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Diese Behauptungen zu Rapsöl sind irreführend

Rapsöl ist ein hochwertiges Speiseöl. In sozialen Medien wird jedoch vor angeblichen Gesundheitsrisiken wie Entzündungen, Herz-Kreislauf- oder Krebserkrankungen durch den Konsum gewarnt. Expertinnen und Experten sind allerdings keine solchen negativen Effekte bekannt. Zudem ist Rapsöl für den Menschen nicht giftig, wie fälschlich behauptet. Aufgrund seiner günstigen Fettsäurezusammensetzung wird Rapsöl als wertvoll für die menschliche Ernährung angesehen.

„Rapsöl ist hochgiftig gefährlich wie wir wissen“, heißt es in einem Facebook-Beitrag vom Januar 2024. Seit Monaten kursieren zahlreiche ähnliche Aussagen zu dem Speiseöl in sozialen Medien. Rapsöl sei etwa „kein natürliches Öl, sondern der Handelsname einer gentechnisch veränderten Version von Raps (die giftig ist)“, wird weiter behauptet. In anderen Postings heißt es, Rapsöl führe zu „Gewichtszunahme, Gedächtnisverlust und Krebs“ und erhöhe unter anderem das Risiko für Bluthochdruck und Schlaganfall. Außerdem enthalte das Öl Pestizide und töte durch seine Zulassung als Schädlingsbekämpfer Tiere und „auf lange Sicht“ auch Menschen.

Die Behauptungen zu den angeblichen Gefahren durch Rapsöl werden häufig auf Facebook geteilt. Auf Telegram kursieren die Aussagen ebenfalls und werden mitunter tausendfach angesehen oder geteilt. Auch auf deutschen Blogs (etwa hier und hier) werden die Behauptungen verbreitet.

Facebook-Screenshot der Behauptung: 25. März 2024

Rapsöl bezeichnet ein aus Rapssamen hergestelltes Öl. Bei Raps handelt es sich um die am weitesten verbreitete Ölpflanze Deutschlands. Ähnlich wie Olivenöl enthält auch Rapsöl viele wertvolle Inhaltsstoffe. Fachleute gehen davon aus, dass das Öl der Gesundheit förderlich ist – anders als aktuell in sozialen Medien behauptet.

Keine toxischen Eigenschaften von Rapsöl

Dass Rapsöl etwa „hochgiftig und gefährlich“ sei, wie online behauptet, verneinte Kurt Widhalm, Präsident des Österreichischen Akademischen Institutes für Ernährungsmedizin, gegenüber AFP am 25. März 2024 entschieden: „Rapsöl ist eines der besten Öle für den Menschen!“ Auch die deutsche Verbraucherzentrale kann den geteilten Behauptungen nichts abgewinnen. Sie verwies in einer Nachricht an AFP vom 22. März 2024 auf ihre Website zum Thema. Rapsöl wird dort als „Alleskönner“ bezeichnet. Es habe „ein günstiges Fettsäuremuster und ist ideal für die gesunde Küche“, so die Beschreibung. 

In sozialen Medien wird behauptet, Rapsöl konnte bis zum Ende der 1970er-Jahre nicht vom Menschen konsumiert werden, da es „schlicht zu giftig“ war. Die in Raps enthaltene Erucasäure mache die Pflanze toxisch. Erucasäure ist eine langkettige einfach ungesättigte Omega-9-Fettsäure, die in pflanzlichen Ölen und Fetten vorkommt. Sie ist natürlicher Bestandteil der Pflanzensamen von Raps oder Senf. 

Von Seiten der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) hieß es dazu gegenüber AFP am 26. März 2024, dass Rapsöl vor 1974 einen hohen Erucasäuregehalt von bis zu 30 Prozent hatte. „Hohe Gehalte von Erucasäure in Lebensmitteln können die Gesundheit beeinträchtigen (Herzverfettung, Veränderung des Herzmuskels). Rapsöl war daher nicht für die menschliche Ernährung geeignet.“ Seit der Züchtung von Sorten mit 0,1 bis 1,5 Prozent Erucasäure in den 1970er-Jahren stelle Erucasäure in Rapsöl kein Problem mehr dar.

