Bewertung
Nein, die Behauptung ist falsch. Der «Black Friday» hat nichts mit Sklavenhandel zu tun.
Fakten
Jedes Jahr bieten Händler in den USA seit geraumer Zeit am «Black Friday» (Schwarzer Freitag), dem Tag nach Thanksgiving, mehr oder weniger starke Rabatte an. Das Thanksgiving-Fest wird immer am vierten Donnerstag im November gefeiert und ist in den Vereinigten Staaten ein Feiertag. In den vergangenen Jahren schwappte der «Black Friday» auch nach Europa über.
Sklaverei in den USA 1865 abgeschafft
Die Sklaverei wurde in den USA nach dem Bürgerkrieg und dem Sieg der Nord- über die Südstaaten durch den 13. Zusatzartikel zur Verfassung vom 18. Dezember 1865 abgeschafft. Bis dahin hielten wohlhabende Weiße vor allem im Süden des Landes schwarze Sklaven. Wenn es am Tag nach Thanksgiving regelmäßig Preisnachlässe beim Kauf von Menschen gegeben hätte, ist es sehr wahrscheinlich, dass dies bekannt war und auch darüber berichtet wurde. Es sind jedoch keine zeitgenössischen Dokumente bekannt, die einen solchen Zusammenhang aufzeigen.
Der Wirtschaftshistoriker Samuel H. Williamson von der Universität Miami hat Sklaverei unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten erforscht. Er kam in einer Studie zu dem Ergebnis, dass Sklaverei von großer wirtschaftlicher Bedeutung war. Allerdings gibt es in seiner Studie ebenfalls keine Erwähnung von Preisrabatten beim Sklavenkauf am Tag nach Thanksgiving.
Andere Erklärungen für die Bezeichnung
Hingegen existieren einige andere Erklärungsansätze für die Bezeichnung. Die Neurowissenschaftlerin Bonnie Taylor-Blake von der Universität North-Carolina ist der Entstehung des Begriffs nachgegangen. In einem Beitrag für die amerikanische Dialektgesellschaft (American Dialect Society) gibt sie an, dass der Ausdruck «Black Friday» im Zusammenhang mit dem Tag nach Thanksgiving erstmals 1951 in der Zeitschrift «Factory Management and Maintenance» vorkomme. Der Autor des Artikels klagt, dass sich nach dem arbeitsfreien Donnerstag eine große Zahl von Beschäftigten krankmelde, um ein langes Wochenende zu genießen.
Seit 1961 ist auch überliefert, dass die Polizei von Philadelphia den Freitag nach Thanksgiving oft als «schwarzen Freitag» (Black Friday) bezeichnete, weil an diesem Tag in der Stadt Verkehrschaos herrschte, das die Polizeikräfte auf Trab hielt.
In einem Artikel zeichnet Taylor-Blake nach, wie Händler später versuchten, die Bedeutung der Bezeichnung ins Positive zu wenden. Dabei fügten sie die Erklärung an, dass es um den Tag gehe, an dem der Handel aus den roten Zahlen (Verluste) in die schwarzen Zahlen (Gewinne) komme.
In Europa spielt der «Black Friday» als Schnäppchentag erst seit einigen Jahren eine Rolle, vor allem wegen der Marketingbemühungen großer US-Unternehmen. Nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland gaben die Menschen hierzulande noch 2016 lediglich rund 1,7 Milliarden Euro am «Black Friday» und dem mittlerweile hinzugekommenen «Cyber Monday» aus. Für 2025 wurden etwa 5,8 Milliarden Euro erwartet.
Übrigens hat dies alles nichts mit dem «Black Friday» in der Börsengeschichte zu tun. In den USA gilt vor allem der 24. September 1869 als Schwarzer Freitag. Damals stürzte der Goldpreis in Folge von Spekulationen ab. In Europa wird (wegen der Zeitverschiebung) auch der Kollaps der New Yorker Börse vom 24. Oktober 1929 (einem Donnerstag) als «Schwarzer Freitag» bezeichnet. In Deutschland wird außerdem der 10. Juli 1931 mit dem Beginn einer Bankenkrise als «Schwarzer Freitag» betrachtet.
(Stand: 19.12.2025)
