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Beim Durchschnittsvermögen liegt Deutschland im Ranking höher

«Griechen jetzt wohlhabender als Deutsche» steht über einem Balkendiagramm, das vom der AfD und dem der rechtsextremen Identitären Bewegung nahestehenden «Krautzone»-Magazin in den sozialen Netzwerken veröffentlicht worden ist. Dargestellt wird den Angaben zufolge das «Haushaltsmedianvermögen» von 30 wohlhabenden Ländern, vor allem aus Europa. Deutschland liegt in dem Vergleich mit einem Wert von 53.000 US-Dollar auf dem letzten Platz, hinter Griechenland mit 59.000 Dollar. Stimmt das wirklich?

Bewertung

Teilweise falsch – und auch wegen fehlender Informationen irreführend. In dem als Quelle genannten Bericht der Schweizer Bank UBS wird das Medianvermögen pro Erwachsenem angegeben, nicht pro Haushalt. Zudem nennt UBS neben dem Median den Durchschnitt der Vermögen. In diesem Ländervergleich liegt Deutschland deutlich weiter vorn und kommt auf einen mehr als doppelt so hohen Wert wie Griechenland.

Fakten

Die Schweizer Bank UBS legt jährlich einen «Global Wealth Report» vor, in dem weltweite Entwicklungen der Vermögen beschrieben werden. Die «Krautzone»-Grafik geht zurück auf die von UBS ermittelten Werte für das Vermögen pro Erwachsenem nach Ländern. Abgebildet werden im UBS-Bericht die 30 Länder mit den höchsten Werten.

Anders als in den «Krautzone»-Beiträgen beschrieben geht es nicht um ein Haushaltsvermögen. Die Zahlen beziehen sich auf eine erwachsene Person in den genannten Ländern. Auf der Plattform X hat das Magazin diesen Fehler nachträglich korrigiert, auf Instagram einen Hinweis im Beitragstext ergänzt. Auf Facebook fehlt ein Korrekturhinweis hingegen.

Deutsches Durchschnittsvermögen bei fast 350.000 Dollar

Doch die Grafik ist aus einem weiteren Grund irreführend. Wiedergegeben werden die 30 führenden Länder – allerdings nur aus einer von zwei Ranglisten. Denn neben dem Medianvermögen führt UBS auch die Top 30 der Durchschnittsvermögen auf.

In dieser Liste liegt Deutschland nicht auf Platz 30, sondern auf Platz 14, hinter Kanada und knapp vor Frankreich. Griechenland steht auf dem letzten Platz des Vergleichs. Mit rund 143.000 US-Dollar ist das Durchschnittsvermögen eines Erwachsenen dort weniger als halb so groß wie in Deutschland (rund 347.000 US-Dollar).

Beim Durchschnitt und beim Median handelt es sich um unterschiedliche statistische Werte. Einzeln haben sie häufig nur eine geringe Aussagekraft. Ein Durchschnittswert kann durch besonders hohe oder besonders niedrige Einzelwerte verzerrt werden.

Hinweis auf größere Vermögensungleichheit

Der Median wiederum beschreibt den Einzelwert, der auf der Mitte der Skala aller Werte liegt. Im Fall der Vermögen aus dem UBS-Bericht bedeutet er, dass eine Hälfte der Menschen in Deutschland ein größeres Vermögen hat, die andere Hälfte ein geringeres. Der Median blendet aber weitgehend aus, ob es zum Beispiel eine besonders vermögende Gruppe gibt und wie groß diese ist. Die UBS weist darauf hin, dass das Medianvermögen verschleiern kann, wie sich die Vermögen an der Spitze entwickeln.

Aussagekräftiger sind die beiden statistischen Werte zusammen – so wie sie auch von der UBS veröffentlicht werden. Ein niedriges Medianvermögen bei gleichzeitig höherem Durchschnittsvermögen kann nämlich ein Hinweis sein, dass die Vermögensungleichheit in einem Land größer ist als in anderen.

Laut UBS ist das Medianvermögen in Deutschland seit dem Jahr 2020 zurückgegangen, das Durchschnittsvermögen hingegen gestiegen. Eine solche Spreizung, die auch international festgestellt wurde, bedeutet in der Regel eine wachsende Vermögensungleichheit.

Fokus aufs Medianvermögen wird immer wieder kritisiert

Zu einem ähnlichen Schluss kam das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung im Jahr 2024 in seiner Rubrik «Unstatistik des Monats». Mehrere Medien hatten damals darüber berichtet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) für Deutschland ein im europäischen Vergleich niedriges Medianvermögen verzeichnet hatte. Beim Durchschnittsvermögen sah aber auch die EZB Deutschland im Ranking höher. «Dass Deutschland beim Durchschnittsvermögen besser abschneidet als beim Medianvermögen, liegt an der vergleichsweise hohen Vermögensungleichheit in Deutschland, da es in Deutschland viele hohe Vermögen gibt», schreibt das RWI.

Ein statistisches Maß für Vermögensungleichheit ist der Gini-Koeffizient. Hier kommt Deutschland unter den Euroländern EZB-Angaben zufolge auf einen relativ hohen Wert – was für mehr Ungleichheit spricht.

Was zählt zum untersuchten Vermögen?

Allgemein schreibt das RWI zu Ländervergleichen, dass es auf den Vermögensbegriff ankommt – ob also neben Geldvermögen auch zum Beispiel Immobilienbesitz und Pensionsansprüche berücksichtigt werden. Unterschiede zwischen den untersuchten Ländern können Vergleiche erschweren.

Die UBS gibt an, dass sie mit Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), des Internationalen Währungsfonds (IMF), der Vereinten Nationen, der Weltbank und von Zentralbanken und nationalen Statistikbehörden eigene Berechnungen angestellt habe. Zudem heißt es in dem Bericht, dass Immobilienbesitz berücksichtigt werde, nicht aber die meisten Rentenansprüche gegenüber dem Staat. Ob dadurch Verzerrungen auftreten, bleibt unklar.

Zum UBS-Vergleich der Medianvermögen kursiert eine weitere Grafik im Netz. Die Angabe «pro Erwachsenem» ist hier korrekt, das höhere deutsche Durchschnittsvermögen wird aber auch hier ausgeblendet.

(Stand: 8.7.2026)

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Wirtschaft

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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