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Temperaturen von verschiedenen Orten an verschiedenen Tagen

Es wirkt verwirrend: Der Textstreifen unten auf dem Bildschirm verkündet «mehr als 42 Grad auf Korsika», während ein Thermometer oben im Bild bloß 32 Grad zeigt. Manche Nutzer sozialer Netzwerke bezeichnen das als eine koordinierte Kampagne der psychologischen Kriegsführung. Hat der französische Fernsehsender, von dem der Screenshot stammt, hier tatsächlich falsche Temperaturen gemeldet?

Beurteilung

Die Temperaturen wurden beide gemessen – nur an verschiedenen Tagen und an verschiedenen Orten auf Korsika. Der Eindruck einer Manipulation konnte entstehen, weil der Sender Bilder vom Vortag benutzte. Dieser Kontext fehlt in der Momentaufnahme des Screenshots.

Fakten

Eine Suche nach den Wörtern, die rechts auf dem Geschäft zu sehen sind, führt zu einer Apotheke in der Hafenstadt Bastia auf der französischen Mittelmeerinsel Korsika. Der teilweise sichtbare Text links im Bild zeigt, dass der Screenshot aus der Diskussionssendung Face à l’info été des Fernsehsenders CNEWS stammt.

In der Sendung vom 18. Juli 2023 wird anfangs eine kurze Nachrichtenübersicht gegeben. Bei Sekunde 22 ist das Thermometer der Apotheke zu sehen. Gleichzeitig zeigt der Schriftbalken unten an, dass auf Korsika Temperaturen von mehr als 42 Grad gemessen wurden. In dem kurzen Beitrag geht es darum, dass auf Korsika wegen der Hitzewelle eine erhöhte Warnstufe ausgerufen wurde.

Das Bild der Apotheke stammt aus einer Reportage, die am Morgen des 18. Juli online gestellt wurde und Bilder vom 17. Juli enthält. Das ist auch daran zu erkennen, das links oben auf dem Screenshot hinter der – teilweise abgeschnittenen – Ortsangabe «Bastia (Haute-Corse)» das Wort «hier» (gestern) zu lesen ist.

In der Reportage, aus der das Bild stammt, weist die Sprecherin gleich zu Beginn darauf hin, dass es hier um die Lage in Bastia geht. Als ein Ausschnitt davon am Abend des 18. Juli in der Sendung Face à l’info été erneut verwendet wird, ist dieser mit der Ortsangabe «Bastia» und dem Hinweis auf «gestern» gekennzeichnet. Eine Sprecherin erzählt dann, dass im Ort Castirla inzwischen eine Temperatur von mehr 42 Grad Celsius gemessen wurde.

Wetterstation im Zentrum der Insel

In der Reportage ist keine Rede davon, dass auf Korsika mehr als 42 Grad gemessen wurden. Allerdings wird gesagt, dass für den 18. Juli Temperaturen von 40 Grad erwartet würden, was dann auch eintrat.

Ein Messwert von 42,8 Grad wurde nämlich gegen 15 Uhr am 18. Juli in Castirla registriert (manche Medien meldeten auch 42,3 Grad). In der Reportage, die am 17. Juli entstand, konnte das logischerweise noch nicht enthalten sein.

Castirla ist ein Ort im Innern der Insel Korsika. Dass in Bastia, an der Küste, niedrigere Temperaturen gemessen wurden, ist normal. Für die Messstation von Castirla brach der Wert vom 18. Juli übrigens ein einen 40 Jahre alten Hitzerekord: Im Jahr 1983 waren dort 41,5 Grad aufgezeichnet worden.

Der französische Fernsehsender hat also die Wahrnehmung der Hitzewelle nicht manipuliert. Die Redaktion verwendete lediglich Bilder vom Vortag, um Nachrichten über hohe Temperaturen zu illustrieren. Wer den Beitrag im Fernsehen sah, bekam das mit. Wer nur online einen Screenshot ohne Kontext sah, wurde getäuscht.

Trotzdem lässt sich kritisieren, dass Medien die Temperatur vom Messpunkt Castirla aufgriffen. Der flämische Faktenchecker Rien Emmery merkte an, dass die dortige Wetterstation kein besonders geeigneter Ort für verlässliche Messungen ist. Der französische Wetterdienst Météo-France stuft die Station in Klasse 5 ein, die schlechteste Stufe. Messungen von Stationen der Klasse 5 können einige Grade von der tatsächlichen Temperatur abweichen.

Die Messung von 42,8 Grad in Castirla ist also ein Hitzerekord für die Station. Weniger eindeutig ist die meteorologische Aussagekraft dieser Messung.

(Stand: 25.07.2023)

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Klimawandel, Gesellschaft, Umwelt

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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