Auf Anfrage an das Institut für Ernährungswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena erging eine gemeinsame Antwort der Fachleute Christine Dawczynski und Stefan Lorkowski. In ihrer Nachricht vom 26. März 2024 schrieben Dawczynski und Lorkowski an AFP: „Rapsöl ist in Nord-, Mittel- und Osteuropa und in Teilen Asiens die mengenmäßig wichtigste einheimische Ölsorte.“ In Bezug auf Erucasäure erklärten die Experten: „Tierversuche zeigen, dass die Aufnahme von Ölen, die Erucasäure in nennenswerten Mengen enthalten, im Laufe der Zeit zu einer als myokardiale Lipidose bezeichneten Herzerkrankung führen kann. Diese ist temporär und reversibel. Andere potenzielle bei Tieren beobachtete Wirkungen – einschließlich Gewichtsveränderungen der Leber, Niere und Skelettmuskulatur – treten bei etwas höheren Dosen Erucasäure auf.“ Bei Raps, der heute für Lebensmittelzwecke angebaut wird, liege der Gehalt in der Regel jedoch unter 0,5 Prozent. Die Erucasäure-Konzentrationen in handelsüblichen Rapsölen auf dem deutschen Markt seien daher unbedenklich.

Zudem sind in der EU Höchstwerte für Erucasäure in pflanzlichen Ölen festgelegt, wie das deutsche Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in einer Nachricht an AFP vom 25. März 2024 erklärte. Das BVL setzt sich unter anderem mit der Sicherheit von Lebensmitteln auseinander: „Um eine mögliche Exposition gegenüber Erucasäure weiter zu minimieren, wurden in der Verordnung (EU) 2023/915 Höchstgehalte für Erucasäure festgelegt.“ Für pflanzliche Öle und Fette, die für den Endverbraucher oder zur Verwendung als Zutat in Lebensmitteln in Verkehr gebracht werden, gilt hier ein Höchstgehalt von 20 Gramm pro Kilogramm.

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) führte gegenüber AFP am 26. März 2024 aus, dass genutzte Rapssorten ehemals auch einen hohen Gehalt der Pflanzenstoffe Glucosinolate im Schrot enthielt. Durch gezielte Züchtungen in den 1970er-Jahren wurde dieser ebenso wie bei Erucasäure verringert. Zudem wird in Bezug auf Erucasäure auf die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) verwiesen, die im Jahr 2016 „eine tolerierbare tägliche Aufnahmemenge“ von sieben Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag für den Menschen abgeleitet hat. Die Efsa hat in ihrer Bewertung von 2016 zu möglichen gesundheitlichen Risiken durch Erucasäure zudem festgestellt, dass dieser Wert „bei durchschnittlicher ernährungsbedingter Exposition aus allen Lebensmittelquellen sowohl für Erwachsene als auch für Kleinkinder“ nicht überschritten werde.

Zudem verwies das BfR auf eine im Jahr 2021 durchgeführte Studie, im Rahmen derer 300 repräsentative Rapsölproben in Einzelhandelsgeschäften in Deutschland gekauft wurden – mit dem Ziel, die Erucasäure-Konzentrationen zu untersuchen. „Alle Erucasäure-Konzentrationen der untersuchten Proben lagen in einem Bereich von 0,17 bis 9,68 Gramm pro Kilogramm.“ Das liegt deutlich unterhalb des gesetzlich festgelegten Höchstgehalts von 20 Gramm Erucasäure pro Kilogramm für pflanzliche Öle und Fette.

 

Flaschen mit Raps- und Sonnenblumenöl in einem teilweise gefüllten Supermarktregal in Septemes-les-Vallons bei Marseille in Frankreich am 3. November 2022 – Christophe SIMON / AFP

 

Günstige Zusammensetzung von Rapsöl

Weiter wird behauptet, Rapsöl sei nicht besonders gesund, schließlich werde es heutzutage auch für die Produktion von Biodiesel verwendet. Tatsächlich wird Rapsöl heute vermehrt für die Herstellung des Kraftstoffes Biodiesel eingesetzt. Ursprünglich wurde das Öl für technische Zwecke produziert und kam eben erst durch veränderte Sorten mit weniger Gehalt an Bitterstoffen für die Ernährung ins Spiel, wie Fachleute gegenüber AFP erläuterten.

