In sozialen Medien wird derweil spekuliert, die Technik zur Überbrückung der Stromausfälle sei im Ausland im Einsatz gewesen: «Wie viele Notstromgeräte können Sie der Berliner Bevölkerung bereitstellen», fragt eine Frau mit einem Mikrofon in einem Tiktok-Video, das als KI-generiert gekennzeichnet ist. Ein KI-generierter Mann in THW-Uniform antwortet: «Leider kein einziges, da unsere Geräte alle in der Ukraine sind.» Auch in einem Facebook-Beitrag wird behauptet, alle Stromgeneratoren des Technischen Hilfswerks (THW) seien in der Ukraine. Ist da was dran?
Bewertung
Nein. Das THW hat der Ukraine nur Notstromgeneratoren zur Verfügung gestellt, die extra angeschafft wurden. Eigene Ausrüstung des THW wurde nicht geliefert. Mehrere tausend Stromerzeuger sowie weiteres Material für Notstromkapazitäten hält das THW in Deutschland vor.
Fakten
Sowohl das THW als auch die Bundesregierung haben in den vergangenen Jahren Zahlen dazu veröffentlicht, wie viele Stromgeneratoren der Ukraine zur Verfügung gestellt wurden. Das THW hat seit dem russischen Überfall auf die Ukraine, in Zuge dessen Russland regelmäßig die Strominfrastruktur angreift, rund 1.700 Stromerzeuger in die Ukraine geliefert.
Allerdings fehlen diese gelieferten Geräte nicht in Deutschland: «Es handelt sich dabei nicht um Geräte aus dem Bestand des THW», teilte ein Sprecher des THW der Deutschen Presse-Agentur per Mail mit. «Das THW liefert keine eigene Einsatzausstattung an die Ukraine oder andere Länder.» Die Generatoren seien auf Anforderung und finanziert durch das Auswärtige Amt und das Bundesinnenministerium vom THW beschafft worden. Das THW organisierte außerdem den Transport.
THW und Innenministerium: Keine Bestandsgeräte für die Ukraine
Auch eine Sprecherin des Bundesinnenministerium sagte in der Bundespressekonferenz am 5. Januar: «Die Notstromaggregate, die an die Ukraine geliefert wurden, wurden extra für diese Lieferungen angeschafft und nicht aus dem Bestand des THW genommen.» Ähnlich antwortete die Bundesregierung im April 2024 auf eine schriftliche Frage einer AfD-Bundestagsabgeordneten.
Gänzlich falsch ist somit auch, dass sämtliche Notstromgeräte des THW in der Ukraine seien.
Nach eigenen Angaben lagert das THW bundesweit Notstromkapazitäten. «Dies umfasst mehrere tausend Stromerzeuger verschiedener Größen (bis 13 kVA) sowie mehrere hundert sogenannte Netzersatzanlagen bis zu einer Leistung von bis zu 200 kVA», teilte eine THW-Sprecherin mit. Der Katastrophenschutz ist in Deutschland Ländersache.
Das THW kann im Rahmen der Amtshilfe angefordert werden. Nach einer entsprechenden Anforderung kann die Bundesanstalt des THW dann die eigene Ausrüstung und ihre Einheiten in ganz Deutschland verlegen. Auch beim großflächigen Stromausfall in Berlin war das THW im Einsatz.
(Stand: 7.1.2025)
