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Falschmeldung über Hunter Biden: kein Telefonat mit Selenskyj

Hunter Biden, der Sohn von Ex-US-Präsident Joe Biden, wird von dessen Nachfolger Donald Trump und seinen Anhängern regelmäßig als Sündenbock benutzt. In einem Fall soll er angeblich heimlich mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj telefoniert haben, wie vermeintlich die US-Geheimdienstkoordinatorin und Trump-Vertraute Tulsi Gabbard offenbart haben soll. «Bestechung auf frischer Tat ertappt», heißt es etwa.

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Falsch. Weder Gabbard noch die von ihr geleitete Behörde haben einen solchen Telefonmitschnitt zwischen Hunter Biden und Selenskyj veröffentlicht. Die Behauptung stammt von einer Website, die regelmäßig Falschnachrichten verbreitet.

Fakten

Für die Behauptung, in dem Telefonat sei es um «Forderungen, Rückzahlungen und Erpressung» gegangen, werden keinerlei Quellen genannt.

Verlinkt wird stattdessen auf einen Artikel, der Ende November auf der fragwürdigen englischsprachigen Website «amg-news.com» erschien. Diese ist für die Verbreitung von Falschinformationen bekannt (siehe Faktenchecks hier, hier und hier). Schon zuvor hatte «amg-news.com» ein gefälschtes Transkript verwendet, um Desinformationen zu verbreiten.

Mangel an Beweisen

Ein solches brisantes Leck hätte mit Sicherheit breite mediale Aufmerksamkeit erregt. Doch Gabbards diverse Social-Media-Konten (Instagram und X) enthalten weder Dokumente noch Artikel, die dieses Telefonat belegen. Auch auf den Facebook– , X– und Instagram-Konten ihres Büros (Office of the Director of National Intelligence, ODNI) findet sich kein Nachweis eines solchen Gesprächs.

Auf der offiziellen Website des ODNI gibt es keine Mitteilung bezüglich der Veröffentlichung eines Transkripts oder Telefonmitschnitts. Die dpa hat Gabbards Büro kontaktiert, aber bis Ende Dezember keine Antwort erhalten.

Hunter Biden im Fadenkreuz der Republikaner

Seit Jahren führen US-Präsident Donald Trump und seine Anhänger eine Kampagne gegen Hunter Biden, insbesondere im Zusammenhang mit seiner Drogenabhängigkeit. Biden wurde in einigen Fällen verurteilt und später von seinem Vater begnadigt.

Die Falschbehauptung im Zusammenhang mit dem erfundenen Telefonat erinnert an das erste Amtsenthebungsverfahren gegen Trump Ende 2019. In dessen Mittelpunkt stand unter anderem ein Telefongespräch, in dem Trump den ukrainischen Präsidenten unter Druck setzte. Einer Untersuchung des US-Repräsentantenhauses und dem Transkript des Gesprächs zufolge bat Trump Selenskyj vor der US-Präsidentschaftswahl, belastendes Material über Hunter Biden zu finden.

(Stand: 29.12.2025)

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USA, Politik, Ukraine

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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