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3sat-Beitrag ist fiktional und stammt aus Sendung über Verschwörungstheorien

Viele Userinnen und User auf Facebook können es kaum glauben: «Was für ein hammer Beitrag von 3sat» heißt es zu einem Video, in dem unter dem Logo des öffentlich-rechtlichen Senders angeblich über eine große Verschwörung berichtet wird. Mittels einer in der Sowjetunion entwickelten Substanz sowie einer Antennenanlage in Alaska würden die Massen manipuliert – so berichtet es ein angeblicher Journalist. Ist dieser Beitrag authentisch, und hat 3sat ihn tatsächlich so gebracht?

Bewertung

Der Beitrag lief tatsächlich auf 3sat – aber er ist satirisch gemeint und komplett inszeniert. Er stammt aus einer Sendung, in der die Wirkung von Verschwörungstheorien diskutiert wurde. Die Auflösung als «Fake» wurde in dem auf Facebook kursierenden Video jedoch abgeschnitten.

Fakten

Das Video stammt aus der Sendung «Scobel» des Fernsehsenders 3sat. Diese wurde am 6. September 2012 ausgestrahlt. Es ging darin um Verschwörungstheorien, wie sie entstehen und wie sie wirken.

Auf Youtube gibt es Mitschnitte der kompletten Sendung. Zu Beginn der Sendung läuft der Beitrag, der nun einzeln und um einige Minuten gekürzt auf Facebook verbreitet wird. Doch gleich nach dem Ende des Beitrags löst Moderator Gert Scobel auf: «Natürlich haben Sie es gemerkt: Dieser Film war ein Fake und ist erfunden von Anfang bis Ende.» Dann leitet er über zum Thema seiner Sendung und stellt die Talk-Gäste im Studio vor. Diese Einordnung durch Scobel fehlt in dem gekürzten Facebook-Video jedoch.

Die vollständige Sendung macht klar: Es handelt sich bei dem Beitrag um eine Inszenierung mit dem Ziel, ein Beispiel für die Wirkungsweise von Verschwörungstheorien an den Beginn der Sendung zu stellen. Tatsächlich greift der Beitrag verschiedene bekannte Verschwörungstheorien auf und vermengt diese, macht sie aber zum Teil auch lächerlich. In der anschließenden Diskussion nehmen Scobel und seine Gäste immer wieder Bezug auf den Beitrag. So sagt Scobel, dass der Film «wie jede gute Verschwörungstheorie» Elemente enthalte, die «einen für Momente ins Grübeln bringen».

Zwei bekannte Verschwörungstheorien werden angedeutet

Zum Beispiel ist die Rede von einer Substanz, die von Flugzeugen versprüht wird. Das klingt nach den sogenannten Chemtrails: Eine bekannte Verschwörungstheorie besagt, dass es sich bei den Kondensstreifen von Flugzeugen um Chemikalien handele, mit denen die Bevölkerung manipuliert werde. Belege dafür gibt es nicht. Die chemische Formel, die im 3sat-Beitrag zu sehen ist, ist jene für Ethanol, also Alkohol. Es liegt nahe, dass es sich um eine bewusste satirische Übertreibung der «Scobel»-Redaktion, um die Verschwörungstheorie zu karikieren.

Auch die im Beitrag erwähnte Antennenanlage in Alaska wird von Verschwörungsgläubigen immer wieder aufgegriffen. Dort gibt es die sogenannte HAARP-Anlage, mit der Wissenschaftler die Ionosphäre, also einen Teil der Erdatmosphäre untersuchen. Unbelegten Behauptungen zufolge soll die Anlage aber ebenfalls manipulativ eingesetzt werden: Mal zur Beeinflussung des Wetters, mal zur angeblich menschlichen Steuerung von Erdbeben. Doch auch dafür gibt es keinerlei Belege.

Eine weitere satirische Überspitzung ist der letzte Teil des Beitrags: Darin berichtet der angebliche Journalist Frank-Peter Hellmann von einer Hamburger Werbeagentur namens «Junghans und Platt», die im Auftrag einer «Geheimloge namens Initiative (…) Marktwirtschaft» die Bevölkerung in Deutschland manipulieren solle.

Teile des Namens der Initiative werden im Beitrag durch ein Störgeräusch unkenntlich gemacht, doch es liegt nahe, dass es sich um eine Anspielung auf die arbeitgebernahe Lobbyorganisation Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft handeln soll. Bei der angeblichen Hamburger Werbeagentur «Junghans und Platt» handelt es sich um eine Verballhornung des Namens der bekannten Agentur Jung von Matt. Eine Online-Recherche nach einem Journalisten namens Frank-Peter Hellmann oder dessen angeblichem Buch «Die Patriotenmaschine» führt jedoch zu keinen Ergebnissen.

3sat und Scobel machten nicht überall und durchgängig transparent, dass es sich um einen inszenierten und somit fiktionalen Beitrag handelt. In Scobels Anmoderation ganz zu Beginn der Sendung gibt er keinen Hinweis, sondern spricht von einem Journalisten, «den wir Ihnen nun vorstellen» und von einem angeblichen «Enthüllungsbuch». Auf Facebook bewarb 3sat den Beitrag im Jahr 2012 ebenfalls so, als ob er authentisch sei.

(Stand: 13.4.2023)

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Wissenschaft, Gesellschaft

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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