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Studie zu IQ nach Bundesländern ist frei erfunden

Eine Grafik zeigt den durchschnittlichen Intelligenzquotienten (IQ) von Männern in Deutschland, aufgeteilt nach Bundesländern. Als Quelle wird eine «Regionalstudie Kognitive Indikatoren 2026» genannt. Demnach haben Männer in Baden-Württemberg den höchsten und Männer in Mecklenburg-Vorpommern sowie Sachsen-Anhalt den niedrigsten IQ.

Bewertung

Die Studie existiert nicht und die Grafik ist eine Fälschung.

Fakten

Eine Internetsuche bringt keine Ergebnisse zur «Regionalstudie Kognitive Indikatoren 2026». Auch eine Bilderrückwärtssuche der Grafik ergibt keine seriösen Quellen für die Grafik. Ein starker Hinweis darauf, dass die Studie und Grafik erfunden sind.

Andere Zahlen von Unterhaltungsplattform

In der Vergangenheit gab es zwar immer wieder Berichte über angebliche Studien zur IQ-Verteilung nach Bundesländern, Geschlecht und Städten. Diese bezogen sich jedoch meist auf Auswertungen der Unterhaltungsplattform «mein-wahres-ich.de», die dafür die Ergebnisse von Millionen von Online-Nutzern zusammenfasste. Nutzer können auf der Plattform IQ-Tests, Persönlichkeitstests oder Berufstests machen.

Die aktuell im Netz kursierende Grafik hat damit jedoch nichts zu tun: Die dort gezeigten Werte, Daten und Zeiträume weichen von den echten Veröffentlichungen der Online-Plattform ab. Die Zahlen der angeblichen «Regionalstudie 2026» sind somit komplett fiktiv.

Kaum seriöse Daten zum IQ nach Bundesland und Geschlecht

Belastbare wissenschaftliche Daten zum IQ nach Bundesländern oder Geschlecht sind in Deutschland extrem selten. Professor Jörn Sparfeldt, Experte für Psychologische Diagnostik an der Universität des Saarlandes, erklärt auf dpa-Anfrage, dass die Rekrutierung einer repräsentativen Stichprobe für solche Vergleiche eine enorme Herausforderung darstellt.

Online-Test widerspricht wissenschaftlichen Standards

Sparfeldt zweifelt zudem an der Güte und wissenschaftlichen Seriosität von Online-Tests wie dem von mein-wahres-ich.de. Er erklärt, dass zwar die reine Aufgabenstellung des Portals (wie Würfelaufgaben oder verbale Analogien) an echte Intelligenztests angelehnt sei, das Verfahren selbst jedoch wissenschaftlichen Standards widerspreche.

«Ob und inwiefern diese Personen die Aufgaben instruktionsgemäß bearbeitet, diese beliebig durchgeklickt oder mit Hilfe beispielsweise anderer Personen oder anderer Unterstützung bearbeitet haben oder inwiefern diese Personen repräsentativ für die Gesamtgruppe der Frauen und/oder Männer beispielsweise eines Bundeslandes oder einer Stadt sind, wissen wir nicht», sagt er. Ein echter Länder- oder Geschlechtervergleich sei auf dieser Grundlage kaum sinnvoll machbar.

Qualitätsnachweise des Tests fehlen

Seriöse psychologische Tests müssen laut Sparfeldt strenge Qualitätskriterien erfüllen, die vom Diagnostik- und Testkuratorium der Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen festgelegt werden. Dazu gehören Transparenz über die theoretischen Grundlagen, die Störanfälligkeit sowie die Validität – das heißt, ob der Test auch wirklich das misst, was er messen soll.

Starre Zahl als Ergebnis unseriös

Sparfeldt bemängelt zudem, dass das Ergebnis des Tests als starre Zahl präsentiert wird («Dein IQ ist XXX»). In der professionellen Diagnostik sei so etwas unzulässig. Ein seriöser Test gebe laut Sparfeldt immer ein sogenanntes Konfidenz- oder Vertrauensintervall an – also einen statistischen Bereich, in dem der wahre IQ-Wert mit hoher Wahrscheinlichkeit liege.

(Stand: 12.5.2026)

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Wissenschaft, Gesellschaft

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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