Bewertung
Die Geschichte vom angeblichen deutschen Start-up und seinem Rucksackzelt ist erfunden. Das Video wurde mit Künstlicher Intelligenz erstellt. Es finden sich keine Hinweise darauf, dass das gezeigte Produkt wirklich existiert. Es gibt aber ähnliche Utensilien, mit denen Obdachlose sich schützen können.
Fakten
Auffällig an dem Video über «ein deutsches Startup» ist, dass an keiner Stelle ein Name des Unternehmens oder des Produkts genannt wird. Es gibt auch keine anderen weiterführenden Informationen, zum Beispiel zu der Frage, wo obdachlose Menschen oder Hilfsorganisationen die vermeintliche Erfindung erhalten können.
Dafür weist das Video viele Unstimmigkeiten auf. Mal sind die gezeigten Zeltstangen rund, mal eckig. In einigen Einstellungen scheint das Zelt mit Isoliermaterial ausgekleidet zu sein, in anderen nicht. Auch der Rucksack sieht in den verschiedenen Ansichten unterschiedlich aus. Als die Solarzellen in diesen gesteckt werden, scheinen sie zu schrumpfen. All diese Fehler weisen eindeutig auf eine Erstellung des Videos mit KI hin.
Sucht man im Internet nach dem vermeintlichen Hilfsmittel für Obdachlose, finden sich keine Spuren dieses Zelt-Rucksacks. Auch eine visuelle Suche mit einem Bild davon liefert außer einigen Social-Media-Beiträgen keine Resultate. Zu einem echten Produkt und seinem Hersteller müsste es aber glaubwürdige Berichte oder eine eigene Website geben.
Zelt-Taschen aus den Niederlanden in Berlin verteilt
Ganz abwegig ist die Idee eines Zelt-Rucksacks für Obdachlose aber nicht. In den Niederlanden hat eine Stiftung einen sogenannten Sheltersuit und einen Shelterbag entwickelt. Sie sollen wind- und wasserdicht sein und Menschen auf der Straße vor Kälte schützen. Beim Shelterbag handelt es sich laut der Stiftung um ein tragbares Bett, das sich mit einem Schlafsack ausstatten lässt. Mit einer kleinen Zeltstange kann ein Teil des Shelterbags aufgerichtet werden. Im vergangenen Herbst wurden in Berlin einige Sheltersuits und -bags an Bedürftige verteilt.
Für Obdachlose gibt es weitere Hilfen: In vielen Städten sind im Winter sogenannte Kältebusse unterwegs, die Unterstützung anbieten und Menschen zum Beispiel in Notunterkünfte bringen. Die Busse sind telefonisch erreichbar. Hilfsorganisationen weisen aber darauf hin, dass man Obdachlose zunächst fragen sollte, ob sie Unterstützung benötigen. Wirkt eine Person hilflos oder nicht ansprechbar, sollte der Notruf gewählt werden.
Der genaue Hintergrund des Fake-Videos über das vermeintliche Rucksackzelt aus Deutschland ist nicht bekannt. Auf den Facebook- und Instagram-Seiten des Verbreiters finden sich weitere offensichtlich KI-generierte Inhalte über vermeintliche Innovationen. Möglicherweise soll mit den Accounts lediglich möglichst viel Reichweite erzielt werden. Auf Facebook hat die Seite derzeit rund 95.000 Follower, auf Instagram rund 46.000.
(Stand: 4.2.2026)
