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Wieso das Wählerpotenzial für Parteien fast unerreichbar ist

12 Prozent: So wenig Unterstützung hat die SPD derzeit nur noch in der Bevölkerung, wie aus dem ZDF-Politbarometer aus dem April hervorgeht. Gleichzeitig kursiert auf Social Media ein Post, der die SPD-Politikerin Saskia Esken zitiert. Darin äußert sie, dass das Potenzial ihrer Partei bei 47 Prozent liege. «Trotz des jüngsten Insa-Sonntagstrends, der die Partei im freien Fall zeigt, betont die Co-Parteichefin weiterhin ein großes Wählerpotenzial», heißt es im Begleittext. Hat Esken das wirklich gesagt? Und falls ja: Wie kommt sie darauf?

Bewertung

Die Aussage der ehemaligen SPD-Vorsitzenden Saskia Esken stammt aus dem November 2024, wenige Tage nach dem Aus der Ampelkoalition. Seit Juni 2025 ist sie nicht mehr SPD-Vorsitzende. Um das Wählerpotenzial einer Partei zu ermitteln, addieren Umfrageinstitute die Gruppe, die die Partei wählen wollen, und die, die angeben, sich das prinzipiell vorstellen zu können.

Fakten

Saskia Esken gab im November 2024 in der ZDF-Sendung «Berlin direkt» ein Interview. Darin sagte die damalige SPD-Chefin: «Wir haben wahrgenommen, dass wir ein Wählerpotenzial haben, das immer noch bei 47 Prozent liegt.» Esken war bis Ende Juni 2025 Parteivorsitzende.

Zum Zeitpunkt der Aussage lag die SPD im ZDF-Politbarometer bei 16 Prozent. Betrachtet man die Fehlertoleranz von etwa zwei Prozentpunkten, waren die Sozialdemokraten also schon damals auf einem ähnlichen Umfrageniveau wie heute. Esken wurde laut ZDF für ihre Aussage kritisiert, wenngleich sie sich dabei auf die demoskopischen Erkenntnisse aus dem ARD-Deutschlandtrend von Infratest Dimap berief.

Was ist das Wählerpotenzial?

Dass das Wählerpotenzial allerdings bei einer Wahl ausgeschöpft wird, ist unwahrscheinlich. Denn das Wählerpotenzial setzt sich zusammen aus den Personen, die diese Partei wählen wollen, plus denjenigen, die sich vorstellen können, diese Partei zu wählen.

Ein Beispiel: Bei einer Umfrage äußert eine Person eine Wahlabsicht für Bündnis 90/Die Grünen. Dann wird diese Person gefragt, ob sie sich vorstellen könne, auch eine andere Partei zu wählen. Wenn diese Person dann die SPD nennt, fließt diese Person in das Wählerpotenzial der SPD ein – aber auch in das Wählerpotenzial der Grünen.

Dass eine Partei angesichts dieser Mehrfachnennung ihr Wählerpotenzial wirklich ausschöpfen kann, kommt in der Regel nicht vor. Schließlich muss man sich bei der Bundestagswahl bei der Zweitstimme für eine Partei entscheiden. Die besagte Person kann ihr Kreuz also entweder bei der SPD oder bei den Grünen machen – auch wenn sie sich ursprünglich vorstellen konnte, beide zu wählen.

Saskia Esken antwortet auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, dass sie zwar nicht glaube, dass eine Partei vollständig ihr Wählerpotenzial erreichen könne. Trotzdem sagt Esken, dass sie ihre damalige Aussage mit aktualisierten Zahlen wieder tätigen würde, aber sie würde dieses Mal «darauf achten, dass der Kontext mitgesendet wird».

(Stand: 4.5.2026)

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Wahlen, Politik

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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