Matthias Schreiner, Dozent am Institut für Lebensmittelwissenschaften der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien, erklärte AFP in einem Telefonat am 25. März 2024, dass Rapsöl mit Soja-, Sonnen- und Palmöl zu den meistgehandelten Speiseölen der Welt gehöre: „Die Falschbehauptungen haben auch mit dem vielen Geld zu tun, das hier fließt.“ Die Ernährungsexperten Christine Dawczynski und Stefan Lorkowski erklärten gegenüber AFP, dass das heute produzierte Rapsöl 52 bis 73 Prozent einfach ungesättigte Fettsäuren enthalte und damit weitgehend der Zusammensetzung von Senföl entspreche.

Fettsäuren sind Bestandteile von Fetten. Ungesättigte Fettsäuren haben vorrangig positive Wirkungen auf den menschlichen Körper wie etwa die Senkung des Cholesterolspiegels. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist es vorteilhaft, den Anteil an ungesättigten Fettsäuren, die hauptsächlich in pflanzlichen Ölen, Margarine oder etwa Nüssen enthalten sind, zu erhöhen und gleichzeitig weniger gesättigte Fettsäuren (meist aus tierischen Lebensmitteln) zu konsumieren. Das könne etwa auch dazu beitragen, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren, so die DGE auf ihrer Website.

Das BfR verwies gegenüber AFP ebenfalls auf die „günstige Fettsäurezusammensetzung“ von Rapsöl. Im Vergleich zu anderen Speiseölen besitze das „hochwertige Speiseöl“ einen geringen Anteil an gesättigten Fettsäuren und vergleichsweise hohe Gehalte an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, weswegen das Öl als „wertvoll“ für die menschliche Ernährung – besonders auch für Säuglinge und Kleinkinder – gelte. Rapsöl besteht schließlich zu über 50 Prozent aus der einfach ungesättigten Omega-9-Fettsäure Ölsäure, etwa 15 bis 30 Prozent aus der zweifach ungesättigten Omega-6-Fettsäure Linolsäure und bis zu 14 Prozent aus der dreifach ungesättigten Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure (ALA).

Rapsöl aus gentechnisch verändertem Raps ist kennzeichnungspflichtig

AFP kontaktierte Fachleute auch in Bezug auf die Behauptung, Rapsöl sei kein natürliches Öl, sondern der Handelsname „einer gentechnisch veränderten Version von Raps“, die giftig sei. In Postings wird zudem behauptet, 90 Prozent oder mehr des gesamten Rapsöls seien gentechnisch verändert.

Von Seiten des BVL hieß es dazu gegenüber AFP, dass Lebensmittel, die aus gentechnisch veränderten Organismen bestehen, diese enthalten oder daraus hergestellt sind, in der EU einer Genehmigungs- und Kennzeichnungspflicht unterliegen. „Diese können nur im Rahmen eines harmonisierten EU-weiten Zulassungsverfahrens gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1829/2003 in Verkehr gebracht werden.“ Dort ist vorgesehen, dass einer Zulassung durch die Europäische Kommission eine umfangreiche wissenschaftliche Bewertung vorausgeht. Diese wissenschaftliche Risikobewertung wird durch die Efsa unter Beteiligung der zuständigen Behörden aller EU-Mitgliedstaaten durchgeführt, erklärte das BVL. „Eine Zulassung wird von der Kommission unter Beteiligung der Mitgliedstaaten nur für Lebens- und Futtermittel erteilt, die nachweislich keine nachteiligen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch, Tier und die Umwelt haben.“ Die Aussage, gentechnisch verändertes Rapsöl sei giftig, entbehre daher für in der EU zu Lebensmittelzwecken zugelassene Rapsöle jeglicher wissenschaftlichen Grundlage, hieß es unter Bezugnahme auf nähere Ausführungen auf der Website des BVL weiter.

