Bewertung
Nein, das ist falsch. Beschlossen ist zum Rentenbeginn nichts Neues. Es gibt aber manchmal Vorschläge, die polarisieren und emotionalisieren.
Fakten
Der Stand der Dinge lässt sich bei der Deutschen Rentenversicherung nachlesen: Die Altersgrenze für eine Rente ohne Abschläge wird bis 2031 schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Ausnahmen gibt es nur für Versicherte, die schon mehr als 45 Jahre arbeiten, schwerbehinderte Menschen und Bergleute unter Tage. Wer Abschläge in Kauf nimmt oder Ausgleichszahlungen leistet, kann trotzdem immer noch früher in Rente gehen.
Forderungen der Wirtschaftsministerin
Die Idee einer späteren Rente ist keine Erfindung. Zuletzt forderte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) Ende Juli, dass die Bundesbürger mehr und länger arbeiten müssten. «Der demografische Wandel und die weiter steigende Lebenserwartung machen es unumgänglich: Die Lebensarbeitszeit muss steigen», sagte sie der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (FAZ). Andere Medien griffen das Thema auf.
Was sagt der Koalitionsvertrag?
Der Koalitionsvertrag von Union und SPD hat staatlich verordnetes längeres Arbeiten ausgeschlossen. Wörtlich heißt es dort: «Statt einer weiteren Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters wollen wir mehr Flexibilität beim Übergang vom Beruf in die Rente. Dabei setzen wir auf Freiwilligkeit. Arbeiten im Alter machen wir mit einer Aktivrente attraktiv. Wer das gesetzliche Rentenalter erreicht und freiwillig weiterarbeitet, bekommt sein Gehalt bis zu 2000 Euro im Monat steuerfrei.»
Was sind die Grundprobleme?
Die Diskussion um die Finanzierung der Rente dürfte dennoch anhalten. Denn große Grundprobleme lassen sich nicht leugnen:
1. Die geburtenstarken Jahrgänge der «Babyboomer»-Generation gehen in Rente, während deutlich weniger junge Menschen nachkommen. Das führt zu einer geringeren Anzahl von Beitragszahlern und einer höheren Anzahl von Rentenempfängern. Der «Generationenvertrag», in dem die Jüngeren die Älteren unterstützen, funktioniert deshalb nicht mehr automatisch.
2. Die Menschen leben länger, was bedeutet, dass sie auch länger Rentenleistungen beziehen. Das schmälert die Rentenkasse zusätzlich.
Debatten um die Rente toben seit Jahrzehnten – und einfache Lösungen wird es kaum geben. Behauptungen in sozialen Medien sind auch deshalb mit Vorsicht zu genießen und bedürfen immer einer Überprüfung.
(Stand: 22.08.2025)
