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KI-Videos von Schneemassen im russischen Kamtschatka kursieren in sozialen Medien

Auf der russischen Halbinsel Kamtschatka fiel im Januar 2026 ungewöhnlich viel Schnee – Autos wurden darunter begraben und Schneemassen türmten sich bis zum zweiten Stockwerk von Wohnhäusern. Unter authentische Aufnahmen mischten sich in sozialen Medien einige Videos, die mit Künstlicher Intelligenz generiert wurden. Untersuchungen mit KI-Analysetools bestätigen, dass sie unecht sind.

Starker Schneefall ist in Kamtschatka im Fernen Osten Russlands keine Seltenheit. Außergewöhnlich heftige Winterstürme Mitte Januar 2026 jedoch legten die größte Stadt der Region teilweise lahm: Schulen wurden geschlossen, Unternehmen stellten auf Homeoffice um. Laut Behördenangaben kamen zwei Menschen durch herabfallende Schneemassen ums Leben, woraufhin der Notstand ausgerufen wurde.

Aufnahmen von den Wetterverhältnissen gingen schnell um die Welt: Authentische Fotos und Videos aus der Region zeigen die großen Schneemassen, die Hauseingänge blockierten, durch die sich Bewohnerinnen und Bewohner ihre Wege bahnten und die Autos unter sich begruben.

 

Standbild eines Videos vom russischen Ministerium für Katastrophenschutz vom 15. Januar 2026: Rettungskräfte graben Häuser in der Region Kamtschatka aus Schnee frei – Handout / RUSSIAN EMERGENCY SITUATIONS MINISTRY

 

Einige Aufnahmen in sozialen Medien stellten die Schneemassen jedoch übertrieben dar: Nutzerinnen und Nutzer teilten Videos von Schnee, der angeblich mehrere Stockwerke hoch reicht, oder von Kindern, die aus einem Häuserblock heraus Schlitten zu fahren scheinen. Andere Aufnahmen zeigen sogar Schneemassen, die vorgeblich mehrere Meter über Hochhäuser hinausragen. Auch die prorussische und von der EU sanktionierte Bloggerin Alina Lipp teilte ein Video mit den angeblichen Schneemassen auf X und schrieb dazu, es sei „kein AI“ (Artificial Intelligence, zu Deutsch „Künstliche Intelligenz“).

Bilder und Videos wie diese kursierten auch auf Sprachen wie Englisch, Französisch, Griechisch, Niederländisch oder Rumänisch. Die online verbreiteten Aufnahmen wurden jedoch mit Künstlicher Intelligenz (KI) generiert, wie AFP mithilfe von entsprechenden Analysetools herausfand.

In Videos einiger Medienunternehmen, darunter auch deutsche Medien wie die Boulevardzeitung „Bild“ und die Nachrichtenwebsite T-online, tauchten einige dieser Aufnahmen ebenfalls auf. „Bild“ hatte die entsprechende Szene bereits vor Veröffentlichung dieses Artikels aus einem Video herausgenommen und es mit einem Hinweis versehen. T-online erklärte auf AFP-Anfrage am 23. Januar 2026, den Fehler bereits zuvor auf der Website korrigiert zu haben und nun auch das Facebook-Video gelöscht zu haben.

Tiktok- und X-Screenshot der Behauptungen, rote Kreuze von AFP hinzugefügt: 23. Januar 2026

Manche der Beiträge zeigen eine Sammlung von vier oder fünf Bildern von Wohngebäuden, die fast vollständig unter riesigen Schneemassen begraben sind. Mal sind sie von glattem Schnee umgeben, der Wellen bildet, mal ist er so hoch wie mehrstöckige Wohnhäuser.

Mithilfe von umgekehrten Bildsuchen und Untersuchungen mit KI-Analysetools überprüfte AFP die Bilder.

Das KI-Analysetool InVID WeVerify, an dessen Entwicklung AFP beteiligt ist,  kam zu dem Ergebnis, dass die untersuchten Bilder mit einer Wahrscheinlichkeit von 69 bis 99 Prozent KI-generiert sind:

Screenshots der Ergebnisse des KI-Analysetools InVID WeVerify: 21. Januar 2026

Eine weitere Analyse mit dem KI-Erkennungstool Hive Moderation ergab eine Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent, dass alle fünf Bilder „KI-generiertes oder Deepfake-Material enthalten“.

Screenshot der KI-Analyse von Hive Moderation: 21. Januar 2026
Screenshot der KI-Analyse von Hive Moderation: 21. Januar 2026

Visuelle Unstimmigkeiten deuten ebenfalls darauf hin, dass die Bilder nicht authentisch sind. Der Schnee erscheint ungewöhnlich glatt und symmetrisch oder bricht vertikal abrupt ab, was unwirklich erscheint. Auch architektonische Details an Fenstern und Balkonen weisen Unstimmigkeiten und Verzerrungen auf, die typisch für KI-generierte Bilder sind.

