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Alter Fall aus den Niederlanden irreführend aufgewärmt

Eine Stadt lehnt laut einem Facebook-Post die Aufnahme von 635 Asylsuchenden ab, weil sie «keinen Platz» habe. Das stößt auf Zustimmung in sozialen Netzwerken. «Wir haben in ganz Deutschland keinen Platz mehr», heißt es in einem Kommentar. Andere schreiben, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und seine Vorgänger sollten die Menschen doch bei sich aufnehmen.

Einem darunter verlinkten Artikel zufolge kritisiert die Gemeinde, «dass die bereitgestellten Mittel von Land und Bund nicht ausreichen». Welche deutsche Stadt also hat diesen Schritt getan, um von Bundes- und Landesregierung mehr Geld zu bekommen?

Bewertung

Keine. Weder der Post noch der Artikel nennen einen konkreten Ort. Es gibt keine Stadt in Deutschland, die kürzlich die Aufnahme von 635 Asylbewerbern verweigert und damit wie behauptet eine breite Diskussion ausgelöst hätte.

Fakten

Wer im Internet mit dem Suchbegriff «635 Asylbewerber» recherchiert, bekommt lediglich einen Hinweis auf die Gemeinde Westland. Die liegt allerdings in den Niederlanden. Sucht man dann in niederländischer Sprache, ergänzt um das Wort «Westland», findet man etliche Medienberichte vom September 2025 über 635 Asylsuchende, deren Aufnahme diese Samtgemeinde zwischen Rotterdam und Den Haag abgelehnt hat.

Ohne den Hinweis auf die Niederlande ist der vier Monate später verbreitete, deutschsprachige Facebook-Post grob irreführend: Zahlreiche Nutzerinnen und Nutzer halten das Geschehen für eine Geschichte aus Deutschland, wie ihre Kommentare zeigen.

Auch der angehängte Artikel, der wie der Facebook-Post weder den Ort noch das Land nennt, führt in die Irre. Dort heißt es: «Die Gemeinde kritisiert, dass die bereitgestellten Mittel von Land und Bund nicht ausreichen, um die tatsächlichen Kosten (…) zu decken.» Diese Formulierung beschreibt offensichtlich eine Situation in Deutschland, denn «Land und Bund» gibt es im Königreich der Niederlande mit seinen zwölf Provinzen so nicht.

KI-generiertes Autorinnenbild

Die angebliche Autorin des Artikels wurde bei «rundumdeutschland.de» schon häufiger als Urheberin erfundener Berichte genannt. Zudem ergibt eine Bilderrückwärtssuche, dass das Profilbild von «Clara Müller» bei der Plattform «freepik» angeboten wird. Dort wird die Abbildung einer «Geschäftsfrau» als «AI-generated» bezeichnet, also mit Künstlicher Intelligenz erstellt.

(Stand: 30.1.2026)

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Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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