Masernimpfung verhindert Todesfälle - Featured image

Masernimpfung verhindert Todesfälle

Auf Facebook und X verbreitet sich derzeit ein älteres Video einer Anhörung im US-Bundesstaat West Virginia. In dem Videoausschnitt behauptet ein Medizinprofessor, seit 2003 seien in den USA nur zwei Menschen an Masern gestorben, aber 127 Menschen an der Masern-Impfung. Es wird der Eindruck vermittelt, die Masernimpfung sei gefährlicher als die Krankheit selbst.

Bewertung

Dafür gibt es keine belastbaren Belege. Die genannten Zahlen zu Impf-Todesfällen stammen aus einem US-Meldesystem für Verdachtsfälle, aus dem sich keine bestätigten Todesursachen ableiten lassen. Zugleich wird in den Beiträgen ausgeblendet, dass die niedrigen Masern-Todeszahlen gerade Folge hoher Impfquoten sind.

Fakten

Die Zahl von angeblich 127 Todesfällen durch die Masern-Impfung basiert laut der Aussage im Video auf Daten aus dem US-Meldesystem VAERS («Vaccine Adverse Event Reporting System») zwischen 2003 und 2017. In VAERS können Verdachtsfälle von Nebenwirkungen nach Impfungen gemeldet werden – auch ohne Nachweis, dass tatsächlich die Impfung die Ursache war. Darauf weist die US-Gesundheitsbehörde CDC selbst hin. Die Daten wurden aber auch schon im Zusammenhang mit Corona-Impfungen falsch interpretiert, wie ein dpa-Faktencheck zeigt.

Tatsächlich gelten Masern laut Weltgesundheitsorganisation WHO weiterhin als eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten für Kinder. Die Krankheit kann schwere Komplikationen wie Lungen- oder Gehirnentzündungen verursachen und tödlich verlaufen.

Impfungen reduzierten Masern-Todesfälle deutlich

Weltweit gingen die Masern-Todesfälle seit Einführung großflächiger Impfprogramme stark zurück. Nach Angaben der WHO wurden zwischen 2000 und 2023 durch Impfungen schätzungsweise 60 Millionen Todesfälle verhindert. Die Zahl der Masern-bedingten Todesfälle sank im selben Zeitraum um rund 87 Prozent.

Dass es in den USA zwischenzeitlich nur sehr wenige Todesfälle gab, hängt demnach mit der hohen Impfquote zusammen. Die WHO erklärte Masern im Jahr 2000 in den USA sogar offiziell für eliminiert.

Ausbrüche als Folge der Corona-Pandemie

Während der Corona-Pandemie gingen die Impfquoten allerdings vielerorts zurück. Viele Kinder verpassten ihre regulären Masernimpfungen. Seitdem steigen die Fallzahlen wieder deutlich an – auch in Europa. Die WHO Europa meldete 2023 einen starken Anstieg der Masernfälle in der Region.

Auch in den USA treten seit 2025 wieder größere Ausbrüche auf. Anfang 2025 starb dort erstmals seit Jahren wieder ein ungeimpftes Kind an Masern.

Nach Angaben der WHO ist für eine wirksame Herdenimmunität eine Impfquote von mindestens 95 Prozent notwendig. Laut Hans Henri Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa, sind Impfungen der einzige Weg, um Kinder vor einer Masernerkrankung zu schützen und weitere Ausbreitungen zu verhindern.

(Stand: 27.5.2026)

Fact Checker Logo

USA, Gesundheit

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

Nach oben scrollen