Dawczynski und Lorkowski erklärten gegenüber AFP ebenfalls, dass Rapsöl aus gentechnisch verändertem Raps kennzeichnungspflichtig sei, „damit der Verbraucher die Herkunft dieser Öle beim Einkauf entsprechend erkennen kann“. Die Fachleute erläuterten, dass gentechnisch veränderter Raps vor allem in Kanada großflächig angebaut werde. „Im Jahr 2019 wurde weltweit auf etwa 34 Millionen Hektar Raps angebaut. Die Fläche mit gentechnisch verändertem Raps beträgt etwa 29 Prozent.“

 

Ein Traktor fährt am 15. Mai 2023 auf einer Straße zwischen blühenden Rapsfeldern in der Nähe des kleinen bayerischen Dorfes Unterbrunn in Süddeutschland – Christof STACHE / AFP

 

Falsche Behauptungen zu Gewichtszunahme, Entzündungen, Herz-Kreislauf- oder Krebserkrankungen durch Rapsöl

In einem weiteren Posting werden zahlreiche andere Aussagen zu Rapsöl getätigt: Es sei etwa „Fettleibigkeit fördernd“. Dawczynski und Lorkowski bezeichneten derartige Aussagen gegenüber AFP als „falsch“. Prinzipiell liefere Fett oder Öl mit etwa neun Kilokalorien pro Gramm doppelt so viel Energie wie die gleiche Menge an Kohlenhydraten und Proteinen. Daher könne ein übermäßiger Verzehr von Öl eine Gewichtserhöhung zu Folge haben. Allerdings: „Dies gilt für alle Öle und nur, wenn die Energiezufuhr über dem Energiebedarf liegt.“ Rapsöl verursache also nicht per se eine Gewichtszunahme.

Das bestätigte auch das BfR gegenüber AFP: „Dem BfR liegen keine wissenschaftlich fundierten Hinweise vor, dass ein Verzehr von Rapsöl im Rahmen einer abwechslungsreichen und energieadäquaten Ernährung zu Übergewicht führt.“ Die DGE gibt als Orientierungswert für eine empfohlene Zufuhr an pflanzlichen Ölen (Raps,- Walnuss- oder Sojaöl) zehn bis 15 Gramm pro Tag an. Erwachsenen empfiehlt die DGE maximal 30 Prozent der Nahrungsenergie in Form von Fett aufzunehmen. Jüngeren Kindern und Säuglingen wird ein etwas höherer Fettanteil empfohlen.

In sozialen Medien heißt es außerdem, Rapsöl führe zu „Gedächtnisverlust und Krebs“ und erhöhe das „Risiko für Bluthochdruck und Schlaganfall“. Fachleute können dem nichts abgewinnen, wie etwa Schreiner von der Boku gegenüber AFP bestätigte. Auch Widhalm kannte dazu „keine belastbaren Aussagen“. Das BfR wies in diesem Zusammenhang auf das günstige Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren in Rapsöl, das nicht mit einer Risikoerhöhung für Krebskrankheiten in Verbindung stehe. Unter Verweis auf die DGE hieß es weiter, wissenschaftliche Überprüfungen hätten gezeigt, dass „kein Zusammenhang“ zwischen einer Risikoerhöhung für einzelne Krebskrankheiten im Zusammenhang mit der Zufuhr mehrfach ungesättigter Fettsäuren wie etwa Linolsäure bestehe. Aus Linolsäure werden etwa „gefäßerweiternde entzündungshemmende Mediatoren“ gebildet, so das BfR weiter.

Auf der Website der DGE heißt es in diesem Zusammenhang schließlich: „Die Datenlage weist auf die gesundheitlich vorteilhafte und präventive Wirkung von 1 bis 2,5 Esslöffeln Rapsöl pro Tag gegenüber Herz-Kreislauf-Erkrankungen hin.“

 

Blick auf eine Rapsblüte auf einem Feld nach der Ernte in der französischen Gemeinde Saint-Philbert-sur-Risle am 7. August 2023 – JOEL SAGET / AFP

 

Keine Beanstandungen in Bezug auf Pestizide in Rapsöl

In anderen Postings heißt es, dass 90 Prozent oder mehr des gesamten Rapsöls Pestizide enthielten. Pflanzliches Rapsöl sei von der US-amerikanischen Environmental Protection Agency (EPA) zur Schädlingsbekämpfung zugelassen, es töte demnach Tiere und auf lange Sicht auch Menschen.

