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Nein. Zum einen stammen die Äußerungen von Chrupalla bereits aus dem September 2024. Er bezog sich auf die Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen, die damals gerade stattgefunden hatten. Zum anderen enthält das Statement keine konkreten Vorwürfe oder gar Belege für Wahlmanipulation. Es wurde in dem Tiktok-Video also auch falsch interpretiert.
Fakten
Die Aussagen von AfD-Chef Tino Chrupalla werden in dem Video in einen falschen Zusammenhang mit der Landtagswahl in Baden-Württemberg gebracht, die am 8. März 2026 stattfand. Eine Stichwortsuche zeigt: Das Video von Chrupalla zeigt eine AfD-Pressekonferenz, die am 2. September 2024 abgehalten wurde.
Am Tag zuvor hatten in Sachsen und Thüringen Landtagswahlen stattgefunden. Gegen Ende der Pressekonferenz äußerte sich Chrupalla nach einer Frage eines Reporters zu möglichen Wahlmanipulationen. Laut Chrupalla würden zum Beispiel Wahlurnen «teilweise nicht rechtssicher aufbewahrt». Auf welche Fälle Chrupalla sich konkret bezog und ob es dabei um Sachsen und Thüringen ging, sagte er nicht.
Zudem habe die AfD anders als CDU und SPD «aktuell in Altenheimen» keinen Zutritt für den Wahlkampf erhalten. Zur Briefwahl sagte Chrupalla, er persönlich würde sie «wieder verbieten». Konkrete Probleme mit der Sicherheit der Briefwahl nannte er nicht.
Die Chrupalla-Aussagen haben nicht nur keinen Bezug zur Landtagswahl in Baden-Württemberg. Der AfD-Chef lieferte auch zu den Wahlen in Sachsen und Thüringen keine konkreten Belege für eine Manipulation.
Keine Manipulationen in Baden-Württemberg bekannt
In Sachsen gab es damals allerdings zwei Vorfälle. Zum einen hatte die Landeswahlleitung zunächst die Sitzverteilung im Landtag falsch berechnet, weil ein veraltetes mathematisches Verfahren angewendet worden war. Durch die Korrektur am Tag nach der Wahl verloren AfD und CDU je einen Sitz, die AfD dadurch auch die Sperrminorität im Parlament. Zum anderen hatte ein Mann in Dresden Stimmzettel zugunsten der rechtsextremen Kleinstpartei Freie Sachsen manipuliert. Die Wahlbriefe hatte er aus Briefkästen entnommen. Im Jahr 2025 wurde er deswegen und wegen weiterer Vergehen zu mehr als vier Jahren Haft verurteilt.
Bei der Wahl in Baden-Württemberg sind bislang keine Fälle von Wahlmanipulation bekannt. Das teilten auf dpa-Anfrage vom 12. März sowohl die Landeswahlleiterin als auch der Vorsitzende des Wahlprüfungsausschusses im Stuttgarter Landtag – ein AfD-Politiker – mit.
Im brandenburgischen Strausberg soll die Stichwahl stattfinden
Weitgehend korrekt wiedergegeben werden in dem Tiktok-Video Vorwürfe rund um die Bürgermeisterwahl in Strausberg bei Berlin im Februar 2026. Dort hatte der Landrat die erste Runde der Wahl annulliert, weil es Unregelmäßigkeiten bei der Briefwahl gegeben haben soll. So sollen ungewöhnlich viele Briefwahlunterlagen nicht den Weg zurück zur Wahlbehörde gefunden haben. Die Unterlagen sollen in einer Postfiliale eingegangen sein, die sich in einem Geschäft eines der Kandidaten befindet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Zuletzt erklärte ein Gericht die Annullierung der Wahl jedoch für rechtswidrig. Der Landrat habe dafür keine Rechtsgrundlage gehabt. Zweifel an der Wahl müssten in einem nachträglichen Wahlprüfungsverfahren geklärt werden. Ende des Monats soll nun die Stichwahl stattfinden. Mit Baden-Württemberg hat aber auch dieser Fall nichts zu tun.
Aus der AfD gibt es rund um Wahltermine immer wieder Warnungen vor möglichem Betrug. Auch die Sicherheit der Briefwahl wurde von Vertretern der Partei wiederholt angezweifelt. Fälle von umfangreichen Manipulationen zulasten der AfD sind aber nicht bekannt.
(Stand: 17.3.2026)
