Doch, Schwedens König schüttelte Wolodymyr Selenskyjs Hand

König Carl Gustaf von Schweden besuchte am 17. April den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Lwiw, in der Ukraine. Auch Schwedens Außenministerin Maria Malmer Stenergård nahm an dem Treffen teil. Wie das schwedische Königshaus mitteilte, wollten sie damit ihre Unterstützung für die Ukraine bekräftigen.

Doch in Sozialen Netzwerken kursiert ein Video, das angeblich das Gegenteil belege. König Gustaf habe bei der Begrüßung den Handschlag mit Selenskyj verweigert. Das zeige, so die Interpretation mancher, die Staatschefs seien die Besuche leid und würden ihr Geld nicht mehr an die Ukraine zahlen wollen.

Allein ein deutscher Tiktok-Beitrag mit dieser Behauptung erreichte fast eine halbe Millionen Aufrufe. Weitere Beiträge kursieren zum Beispiel auf Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Polnisch und Niederländisch. Auf Russisch finden sich teils wortgleiche Formulierungen, zu den Verbreitern zählt die pro-russische Influencerin Alina Lipp. Auf unsere Anfrage reagierte sie nicht.

Beiträge, wie dieser, verbreiten sich kurz nach dem Treffen zwischen Schwedens König Carl Gustaf und Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj zuhauf in Sozialen Netzwerken. Die Behauptung ist falsch. (Quelle: X / RT; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)
Beiträge, wie dieser, verbreiten sich kurz nach dem Treffen zwischen Schwedens König Carl Gustaf und Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj zuhauf in Sozialen Netzwerken. Die Behauptung ist falsch. (Quelle: X / RT; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Videoausschnitt ist verkürzt: König Carl Gustaf gab Selenskyj die Hand

Das Video in Sozialen Netzwerken zeigt einen kurzen Ausschnitt des Treffens. Zu sehen ist, wie König Carl Gustav aus einem Auto steigt, Selenskyj ihm offenbar direkt die Hand reichen möchte, Gustav aber sich zunächst nur neben ihn stellt. Dann endet der Videoausschnitt.

Pressefotos der Nachrichtenagenturen AFP und in der Bilderdatenbank Picture Alliance zeigen dagegen, dass es in dieser Situation durchaus einen Handschlag gab – und zwar direkt in den Sekunden danach, wie ein Video des öffentlich-rechtlichen Senders Suspilne aus der Ukraine zeigt. Im ersten Teil des Videos ist der Videoausschnitt zu sehen, der in Sozialen Netzwerken kursiert. Bei Sekunde 26 folgt dann der Handschlag. Den Ausschnitt, in dem die beiden Männer sich die Hände schütteln, veröffentlichte Selenskyj auch auf Instagram.

Anders als in pro-russischer Desinformation behauptet wird, schüttelte der schwedische König Carl Gustaf bei einem Treffen am 17. April 2026 in Lwiw, Ukraine, die Hand von Wolodymyr Selenskyj (Foto: ABACA / Picture Alliance)
Anders als in pro-russischer Desinformation behauptet wird, schüttelte der schwedische König Carl Gustaf bei einem Treffen am 17. April 2026 in Lwiw, Ukraine, die Hand von Wolodymyr Selenskyj (Foto: ABACA / Picture Alliance)

Schwedens Außenministerin Stenergård bekräftigte auf Instagram, dass es einen Handschlag gegeben habe und schrieb, wohl mit Bezug auf das Video, von „Propaganda“. Russland stehe offenbar so unter Druck, dass es sich gezwungen sehe, die Realität zu verzerren, so Stenergård. Zuvor berichteten die AFP und DPA.

Angeblich ausbleibender Handschlag ist typisches Desinformationsnarrativ

Solche angeblichen diplomatischen Affronts sind ein gängiges Desinformationsnarrativ. So wurde in der Vergangenheit zum Beispiel schon der damaligen Außenministerin Annalena Baerbock und Chinas damaligen Außenminister Qin Gang sowie US-Präsident Donald Trump und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu unterstellt, sie hätten sich nicht die Hand gegeben. Wie wir berichteten, stimmte das in beiden Fällen nicht.

Einen Überblick mit allen Faktenchecks von uns zum Krieg in der Ukraine finden Sie hier.

Redigatur: Gabriele Scherndl, Max Bernhard

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Ukraine

Autor(en): CORRECTIV

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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