Das BVL führt eine jährliche Auswertung der Daten zu Pflanzenschutzmittelrückständen in deutschen Lebensmitteln durch. Gegenüber AFP hieß es, dass zwischen 2018 und 2022 zwar insgesamt wenige Proben an Rapsöl jedes Jahr durch die zuständigen Überwachungsbehörden der Länder auf Pflanzenschutzmittel untersucht wurden. Diese waren jedoch dahingehend unauffällig, „dass in keiner Probe die geltenden Rückstandshöchstgehalte überschritten wurden“. Von Seiten der Ages hieß es gegenüber AFP ebenfalls: „Pestizidrückstände werden in Rahmen von EU-Monitorings und nationalen Monitorings sowie in der amtlichen Lebensmitteluntersuchung untersucht. Bei Rapsöl gab es in den vergangenen Jahren keine Beanstandungen wegen Überschreitung eines Höchstwerts.“ Dawczynski und Lorkowski erklärten: „Der Gehalt an Pestiziden in Rapsöl kann je nach Anbau- und Herstellungspraktiken variieren. Rapsöl, das aus konventionellem Anbau stammt, kann Rückstände von Pestiziden enthalten, die während des Anbaus zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt wurden.“ Produkte, die die Grenzwerte überschreiten, dürfen jedoch nicht verkauft werden. „Biologisch angebautes Rapsöl wird in der Regel ohne synthetische Pestizide angebaut und verarbeitet“, so die Fachleute.

Rapsöl ist in den USA und der EU tatsächlich als Wirkstoff zur Verwendung in Pflanzenschutzmitteln genehmigt, wie das BVL gegenüber AFP erklärte. „Auch in Deutschland sind Pflanzenschutzmittel mit Rapsöl als Insektizide, also zur Bekämpfung von Schadinsekten und als Akarizid, also zur Bekämpfung von Milben und Zecken, zugelassen.“ In einer Stellungnahme der Efsa aus 2022 hieß es dazu, dass unter den vorgesehenen Anwendungsbedingungen keine Bedenken hinsichtlich der menschlichen Gesundheit festgestellt wurden. Das BfR erklärte: „Insgesamt zählen die Zulassungs- und Genehmigungsverfahren für Pflanzenschutzmittel und -wirkstoffe in der EU zu den strengsten weltweit.“

Beim Julius Kühn-Institut (JKI) handelt es sich um das deutsche Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen. Das JKI führte online aus: „Rapsöl wirkt als Kontaktmittel und ist somit auch nur für solche Schadinsekten wirksam, die bei der Ausbringung direkt damit in Kontakt kommen.“ 2018 waren rund 25 Präparate, die nur auf Rapsöl basieren, zur Anwendung im Gemüse-, Obst-, Wein- und Zierpflanzenbau verfügbar.

In manchen Postings heißt es außerdem, dass 90 Prozent aller verarbeiteten Lebensmittel Rapsöl enthalten würden. Dawczynski und Lorkowski erklärten gegenüber AFP, dass Rapsöl „aufgrund seiner vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten und seines vergleichsweise niedrigen Preises“ ein beliebtes Pflanzenöl in der Lebensmittelindustrie sei. Schreiner meinte, dass am deutschen Markt aktuell vermutlich Sonnenblumenöl vorherrschend sei. Zur geteilten Behauptung sagte er: „Wenn das so wäre, wäre das gar nicht schlecht.“ Schließlich sei Rapsöl auch ein wichtiger Nährstofflieferant.

Das BfR verwies diesbezüglich auf die Mintel Datenbank GNPD (Global New Products Database) – ein globales Verzeichnis von Produkt-Neueinführungen. Eine Suche der letzten vollständigen fünf Jahre zeigte in Bezug auf Rapsöl: „Insgesamt sind in diesem Zeitraum 55.212 Lebensmittelprodukt-Neueinführungen in Deutschland zu verzeichnen – davon 8.211 (14,8 Prozent) Lebensmittelprodukt-Neueinführungen, die den Inhaltsstoff Rapsöl enthielten.“ Das BfR betonte jedoch, dass diese Angaben nicht repräsentativ seien.

Fazit: Online wird vor angeblichen Gesundheitsrisiken durch den Konsum von Rapsöl gewarnt. Fachleuten sind allerdings keine negativen Effekte wie Entzündungen, Herz-Kreislauf- oder Krebserkrankungen bekannt. Zudem ist Rapsöl für den Menschen nicht giftig, wie fälschlich behauptet. Es wird als wertvoll für die menschliche Ernährung angesehen.

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Gesundheit

Autor(en): Katharina ZWINS / AFP Österreich

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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