Die Online-Zeitung «Deutschlandkurier» schreibt, der Untersuchungsbericht erhärte den Verdacht, dass Wind- und Solarstrom eine Kettenreaktion ausgelöst hätten und somit für den Stromausfall verantwortlich seien. Doch geht das tatsächlich aus dem Bericht hervor?
Bewertung
Die Behauptung, Wind- und Solarstrom seien allein für den Stromausfall verantwortlich gewesen, greift zu kurz. Laut Abschlussbericht führte erst ein Zusammenspiel mehrerer technischer und organisatorischer Faktoren zur Eskalation.
Fakten
Der Abschlussbericht nennt Wind- und Solarstrom nicht als alleinige Ursache des Stromausfalls. Die Experten sprechen vielmehr von einem Zusammenspiel vieler Faktoren. Dazu gehörten Schwingungen im Stromnetz, Probleme bei der Spannungsregelung, unterschiedliche technische Standards sowie eine Kette automatischer Abschaltungen von Kraftwerken und anderen Stromerzeugern.
So kam es zum Blackout
Der Tag des Stromausfalls sei ein typischer sonniger Frühlingstag in Spanien ohne ungewöhnliche Spitzen bei der Stromgewinnung aus erneuerbaren Energiequellen gewesen: «Die Solarstromerzeugung des Systems entsprach in etwa der der vorangegangenen Tage, während die Windenergieerzeugung zwar schwankender war, sich jedoch im Rahmen der an den vorangegangenen Tagen beobachteten Werte bewegte.» (S.9)
Laut Berichtentwickelte sich der Stromausfall innerhalb weniger Sekunden. Zunächst kam es im iberischen Stromnetz zu ungewöhnlichen Spannungsschwankungen und sogenannten Oszillationen – also schnellen elektrischen Schwankungen im Netz. Dadurch stieg die Spannung stark an.
In der Folge schalteten sich zahlreiche Anlagen automatisch vom Netz ab, um Schäden zu vermeiden. «Die Ausfallanalyse zeigt, dass mindestens 10 Abschaltungen nicht den geltenden Anforderungen entsprachen», heißt es dazu in dem Bericht (S. 460).
Diese Kettenreaktion führte schließlich dazu, dass sich das Stromnetz auf der Iberischen Halbinsel vom restlichen europäischen Verbundnetz trennte. Große Teile Spaniens und Portugals verloren daraufhin die Stromversorgung.
Die Rolle der erneuerbaren Energien
Im Bericht wird zwar erwähnt, dass besonders viele sogenannte inverterbasierte Anlagen betroffen waren. Dazu zählen unter anderem Solarparks und moderne Windkraftanlagen. Sie speisen ihren Strom über elektronische Technik ins Netz ein und funktionieren deshalb anders als klassische Kohle- oder Gaskraftwerke.
Die Experten führen den Blackout jedoch nicht auf die bloße Einspeisung erneuerbarer Energien zurück. Als entscheidend nennen sie vielmehr unzureichende Regelmechanismen und Probleme bei der Stabilisierung des Stromnetzes.
Der Bericht verweist außerdem darauf, dass sich die europäischen Stromnetze durch den Ausbau erneuerbarer Energien verändern. Solar- und Windkraftanlagen könnten grundsätzlich auch zur Stabilität der Netze beitragen, wenn die technischen und regulatorischen Voraussetzungen geschaffen würden. Spanien änderte nach dem Blackout bereits entsprechende Vorschriften.
(Stand: 13.5.2025)