Screenshots der KI-generierten Bilder, rote Hervorhebungen von AFP hinzugefügt: 21. Januar 2026

Die Ergebnisse von umgekehrten Bildsuchen und Überprüfungen mit dem Google Fact Check Explorer Tool zeigen, dass die Bilder seit dem 17. Januar 2026 online kursieren.

Die frühesten Beiträge, die AFP finden konnte, wurden auf Russisch auf Threads veröffentlicht und führten zu einem Account namens @ibotoved. In den Kommentaren verwies dieser Nutzer darauf, die Bilder mit KI erstellt zu haben und erwähnte den KI-Chatbot Grok AI von Elon Musks Unternehmen xAI. In einem anderen Kommentar schien der Nutzer die Verantwortung für die vielfache Verbreitung der Bilder zu übernehmen. AFP wandte sich am 20. Januar 2026 an den Nutzer, erhielt jedoch bis zur Veröffentlichung dieses Artikels keine Antwort.

Am 20. Januar 2026 veröffentlichte @ibotoved einen weiteren Beitrag auf Threads, in dem er erklärte, dass die von ihm geposteten Bilder von Kamtschatka gefälscht seien. Er bezeichnete die viralen Bilder als „Streich“ und sagte, dass „Millionen Menschen die unechten Aufnahmen geglaubt hätten“.

Dem Post hängte er eine Videomontage an, in der sich gewöhnliche Winterszenen mit übertriebenen Bildern abwechselten. „Glauben Sie nicht alles, was Sie sehen“, lautet eine der Beschreibungen.

Unrealistische Schneeberge in verbreiteten Videos

Mehrere weit verbreitete Videos zeigen Wohngebäude, die in meterhohen Schneebergen zu versinken scheinen.

„Schnee-Apokalypse in Kamtschatka: Wenn die Natur die Oberhand gewinnt“, heißt es etwa in der Beschreibung eines Instagram-Videos vom 18. Januar 2026. Darin ist eine Häuserzeile zu sehen, vor der sich mehrere Stockwerke hoch der Schnee türmt, die Autos auf der Straße sind jedoch nicht komplett eingeschneit. Auch hier gibt es einen visuellen Hinweis darauf, dass das Video nicht echt ist: Der Laternenpfahl auf der rechten Seite scheint auf Höhe der Schneekante gebrochen zu sein.

Instagram-Screenshot der Behauptung, rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 23. Januar 2026

„3 Meter hoher Schnee in Kamtschatka, Russland“, heißt es außerdem in einem Facebook-Beitrag in rumänischer Sprache, der ein noch dramatischeres Video mit einer steilen Schneeverwehung entlang eines Wohnblocks zeigt. Das Wohnhaus scheint mindestens ein Dutzend Stockwerke zu haben.

Facebook-Screenshot der Behauptung, rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 23. Januar 2026

Die früheste Version des ersten Videos mit der Häuserzeile, die AFP mit einer umgekehrten Bildsuche finden konnte, wurde am 16. Januar 2026 auf den Instagram- und Youtube-Kanälen eines Content-Erstellers namens „Cupcake Videos“ veröffentlicht.

Der Clip, der auf dem Youtube-Kanal den Titel „Snowfall“ trägt, ist als „veränderter oder synthetischer Inhalt“ gekennzeichnet. In der Kanalbeschreibung heißt es zudem ausdrücklich, dass auf dem Account „KI-Videos“ hochgeladen werden.

Auch das zweite Video mit einer scheinbar schneebedeckten Hausfassade geht auf diesen Urheber zurück. Eine männliche Stimme sagt darin auf Englisch: „Es ist kaum zu glauben, dass es bis zum neunten Stock reicht.“ Dieser Clip wurde am 16. Januar 2026 mit dem Titel „Snowy Day“ auf demselben Youtube-Kanal veröffentlicht. Auch dieses Video wurde als „veränderter oder synthetischer Inhalt“ gekennzeichnet. Auf eine AFP-Anfrage antwortete der Accountbetreiber bis zur Veröffentlichung dieses Artikels nicht.

 

Screenshot des Youtube-Kanals, rote Hervorhebung von AFP hinzugefügt: 19. Januar 2026

 

AFP untersuchte beide Videos mit KI-Analysetools. Hive Moderation kam jeweils zu dem Ergebnis, dass die Videos mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent KI-generiert sind. 

Screenshot des Analyseergebnisses von Hive Moderation zum ersten Video: 20. Januar 2026
Screenshot des Analyseergebnisses von Hive Moderation zum zweiten Video: 20. Januar 2026

Zu einem anderen Video vom 19. Januar 2026 schrieb die prorussische Bloggerin Alina Lipp auf X: „Es gibt im russischen Netz tausende dieser Videos, es gab wirklich Schnee bis zur 9. Etage.“ In dem Clip sind verschiedene Plattenbauten zu sehen, an denen der Schnee jeweils stellenweise bis zum Dach hinauf reicht.

X-Screenshot der Behauptung, rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 23. Januar 2026

Auch in diesem Fall ergab die Untersuchung mit Hive Moderation mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent, dass das Video KI-generiert ist. 

