Bewertung
Es handelt sich um eine Fälschung, mutmaßlich mit KI erstellt. Der Linken-Account hatte nur ein Foto der Frau zusammen mit Informationen zu ihrer Kandidatur für den Stadtrat veröffentlicht.
Fakten
Vor den Kommunalwahlen in Bayern im März hat die Linke in der Stadt Dinkelsbühl in Mittelfranken ihre Kandidaten auf Facebook vorgestellt. Auf Platz 1 der Liste steht Yasmin Hübel. Ein Beitrag zeigt ein Foto von ihr und nennt ihre Vorhaben für den Stadtrat.
Social-Media-Accounts aus dem rechten Spektrum verbreiten das Foto und verspotten und beleidigen Hübel – offenbar allein aufgrund ihres Aussehens. Eine AfD-Landtagsabgeordnete aus Niedersachsen schreibt, Hübel sei «modisch offensichtlich auch bestens beraten worden». Es finden sich auch homophobe und queerfeindliche Äußerungen. Hübel trägt auf dem Foto Kleidung in Regenbogenfarben und erwähnt in ihrer Vorstellung, dass sie sich für die Rechte queerer Menschen einsetzen will.
«Kaum war der Beitrag von Yasmins Spitzenkandidatur hochgeladen, sprudelte es Hassnachrichten», schreibt der bayerische Landesverband der Linken. Die Linke in Dinkelsbühl spricht von einer «beispiellosen, organisierten Hasskampagne mit Morddrohungen und KI-Fakes gegen unsere Genoss*in».
Kripo ermittelt
Um einen solchen Fake handelt es sich bei einem Video, in dem das Foto zusätzlich animiert wurde. Hübel scheint darin zu tanzen und ist nur knapp bekleidet. Durch die Verbindung mit dem Beitragstext wirkt es so, als habe die Partei dieses Video veröffentlicht. Doch das hat sie nicht. Von ihr stammt nur der Beitrag mit Foto und Vorstellungstext von Hübel.
Mit Künstlicher Intelligenz können Fotos nachträglich zu bewegten Bildern animiert werden. KI kann Personen auch verfälscht darstellen und sie in Zusammenhängen zeigen, die es nie gab. Besonders in der Kritik stehen derzeit die Plattform X und ihr Chatbot Grok, der auf Wunsch von Nutzern Frauen und auch Minderjährige nur mit Bikinis bekleidet darstellt. Die EU-Kommission hat eine Untersuchung gegen X eingeleitet.
Wie die «Fränkische Landeszeitung» berichtet, ermittelt im Fall der Hass-Welle gegen Hübel inzwischen die Kriminalpolizei. Laut der Zeitung erhielt die Linken-Politikerin Solidaritätsbekundungen von den Grünen, der SPD und der CSU in Dinkelsbühl.
(Stand: 29.1.2026)
