Hantavirus-Behauptung zu Corona-Impfung beruht auf Fehlinterpretation - Featured image

Hantavirus-Behauptung zu Corona-Impfung beruht auf Fehlinterpretation

Im Kontext der Corona-Impfung kursieren weiterhin Behauptungen über angebliche Komplikationen: So sei in einer 38 Seiten langen Liste als Nebenwirkung des Pfizer-Impfstoffs eine Hantavirus-Lungeninfektion aufgeführt, verbreiten Nutzer aktuell in sozialen Netzwerken. Als Beleg dient ein Dokument, das der Pharmakonzern 2021 bei der US-Arzneimittelbehörde FDA eingereicht hatte. Passt das alles zusammen?

Bewertung

Nein, das Dokument bestätigt keinen kausalen Zusammenhang zwischen der Impfung und einer Hantavirus-Infektion.

Fakten

Die kursierenden Beiträge beziehen sich auf einen Anhang aus Unterlagen, die Pfizer 2021 bei der US-Arzneimittelbehörde FDA im Rahmen des Zulassungsverfahrens eingereicht hatte. Darin taucht auf Seite 33 der Begriff «Hantavirus pulmonary infection» auf, also eine Hantavirus-Lungeninfektion.

Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine bestätigte Impfnebenwirkung. Das bestätigte Pfizer auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa): «Eine Hantavirus-Infektion ist in der Zusammenfassung der Merkmale des Covid-19-Impfstoffs von Pfizer/Biontech nicht als Nebenwirkung aufgeführt.»

Auch im Dokument selbst wird darauf hingewiesen, dass gemeldete Ereignisse keinen Nachweis eines ursächlichen Zusammenhangs darstellen. Die betreffende Liste trägt den Titel «List of Adverse Events of Special Interest» und umfasst medizinische Ereignisse, die im Untersuchungszeitraum besonders beobachtet werden sollten.

Die Daten stammen unter anderem aus freiwilligen Meldesystemen wie VAERS in den USA. In solchen Systemen gesammelte Verdachtsfälle werden regelmäßig fälschlicherweise für bestätigte Fälle von Impfkomplikationen gehalten.

Liste mit Nebenwirkungen: Suche nach Hantavirus führt ins Leere

Welche Nebenwirkungen später tatsächlich als kausal mit der Corona-Impfung verbunden eingestuft wurden, ist in den offiziellen Produktinformationen des Impfstoffs Comirnaty veröffentlicht. Eine Suche nach «Hantavirus» führt hier ins Leere.

Zudem enthält der Impfstoff laut Pfizer keine Hantaviren. Der Hersteller erklärt auf seiner Webseite (unter «Mechanism of Action»), dass Comirnaty keine lebenden Viren enthält.

Hantaviren selbst sind Krankheitserreger, die beim Menschen unter anderem schwere Lungenerkrankungen auslösen können. Nach Angaben der europäischen Gesundheitsbehörde ECDC wird nur eine Variante – der sogenannte Andes-Stamm – in seltenen Fällen auch von Mensch zu Mensch übertragen.

Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschriff «Hondius»

Das passierte jüngst auf dem Kreuzfahrtschiff «Hondius». Am 2. Mai wurden der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehrere Patienten mit Atemwegserkrankungen gemeldet. Das Schiff befand sich zu dem Zeitpunkt auf dem Weg von Argentinien in die Antarktis und später in den Südatlantik. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen Ausbruch von Hantaviren handelt.

Zehn Tage später waren nach WHO-Angaben alle Hantavirus-Verdachts- und bestätigten Fälle isoliert und standen unter medizinischer Beobachtung. Damit sei das Risiko weiterer Übertragungen auf ein Minimum reduziert, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus in Madrid.

(Stand: 12.5.2026)

Fact Checker Logo

Corona, Gesundheit

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

Nach oben scrollen