Bewertung
Das Video basiert auf einem Missverständnis. Die eingeblendete Grafik bezieht sich auf staatliche Gelder in Bayern zur Unterstützung des Ludwig-Erhard-Gipfels. Der Name der Veranstaltung wurde mit dem Zitat «Swingerclub» ersetzt – es stammt aus einem Meinungsbeitrag.
Fakten
Der Mann in dem Video nimmt Bezug auf eine Grafik des «Deutschlandkuriers». Die Aufschrift, die in dem Video teilweise überdeckt ist, lautet darauf: «Auch Söder (CSU) sumpft im Weimer-Sumpf: 700.000 Euro bayerische Steuergelder für „Swingerclub“ am Tegernsee!» Auf der Plattform X hat das Medium die Grafik zusammen mit einem Text aus einem Artikel verbreitet.
Das Wort «Swingerclub» ist dabei bewusst in Anführungszeichen gesetzt worden: Aus dem zugehörigen Text geht hervor, dass es sich um ein Zitat handelt. So heißt es: «Die Staatsregierung überprüfe nun, ob „der Kongress“, bei dem es sich laut Berliner „Tagesspiegel“ um eine Art „politischen Swingerclub“ für zahlungskräftige Unternehmer handelt, weiter staatliche Unterstützung bekommen soll.»
Der «Deutschlandkurier» bezieht sich somit auf den «Tagesspiegel». In einem Kommentar vom 20. November hatte ein Autor der Zeitung zuvor seine Meinung zu dem Thema verfasst. Eine Reaktion der Weimer Media Group verglich er darin mit einer «Swinger-Club-Szene».
Es geht hier also um eine Interpretation in einem Meinungsbeitrag. Diese verwendet der «Deutschlandkurier» in seiner Grafik als Synonym für den Namen der Veranstaltung. Dass Steuergelder tatsächlich vom Ludwig-Erhard-Gipfel für Besuche in Swingerclubs ausgegeben wurden, steht in keinem Artikel und es lassen sich dafür keinerlei Belege finden. Das Video basiert auf einem Missverständnis.
Was ist der Hintergrund der Vorwürfe gegen Wolfram Weimer?
Es geht um den Ludwig-Erhard-Gipfel, der seit 2014 von der Weimer Media Group am Tegernsee organisiert wird. Gründer sind Wolfram Weimer und seine Frau Christiane Goetz-Weimer. Ein Bericht des Portals «Apollo News» hatte für Aufsehen gesorgt.
Demnach habe die Weimer Media Group als Veranstalter des Netzwerk-Treffens Teilnahmepakete für mehrere Zehntausend Euro angeboten und mit möglichem «Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger» geworben. Dies hat Fragen aufgeworfen, ob Weimer seine Position als Kulturstaatsminister und seine privatwirtschaftlichen Interessen ausreichend trennt.
Weimer weist den Vorwurf möglicher Interessenkonflikte zurück. Um «jeglichen Anschein eines Interessenkonflikts zu vermeiden, der indes tatsächlich nie bestanden hat», kündigte er an, seine Anteile an der Weimer Media Group einem Treuhänder zu übertragen. Funktionen und Stimmrechte im Verlag hatte er nach eigenen Angaben bereits abgegeben, bevor er im Mai zum parteilosen Staatsminister für Kultur und Medien ernannt wurde.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) stellte sich am Wochenende hinter seinen Kulturstaatsminister: Die Vorwürfe gegen Weimer hätten sich als falsch erwiesen. Derweil prüft die bayerische Staatsregierung laut eigener Aussage, ob der Gipfel weiterhin staatliche Unterstützung erhalten soll. Nach Recherchen der «Süddeutschen Zeitung» flossen zwischen 2022 und 2025 aus diversen Etats in Bayern rund 700.000 Euro öffentlicher Mittel zur Unterstützung der Veranstaltung.
(Stand: 25.11.2025)
