Der Tod von Alex Pretti, einem Sanitäter, der bei einer Demonstration in Minneapolis von US-Grenzschutzbeamten erschossen wurde, hat Bestürzung ausgelöst. Die genauen Umstände seines Todes sind weiterhin unklar: US-Behörden behaupten, Alex Pretti habe eine Waffe gezogen, doch Augenzeugenberichte und Analysen verschiedener Medien widersprechen dieser Darstellung.
In zahlreichen Online-Beiträgen zu dem Fall werden Aussagen zitiert, die den Eltern des 37-jährigen Krankenpflegers zugeschrieben werden. Demnach soll ihr Sohn einige Monate vor seinem Tod seine Arbeitsstelle gekündigt und sich in den vergangenen Wochen «ungewöhnlich verhalten» haben. Zudem wird behauptet, Pretti sei am Tag vor seinem Tod einer Gruppe beigetreten, habe sich vollständig aus den sozialen Medien zurückgezogen und die Waffe nicht legal bei sich getragen. Diese Beiträge wurden auf der Plattform X millionenfach aufgerufen.
Bewertung
Bei diesen Behauptungen handelt es sich um Falschaussagen. Zwar rieten Alex Prettis Eltern ihrem Sohn, während der Proteste vorsichtig zu sein, sie erwähnten jedoch weder eine Kündigung noch ein ungewöhnliches Verhalten. Zudem erklärte der Polizeichef von Minneapolis, Alex Pretti habe über eine gültige Waffenerlaubnis verfügt.
Fakten
Die Behauptungen tauchten erstmals am 26. Januar 2026 in englischsprachigen Beiträgen auf und scheinen primär der Generierung von Klicks zu dienen. Mehrere dieser Posts verweisen auf einen fragwürdigen Blogartikel. Zudem werden zwei Fotos verbreitet, die nicht Alex Pretti zeigen, wie ein Faktencheck von Reuters ausführt.
Aussagen der Eltern und Kollegen
In ihrer Stellungnahme erwähnten die Eltern weder eine Kündigung noch auffälliges Verhalten. In einer online veröffentlichten Erklärung beschrieben sie ihren Sohn als engagierten Krankenpfleger auf der Intensivstation eines Veteranenkrankenhauses in Minneapolis. Auch Kollegen Prettis äußerten sich gegenüber Medien, ohne Hinweise auf eine Kündigung zu geben.
Das einzige belegte Zitat seiner Eltern betrifft ihre Bitte zur Vorsicht, als Alex Pretti an Protesten gegen die Einwanderungs- und Zollbehörde ICE teilnahm, bei denen es zuvor bereits zu Auseinandersetzungen gekommen war. In einem Interview mit der Associated Press erklärte sein Vater, er habe seinen Sohn gewarnt, bei den Protesten «nichts Dummes anzustellen» – eine Mahnung, die dieser nach eigenen Angaben ernst genommen habe.
In ihrer Erklärung betonten die Eltern zudem, ihr Sohn sei ein «guter Mann», und bezeichneten die Darstellung der Behörden als «Lügen».
Widersprüchliche Versionen
Eine wichtige Frage bleibt nach dem Tod von Alex Pretti am 24. Januar unbeantwortet: Hat er seine Waffe auf die Polizei gerichtet?
Nach der ersten, von mehreren US-Behörden verbreiteten Version soll Alex Pretti versucht haben, Bundesgrenzschutzbeamte, die in dem Gebiet im Einsatz waren, mit einer Schusswaffe anzugreifen. Das Heimatschutzministerium erklärte zudem, er habe zwei Magazine bei sich getragen, was auf die Absicht hindeute, den Beamten «maximalen Schaden» zuzufügen.
Auswertung von Videoaufnahmen widerspricht Behördenversion
Analysen verfügbarer Bildaufnahmen, insbesondere durch die «New York Times», stützen diese Darstellung jedoch nicht. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie Alex Pretti mit seinem Mobiltelefon in der Hand zwischen eine Demonstrantin und einen Beamten tritt, der ihm daraufhin Pfefferspray ins Gesicht sprüht.
Kurz darauf wird Pretti von mehreren Männern überwältigt. Dabei bemerken sie eine Pistole an seinem Gürtel, die ihm ein Beamter in grauer Kleidung sofort abnimmt. Anschließend ist ein einzelner Schuss zu hören, dessen Herkunft bislang unklar ist. Daraufhin eröffnen die Beamten das Feuer auf Alex Pretti; insgesamt werden zehn Schüsse abgegeben. Später ist zu sehen, wie ein Beamter den leblosen Körper durchsucht und fragt, wo sich die Waffe befinde.
In den Aufnahmen ist zu keinem Zeitpunkt zu erkennen, dass Alex Pretti seine Pistole zieht – dies wurde auch von zwei Zeugen unter Eid bestätigt. Auch ein vorläufiger Bericht des Heimatschutzministeriums, der US-Medien wie NBC News vorliegt, erwähnt weder einen Angriff auf die Beamten noch das Ziehen einer Waffe. Die beiden Einsatzkräfte, die geschossen haben, wurden vom Dienst suspendiert.
Rechtmäßigkeit der Bewaffnung
Die Frage, ob Alex Pretti illegal bewaffnet war, wurde vom Polizeichef von Minneapolis, Brian O’Hara, verneint. Gegenüber CBS News erklärte er, Pretti habe nach bisherigem Kenntnisstand keine Gesetze gebrochen und über eine gültige Waffenerlaubnis verfügt.
Wiederholte Gewalt in Minneapolis
Der Tod von Alex Pretti ereignete sich vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen in den Vereinigten Staaten. Das Vorgehen von Bundesbeamten der Einwanderungsbehörden wird von vielen Bürgerinnen und Bürgern scharf kritisiert. Bereits Anfang des Monats hatten ICE-Beamte eine Einwohnerin von Minneapolis, Renee Nicole Good, getötet – ein Vorfall, der eine Welle von Protesten auslöste.
(Stand: 30.1.2026)
