Unter anderem wird ein Clip verbreitet, der eine vermeintliche Wettervorhersage von vor vielen Jahren einer von heute gegenüberstellt. Während die Ansagerin aus dem früheren Studio bei 32 Grad Celsius vor einer gelben Wetterkarte von einem «sonnigen und sehr warmen Sommertag» spricht, warnt der heutige Wetterexperte vor einer dunkelroten Wetterkarte angeblich bei ähnlichen Temperaturen vor einer «Hitzewelle». Damit sollen Zweifel an der aktuellen Berichterstattung über das Wetter gesät werden. Das Video verbreitet auch der kulturpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Götz Frömming.
Bewertung
Falsch. Der Clip ist unter Zuhilfenahme von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt worden. Zudem steigt die Anzahl der Tage mit mehr als 30 Grad Celsius in Deutschland an.
Fakten
Der TikTok-Account, dessen Name im Clip angegeben ist, verbreitet auf seinem Profil unzählige andere, plump produzierte KI-Videos. Dass auch der Wetter-Post auf diese Weise erstellt wurde, dafür sprechen mehrere starke Indizien:
- Es gibt kein Logo eines Fernsehsenders, wodurch ein klarer Bezug zu einem realen TV-Format fehlt.
- Die Studios wirken austauschbar. Die Ausstattungen lassen sich keinen bekannten oder etablierten Sendungen zuordnen.
- Sprechweise und Körpersprache der völlig unbekannten Moderatoren erscheinen stellenweise künstlich und wenig realistisch.
- Zwischen Aussprache und Mundbewegungen gibt es Unstimmigkeiten.
- Auf der eingeblendeten gelben Karte von früher herrscht im gesamten Bundesgebiet eine Temperatur von 32 Grad. Derart flächendeckend von Küste bis Alpenrand ist das meteorologisch nicht realistisch.
Dem Post fehlen jegliche nachprüfbaren Beweise. Es wird weder übermittelt, von wann die angeblichen Sendungen stammen, noch auf welchem Sender sie gelaufen sein sollen.
Das Video warnt vor angeblicher Manipulation, dabei ist der Clip selbst nicht echt – und führt in die Irre.
Narrativ nicht neu
Das Video steht in einer Reihe mit Falschbehauptungen aus der Vergangenheit: Was heutzutage als Klimawandel bezeichnet werde, so der Vorwurf, habe vor Jahren als ganz normaler Sommer gegolten.
Dass Menschen schon früher in extremen Sommern schwitzten, ist unstrittig. Doch zurückliegende Hitzewellen widerlegen den Klimawandel nicht. Entscheidend ist der Unterschied zwischen einzelnen Wetterereignissen und dem langfristig veränderten Klima. Um einen Trend zu bestimmen, müssen Wetter-Phänomene über Jahrzehnte betrachtet werden.
War es damals genauso heiß wie heute?
Nein. Zu erkennen ist das unter anderem an der Zahl der Hitzetage, die auch heiße Tage genannt werden. An ihnen erreicht oder überschreitet die Lufttemperatur die 30-Grad-Marke. Um klimatische Trends zu erkennen, wird unter anderem die Zahl der heißen Tage flächendeckend an den Messstationen in Deutschland während eines Jahres ermittelt – und ein Mittelwert gebildet.
In den 50 Sommern vor dem Jahr 2000 gab es den DWD-Daten zufolge nur drei Jahre mit mehr als zehn heißen Tagen: 1976, 1994 und 1995. Zum Vergleich: In den 26 Jahren seit der Jahrtausendwende gab es demnach schon mehr als ein Dutzend Sommer mit mehr als zehn Hitzetagen, neun davon seit 2015. Die Zahl der heißen Tage in Deutschland steigt also.
Dass viele Menschen meinen, früher sei es genauso heiß gewesen, ist nicht überraschend: Im Gedächtnis bleiben vor allem persönliche Momente, also zum Beispiel besonders warme und sonnenreiche Sommer statt kühle und nasse. Das heißt aber eben nicht, dass es damals tatsächlich genauso heiß war wie heute.
(Stand: 2.7.2026)
