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Beitrag zeigt Familie aus Syrien mit angeborenen Fehlbildungen

Das Schicksal der Kinder, die im Gazastreifen mit Krieg und Zerstörung aufwachsen, bewegt weltweit viele Menschen. Auch in sozialen Medien verbreiten sich immer wieder Aufnahmen, die das Leid vor Ort zeigen. Aktuell macht ein dramatisches Bild die Runde: Es zeigt ein kleines Mädchen mit rotem Kopftuch und Prothesen an beiden Beinen. Mit einer Hand geht es an einer Krücke und mit der anderen hält es die Hand eines Mannes. Dieser ist sogar kleiner als das Mädchen, weil er auf seinen etwa ab dem Knie amputierten Oberschenkeln läuft. In seinem anderen Arm hält er ein Kleinkind. «Israel hat das seinen Nachbarn angetan….», heißt es dazu auf Facebook. Stimmt das?

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Die Familie auf dem Foto stammt aus Syrien und hat laut eigener Aussage eine angeborene Fehlbildung. Mit dem Krieg im Gazastreifen haben ihre fehlenden Gliedmaßen also nichts zu tun. So wie auf dem Bild war sie in einem Video im Jahr 2022 zu sehen.

Fakten

Über eine Bilderrückwärtssuche findet sich ein Video des syrischen Mediums «SY+» aus dem Flüchtlingscamp Kafr Lusin an der syrisch-türkischen Grenze, veröffentlicht im Februar 2022.

Darin ist die abgebildete Familie zu sehen: Der Mann mit Bart und fehlenden Unterschenkeln ist der Vater. Er trägt im Video die gleiche Kleidung wie auf dem Bild. Das gilt auch für das Mädchen mit den Prothesen. Sie trägt den gestreiften Pullover mit dem Schriftzug «Flower One», ein rotes Kopftuch und die roten Prothesen. Ebenso ist ihr kleiner Bruder im Video zu sehen, der einen bunten Strickpullover trägt.

Eine Szene wie auf dem Bild, in der das Mädchen neben ihrem Vater mit dem Bruder eine steinige Straße entlangläuft, ist im Video ab Sekunde 27 zu sehen. Auch wenn sich Kleidung und Hintergrund gleichen, ist die Perspektive eine leicht andere. Das Bild ist also kein Screenshot aus dem Video.

Angeborene Fehlbildung statt Kriegsverletzung

Der Vater berichtet, dass er sowie zwei seiner sieben Kinder aufgrund einer angeborenen Anomalie mit unvollständig ausgebildeten Gliedmaßen geboren sind. Sie kommen demnach aus der Nähe von Aleppo. Wegen des syrischen Bürgerkriegs flohen sie in das Flüchtlingslager Kafr Lusin in der syrischen Provinz Idlib nahe der türkischen Grenze.

Die Familie hat also nichts mit Israel zu tun und wurde auch nicht im Krieg verwundet. Dennoch existiert sie.

In einigen Beiträgen wurde auf die deformierten Finger und Hände als angeblichen Beweis für eine KI-Generierung des Bildes verwiesen. Denn es kommt vor, dass Programme bei der Bildgenerierung zusätzliche oder ungewöhnlich geformte Finger produzieren. In diesem Fall handelt es sich jedoch nicht um Fehler einer KI, sondern um angeborene Fehlbildungen.

Das Schicksal der Familie hat über mehrere Jahre internationale Aufmerksamkeit erfahren: 2018 berichtete die Nachrichtenagentur AFP darüber, dass der Vater für seine Tochter im syrischen Flüchtlingscamp behelfsmäßige Prothesen aus Konservendosen angefertigt hatte. Daraufhin meldete sich ein türkischer Arzt und fertigte Prothesen für sie an. Damals war das Mädchen acht Jahre alt. Auch 2022 und 2023 gab es erneut Medienberichte über sie. Heute müsste sie etwa 16 Jahre alt sein.

Bild eventuell mit KI bearbeitet

Nicht verifizieren ließ sich, ob das Bild der Familie, was sich aktuell mit der falschen Zuordnung zu Israel verbreitet, ein echtes Foto ist – oder ein KI-generiertes Bild auf Grundlage des echten Videobeitrags aus 2022, in dem die Familie dieselbe Kleidung trägt.

Das zurzeit kursierenden Bild ist in der exakt gleichen Perspektive nicht in dem Video aus 2022 enthalten und nicht in Bildagenturen zu finden. Auch andere Hinweise auf einen Fotografen oder eine Quelle finden sich nicht – nur Treffer in sozialen Medien. Das ist ungewöhnlich und könnte für KI-Generierung sprechen. Ausschließen, dass es sich um ein echtes Foto handelt, kann man jedoch nicht.

Auch im Gazastreifen fehlen Prothesen

Auch wenn die abgebildete Familie keinen Bezug zum Gazastreifen oder einer Kriegsverletzung hat, sind schwere Verwundungen und fehlende Prothesen im Gastreifen dennoch ein reales Problem. Im Gazastreifen haben nach neuen Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 43.000 Menschen durch die Angriffe Israels seit Oktober 2023 lebensverändernde schwere Verletzungen erlitten. Rund ein Viertel dieser Verletzten seien Minderjährige.

Rund die Hälfte der 43.000 Menschen haben schwere Verletzungen an den Gliedmaßen, mehr als 5.000 Amputationen sowie gut 2.000 Verletzungen des Rückenmarks, wie die WHO berichtet. Es gebe viel zu wenig Rehabilitationsplätze. Lieferungen mit Rehabilitationsmaterial wie Rollstühle oder Prothesen steckten in der israelischen Zollabfertigung fest.

(Stand: 1.7.2026)

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Nahost-Konflikt, Gesundheit

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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