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Trinkwasser wird genau untersucht

Hahn auf, Wasser marsch: Hierzulande nutzt jede Person durchschnittlich fast 130 Liter Wasser pro Tag. Umso bedrohlicher wirkt da die Meldung in den sozialen Netzwerken, Trinkwasser w├╝rde hierzulande angeblich nicht auf Mikrospurenstoffe und Mikroben untersucht. Was ist da dran?

Bewertung

Trinkwasser wird auf sowohl auf Spurenstoffe als auch auf Mikroben untersucht. F├╝r einige Stoffe gibt es zwar bislang keine gesetzlich festgelegten Grenzwerte, dennoch aber entsprechende Leitwerte.

Fakten

Unter Spurenstoffen versteht man kleinste Verunreinigungen durch zum Beispiel Arznei- oder Pflanzenschutzmittel. Mikroben sind kleinste Lebewesen wie Bakterien oder Pilze. All diese Stoffe k├Ânnen als R├╝ckst├Ąnde in unserem Trinkwasser enthalten sein ÔÇô es wird jedoch auch daraufhin ├╝berpr├╝ft.

┬źDas Trinkwasser in Deutschland besitzt eine sehr gute Qualit├Ąt. Dies gilt f├╝r die gro├čen zentralen ebenso wie auch ÔÇô mit ganz wenigen Ausnahmen ÔÇô f├╝r die kleineren Wasserversorgungsanlagen,┬╗ stellt Hendrik Paar, Leiter des Fachgebiets f├╝r Trinkwasserhygiene beim Umweltbundesamt (UBA) auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) klar. So zeigten die Ergebnisse der Trinkwasser├╝berwachung, dass in ├╝ber 99 Prozent der Untersuchungen bei nahezu allen Parametern die Grenzwerte nicht ├╝berschritten wurden.

Die Trinkwassersicherheit wird durch das Infektionsschutzgesetz (IfSG) und die Europ├Ąische Trinkwasserrichtlinie geregelt. Die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) setzt diese Bestimmungen um und legt dabei unter anderem die Beschaffenheit von Trinkwasser fest. So muss es sowohl auf mikrobiologische Spuren wie Krankheitserreger als auch chemische Verunreinigungen wie Pestizide und inzwischen auch auf die sogenannten Ewigkeitschemikalien PFAS untersucht werden.

Medikamentenreste in der Umwelt

Es stimmt allerdings, dass es keine allgemeing├╝ltigen Vorschriften f├╝r Arzneimittelr├╝ckst├Ąnde im Trinkwasser gibt. Daf├╝r existierten weder national noch international gesetzlich festgelegte Grenzwerte, sagt Britta Schautz Projektleiterin f├╝r Ern├Ąhrung und Lebensmittel bei der Verbraucherzentrale Berlin gegen├╝ber der dpa. Gro├če Wasserversorger, wie etwa die Berliner Wasserbetriebe, f├╝hrten solche ├ťberpr├╝fungen aber trotzdem durch.

Aufgrund verbesserter Analysemethoden k├Ânnen inzwischen geringste Spuren von Medikamenten und Pestiziden nachgewiesen werden. ┬źDiese liegen jedoch weit unter allen bekannten Wirkungsschwellen und stellen nach aktuellem Wissen keine Gefahr dar.┬╗ erkl├Ąrt Schautz weiter. ┬źAus Sicht des gesundheitlichen Verbraucherschutzes sollte trotzdem systematischer auf Arzneimittelr├╝ckst├Ąnde kontrolliert werden.┬╗

Laut Hendrik Paar vom UBA bleibe es nicht aus, dass im Trinkwasser immer wieder Stoffe gefunden werden, f├╝r die es bislang keine Grenz- oder Leitwerte gibt. F├╝r deren Bewertung habe das Umweltbundesamt aber den ┬źGesundheitlichen Orientierungswert┬╗ (GOW) entwickelt. In einer entsprechenden Liste (Download) finden sich auch Werte f├╝r Medikamente, zum Beispiel f├╝r das Schmerzmittel Diclofenac.

Neue gesetzliche Regelungen

In der EU-Trinkwasserrichtlinie ist die Belastung durch Spurenstoffe wie Arzneimittel ebenfalls Thema. So wurde dort die Einf├╝hrung einer Beobachtungsliste festgelegt, um flexibel auf neu nachgewiesene Stoffe und deren m├Âgliche gesundheitliche Auswirkungen reagieren zu k├Ânnen.

Au├čerdem wurde ein ┬źRisikobasierter Ansatz f├╝r sicheres Wasser┬╗ eingef├╝hrt. Ziel sei eine individuelle Risikoabsch├Ątzung in Wasserversorgungsanlagen sowie die Umsetzung von entsprechenden Ma├čnahmen, so Hendrik Paar. ┬źDas pr├Ąventive Risikomanagement wird zuk├╝nftig auch das Einzugsgebiet der Wasserversorgungsanlage umfassen und ist verkn├╝pft mit den Stoffen und Verbindungen der europ├Ąischen Beobachtungsliste.┬╗

Doch auch wir k├Ânnen unseren Beitrag dazu leisten, dass weniger Arzneimittel im Trinkwasser landen, f├╝gt Britta Schautz von der Verbraucherzentrale Berlin abschlie├čend hinzu: Ganz einfach, indem wir Medikamente nicht ├╝ber die Sp├╝le oder Toilette, sondern die Restm├╝lltonne oder eine spezielle Sammelstelle entsorgen.

(Stand: 18.1.2024)

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Wissenschaft, Verbraucher

Autor(en): dpa

Urspr├╝nglich hier ver├Âffentlicht.

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