen Stellen des rot-weißen Absperrbandes unnatürlich verschwommen:

Aufnahmen der U-Bahnstation nach der Tat zeigen außerdem, dass auf dem Absperrband nur das Wort „Polizei“, abwechselnd richtig herum und auf dem Kopf stehend, zu lesen war:

Auf dem KI-generierten Bild befinden sich Blumen und Kerzen zum Gedenken im Gleisbett der U-Bahnstation, während Polizeibeamte und Rettungskräfte sowie Männer in weißen Ganzkörperanzügen, die an die Spurensicherung erinnern, noch anwesend sind. Blumen im Gleisbett erscheinen unlogisch, da der Zugverkehr am Morgen nach der Tat wieder aufgenommen wurde. Ein Gedenken fand zudem erst am 1. Februar 2026 in der U-Bahnstation statt. Zu diesem Anlass wurden Blumen auf dem Bahnsteig niedergelegt.
KI-Analysen: Bild ist künstlich generiert
AFP analysierte das online geteilte Bild zudem mit verschiedenen KI-Erkennungstools. Eine Überprüfung mit Googles Chatbot Gemini ergab, dass das Bild „ganz oder teilweise mit der KI von Google erstellt oder bearbeitet“ wurde. Das Bild enthalte demnach ein SynthID-Wasserzeichen. Bilder, die mit der Google-KI erstellt wurden, enthalten dieses nicht sichtbare Wasserzeichen.
Eine Analyse mit Google Backstory, eine Google-Anwendung, die Kontext zu Bildern liefert, bestätigte das und kam zu dem Ergebnis, dass es „starke Hinweise“ auf die Erstellung des Bildes mit KI gibt. Das Analysetool InVID WeVerify, an dessen Entwicklung AFP beteiligt ist, stufte das Bild mit einer Wahrscheinlichkeit von 79 Prozent als KI-generiert ein.

Weitere Faktenchecks zu KI-generierten Inhalten sammelt AFP auf der Website.
Fazit: Online kursierte Ende Januar 2026 ein angebliches Bild der Hamburger U-Bahnstation Wandsbek Markt, nachdem dort ein Mann eine 18-Jährige mit sich vor eine einfahrende U-Bahn riss. Das Bild ist jedoch KI-generiert: Es unterscheidet sich stark von der tatsächlichen U-Bahnstation und wurde von Analysetools als künstlich erstellt eingestuft.