Screenshot des Analyseergbnisses von Hive Moderation 21. Januar 2026

Eine umgekehrte Bildsuche führte AFP zu einem Video, das am 16. Januar 2026 von einem russischsprachigen Instagram-Account namens @neuraljoke gepostet wurde, der offenbar viele KI-generierte Inhalte teilt. Der Instagram-Beitrag scheint in einem humorvollen Kontext dargestellt zu werden, seine Beschreibung lautet: „Aber Skifahren ist ok :)).“ Der Beitrag wurde mehr als 5,5 Millionen Mal angesehen.

Der Nutzer hat in der Beschreibung zudem den Account @syntx_ai verlinkt. Syntx bezeichnet sich selbst als Spezialist für KI-generierte Videos und Bilder und wirbt für den Einsatz von KI-Tools zur Erstellung von Inhalten.

Der Account @neuraljoke veröffentlichte am 16. Januar 2026 ein weiteres Video sowohl auf Instagram als auch auf Telegram. Darin ist ein riesiger Schneehaufen zwischen Wohngebäuden zu sehen, auf dem mehrere Personen auf Skiern stehen und eine Person den Hang hinunterfährt. Das Video wurde auf Instagram mehr als 1,4 Millionen Mal angesehen und erhielt über 30.000 Likes. „Nun, was kann man sonst noch mit so einem riesigen Schneehaufen machen?“, lautet die Bildunterschrift auf Russisch. Darin ist ebenfalls Syntx verlinkt.

Screenshot des Instagram-Accounts @neuraljoke, rote Hervorhebung von AFP hinzugefügt: 21. Januar 2026

Dasselbe Video wurde später in eine Collage aufgenommen, die in mehreren rumänischsprachigen Beiträgen geteilt wurde. Darin wurde es als authentisches Filmmaterial aus Kamtschatka präsentiert.

Schließlich kursierte unter anderem auf Tiktok ein weiteres Video. Es zeigt Kinder, die zwischen Plattenbauten einen Hang auf Schlitten hinunterfahren. „Kamtschatka ‚16.01.2026‘ versinkt im Schnee und lacht dabei!“, heißt es in der Videobeschreibung.

Tiktok-Screenshot der Behauptung, rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 23. Januar 2026

In Spanien dient das Video beispielsweise als Illustration in einem Artikel, der am 18. Januar 2026 vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk Asturiens über dessen Fernsehsender RTPA veröffentlicht wurde. Ähnliche Veröffentlichungen gibt es zuhauf auf Englisch, Kroatisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch und Türkisch.

Mit einer umgekehrten Bildsuche fand AFP einen Instagram-Beitrag, in dem das Wasserzeichen eines Accounts namens @ai-nuzhdiq zu lesen ist. Laut der Beschreibung des Accounts werden auf dem Profil KI-Inhalte hochgeladen. Auch der Name des Accounts weist darauf hin.

Der Beitrag von @ai-nuzhdiq vom 16. Januar 2026 ist die früheste Version des Videos, die AFP finden konnte. Er ist mit dem Hashtag „sora2“ versehen. Dabei handelt es sich um den Namen des KI-Videogenerators des Unternehmens OpenAI, zu dem auch der KI-Chatbot ChatGPT gehört.

Lokale Behörden und Medien zeigen weniger Schnee

AFP hat über die kursierenden Videos hinaus offizielle Mitteilungen geprüft, die während des Schneesturms von der Regierung der Region Kamtschatka und Gouverneur Wladimir Solodow auf ihren Telegram-Kanälen veröffentlicht wurden. In den Beiträgen ist zwar von starken Schneefällen oder blockierten Straßen die Rede, aber die Schneemengen entsprechen eher den Angaben zuverlässiger Medienberichte als den weitaus größeren Schneeverwehungen, die auf den vielfach geteilten Videos zu sehen sind.

Lokale Medien in Kamtschatka riefen ebenfalls zur Vorsicht gegenüber Online-Inhalten auf, die das Ausmaß der Schneefälle übertrieben darstellten. Zudem wiesen sie darauf hin, dass sich die Schneemassen zwar durch den Wind zu beträchtlichen Höhen auftürmen können und „der Schnee bis zum zweiten Stock reichen kann“, KI-Bilder jedoch Schneemassen „bis zum vierten oder sogar neunten Stock“ zeigten.

Weitere Faktenchecks zu KI-generierten Inhalten sammelt AFP auf der Website.

Fazit: Neben authentischen Aufnahmen von Schneemassen auf der russischen Halbinsel Kamtschatka kursieren in sozialen Medien einige Bilder und Videos, die mit Künstlicher Intelligenz generiert wurden. Auch KI-Analysetools bestätigten, dass diese Darstellungen unecht sind.

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Russland, Künstliche Intelligenz, Politik, Umwelt

Autor(en): Paula CABESCU / Johanna LEHN / AFP Deutschland / AFP Rumänien

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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