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Deutsche Supermärkte beziehen meist heimische Kartoffeln

Das Video wurde ursprünglich vom Social-Media-Account eines Landwirtschaftsbetriebs in Sachsen gepostet: Ein Mann in einem T-Shirt des Betriebs steht an einem Kartoffelacker, auf dem Kartoffeln verstreut liegen. Er behauptet, der Betrieb könne seine Kartoffeln nicht mehr verkaufen. Grund sei, dass deutsche Supermarktketten nur noch Kartoffeln aus dem Ausland kaufen würden. Stimmt das?

Bewertung

Nein, deutsche Supermärkte beziehen ihre Kartoffeln immer noch hauptsächlich aus Deutschland.

Fakten

Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) gab Lidl an, dass sie aktuell fast ausschließlich Kartoffeln aus Deutschland anbieten würden. Ausnahmen seien spezielle Sorten, die nur saisonal verfügbar seien und die aus dem europäischen Ausland kämen. Zudem würde Lidl in den Übergangszeiten – also zum Beispiel zwischen Ernten – Kartoffeln dazukaufen. Aldi Süd bestätigte der dpa gegenüber ebenfalls, dass sie fast ausschließlich Kartoffeln aus Deutschland beziehen würden.

Ein Online-Prospekt von Lidl zeigt, dass aktuell Kartoffeln aus Deutschland im Angebot des Discounters sind. Auf der Website von Aldi Nord wird ebenfalls angegeben, dass heimische Kartoffeln im Sortiment vorhanden sind.

Hoher Selbstversorgungsgrad bei Kartoffeln

Der «Bericht zur Markt- und Versorgungslage Kartoffeln» (2025) der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL) zeigt, dass der inländische Bedarf im Wirtschaftsjahr 2023/24 zu mehr als 100 Prozent aus heimischer Erzeugung gedeckt wurde. «Der Selbstversorgungsgrad von Kartoffeln lag bei 153 %», schreibt das BMEL.

Der Selbstversorgungsgrad gibt an, zu welchem Maß die heimische Produktion den Gesamtbedarf decken kann. Ein Selbstversorgungsgrad von 153 Prozent bei Kartoffeln zeigt, dass etwa 50 Prozent mehr Kartoffeln produziert wurden, als im Inland verbraucht werden.

Deutschland ist wichtiger Exporteur

Dieser hohe Selbstversorgungsgrad macht Deutschland zu einem wichtigen Exporteur von Kartoffeln: Im Wirtschaftsjahr 2023/24 wurden laut BMEL 6,2 Millionen Tonnen exportiert – bei einer Gesamternte von 12,7 Millionen Tonnen. Dem stehen nur etwa 2,5 Millionen Tonnen importierte Kartoffeln gegenüber. Somit ist auszuschließen, dass deutsche Supermärkte nur noch Kartoffeln aus dem Ausland beziehen.

Größte Ernte seit 25 Jahren

Dennoch ist es möglich, dass Landwirte 2025 auf ihren Kartoffeln sitzen bleiben: Grund dafür ist eine Rekordernte. Laut dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) erwartet Deutschland die größte Kartoffelernte seit 25 Jahren. Schätzungsweise 13,4 Millionen Tonnen werden erwartet – die Ernte läge damit 17 Prozent über dem mehrjährigen Durchschnitt. Das BMLEH nennt ausgeweitete Anbauflächen und einen höheren Ertrag pro Hektar als Gründe für die Rekordernte.

Marktpreis fällt durch Überfluss

Was nach einem Erfolgsjahr für die Kartoffel klingt, bedeutet für Landwirte, dass sie einem hohen Preisdruck ausgesetzt sind: Der Markt wird von Kartoffeln überschwemmt und in der Folge sinkt ihr Preis. Für Kartoffeln aus der Haupternte bekommen Erzeuger aktuell ein Drittel weniger Geld als im Vorjahr.

Landwirte berichten, dass sie ihre Kartoffeln teilweise auf dem Feld liegen lassen müssten, weil sie keine Abnehmer finden würden. Diese Kartoffeln landen in der Not schlussendlich im Futtertrog oder Biogasanlagen. Die Ursache liegt aber nicht in der Einkaufspolitik der genannten Supermarktketten.

(Stand: 28.10.2025)

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Wirtschaft, Verbraucher, Umwelt

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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