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Wie ein YouTube-Video Pistorius’ Russland-Warnung verzerrt

In der Debatte über einen möglichen Angriff Russlands auf einen Nato-Staat kursiert ein Youtube-Video mit der angeblichen Aussage von Verteidigungsminister Boris Pistorius: «Russland greift NATO in 2 Jahren an!». Das Video wurde am 17. November auf einem Kanal veröffentlicht, dessen Behauptungen schon häufiger Inhalt von Faktenchecks (hier, hier, hier und hier) waren.

Bewertung

Die zugespitzte Aussage des YouTube-Videos verzerrt die tatsächlichen Äußerungen von Pistorius und lässt wesentlichen Kontext weg. Pistorius verweist im zitierten Interview auf Einschätzungen verschiedener Militärexperten und Nachrichtendienste dazu, wann Russlands Streitkräfte in der Lage sein könnten, ein Nato-Mitglied im Osten anzugreifen. Diese Prognosen reichen von innerhalb des kommenden halben Jahres bis zum Jahr 2029.

Fakten

Das Video bezieht sich zunächst auf Aussagen des EU-Verteidigungskommissars Kubilius. Dieser betonte am 16. November in seiner Eröffnungsrede auf der Konferenz «Verteidigung des Baltikums: Lehren aus dem Krieg in der Ukraine», dass Russland laut Geheimdienstberichten eine unmittelbare Bedrohung darstelle. Er verwies darauf, dass Russland in den nächsten zwei bis vier Jahren einen NATO-Staat angreifen könnte, wobei die baltischen Staaten das wahrscheinlichste Ziel seien.

Später im Video verweist der Sprecher auf ein FAZ-Interview mit Verteidigungsminister Boris Pistorius vom 15. November 2025. Darin wird Pistorius gefragt, ob der Kurswechsel in der deutschen Verteidigungsstrategie zu langsam vorangehe und ob Russland möglicherweise früher angreifen könne. Pistorius erklärt, dass Militärexperten und Nachrichtendienste einschätzen, wann Russland seine Streitkräfte so weit wiederhergestellt haben könnte, dass ein Angriff auf ein östliches NATO-Mitglied möglich wäre: «Wir haben immer gesagt, das könnte ab 2029 der Fall sein. Jetzt gibt es allerdings andere, die sagen, dies sei schon ab 2028 denkbar, und manche Militärhistoriker meinen sogar, wir hätten schon den letzten Sommer im Frieden gehabt.»

Der Minister gibt in diesem Interview also keine neue eigene Prognose zu einem möglichen Angriff ab. Vielmehr wiederholt er die Jahreszahl 2029 und spricht davon, dass «andere» sowie «manche Militärhistoriker» ein früheres Datum für denkbar halten.

(Stand: 26.11.2025)

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Russland, Politik

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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