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Falsche Darstellung zur Enteisung von Windrädern in Deutschland

Die niedrigen Temperaturen und der anhaltende Schneefall verursachen in Deutschland derzeit vielerorts für Einschränkungen. In sozialen Netzwerken wird in diesem Zusammenhang ein Video verbreitet, das eine vereiste Windkraftanlage und einen Hubschrauber zeigt, der eine Flüssigkeit auf Rotorblätter sprüht. Begleitend heißt es, in Deutschland würden Windräder mit «umweltfreundlichem Kerosin» mithilfe von Hubschraubern enteist. Das sei ein Beleg dafür, dass sogenannte «grüne Energie» weder umweltfreundlich noch nachhaltig sei.

Bewertung

Die Darstellung ist falsch. Enteisungen von Windkraftanlagen mit Hubschraubern sind in Deutschland keine Praxis.

Fakten

Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erklärte ein Sprecher des Bundesverbands Windenergie (BWE): «Es gibt in Deutschland keine Enteisung von Windenergieanlagen durch Hubschrauber. Zum Schutz vor Vereisen gibt es Heizsysteme für Windenergieanlagen.»

Eine Bilderrückwärtssuche zeigt, dass vergleichbare Aufnahmen aus anderen Ländern im Umlauf sind. Die schwedische Technikzeitschrift «Ny Teknik» etwa veröffentlichte im Jahr 2015 einen Bericht über ein Enteisungsverfahren in Nordschweden, das mit einer ähnlichen Momentaufnahme bebildert ist.

Darin wird eine Methode beschrieben, bei der Rotorblätter mithilfe von heißem Wasser enteist werden, das mit einem Helikopter aufgetragen wird. Kerosin kommt dabei nicht zum Einsatz. Der Deutschlandfunk berichtete 2014 ebenfalls über eine Enteisung von Windkraftanlagen in Schweden, bei der heißes Wasser auf Rotorblätter gesprüht wird.

Dem Umweltbundesamt sind keine Fälle bekannt

Vergleichbare Behauptungen kursieren seit Jahren im Netz: Zu einer früheren Recherche hatte das deutsche Umweltbundesamt gegenüber der dpa erklärt, dass für den Einsatz von Chemikalien beim Enteisen Genehmigungen nötig seien. «Solche Anträge sind uns aber überhaupt nicht bekannt», hieß es.

(Stand: 12.01.2025)

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Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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