Bewertung
Es gibt keine bundesweite Empfehlung, Leitungswasser vor dem Verzehr zu filtern. Weder das Umweltbundesamt noch die Bundesregierung haben sich so geäußert.
Fakten
Es stimmt nicht, dass Leitungswasser nicht mehr als Trinkwasser empfohlen wird. Die Bundesregierung hat so etwas nicht verkündet.
Hendrik Paar ist beim Umweltbundesamt Leiter des Fachgebiets für Trinkwasserhygiene und schrieb der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage per Mail: «Das Umweltbundesamt hat keine derartige Empfehlung ausgesprochen.» Dem Amt sei auch keine derartige Empfehlung durch Landesbehörden oder Ministerien der Bundesländer bekannt. «Die Regelungen der Trinkwasserverordnung gelten weiterhin.»
Die Einhaltung der Anforderungen der Verordnung an Wasser für den menschlichen Gebrauch müsse jederzeit sichergestellt sein, schrieb Paar. Dazu seien «Überwachungspflichten durch den Betreiber von Wasserversorgunganlagen sowie durch die örtlich zuständigen Gesundheitsämter» festgelegt.
Die Qualität des Leitungswassers in Deutschland gilt als sehr gut. Gesetzliche Vorgaben dafür gibt es im EU-Recht und in der Trinkwasserverordnung. In der Verordnung heißt es in Paragraph 5 zum Beispiel, das Trinkwasser in Deutschland solle «rein und genusstauglich» sein.
Rückstände «selbst bei täglichem Konsum unbedenklich»
In den Videos heißt es, «Mikroverunreinigungen» und «Medikamentenreste» seien der Grund für die vermeintliche Warnung. Die Verbraucherzentrale schreibt dahingehend: «In einigen Trinkwässern können durch die breite Verteilung und massenhafte Nutzung von Medikamenten und Pestiziden geringste Spuren einzelner Schadstoffe im Wasser gemessen werden, die weit unterhalb der erlaubten Grenzwerte liegen und selbst bei täglichem Konsum unbedenklich sind.» Im Januar wurden zusätzlich Grenzwerte für die Ewigkeitschemikalien PFAS aufgenommen.
Fachgebietsleiter Paar vom Umweltbundesamt schrieb der dpa: «Derzeit gibt es keine Daten, die auf offensichtliche Gesundheitsbedenken im Zusammenhang mit der Exposition gegenüber Mikroplastikpartikeln durch Trinkwasser hindeuten. Aufgrund des Rückhalts von Partikeln während einer Untergrundpassage sowie der etablierten Filtrationsprozesse im Zuge der Trinkwasseraufbereitung kann von einem sehr guten Rückhalt von Mikroplastik bei der Trinkwassergewinnung ausgegangen werden.»
Massenhafte Falschmeldungen
Accounts, die die Falschmeldung verbreiten, haben Titel wie «deutsche.nachricht4» oder «Deutsche Nachrichten». Welche Medienunternehmen dahinterstehen, wird aber nicht ersichtlich. Nach diesem Muster wird Social Media schon seit längerer Zeit mit Falschinformationen geflutet.
(Stand: 6.5.26)
