Bewertung
Es gibt keine Belege dafür, dass Indien den Handel mit Deutschland gestoppt hat.
Fakten
Anfang des Monats hat US-Präsident Trump weitere Zölle gegen Indien angekündigt. Insgesamt werden dadurch Abgaben von 50 Prozent auf US-Importe aus Indien fällig. Trump begründete die Entscheidung damit, dass Indien trotz des Angriffskriegs auf die Ukraine weiter mit Russland handelt. Bislang hält Indien jedoch an den Handelsbeziehungen mit Russland fest, trotz der hohen Zölle.
In einem Youtube-Video wird dieser Umstand so dargestellt, als habe Indien damit sowohl den USA als auch Deutschland einen harten Schlag verpasst. Um das zu untermauern, werden angebliche Zitate von Indiens Premierminister Narendra Modi gezeigt. So soll Modi beispielsweise gesagt haben (Minute 1:05): «Wir sind nicht eure Kolonie, und das hier ist nicht 1991.»
Doch online findet man keine Belege für eine solche Aussage von Modi. Der Satz soll laut dem Video bei einem globalen Handelsforum im August 2025 in Neu-Delhi gefallen sein. Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass zu dem Zeitpunkt der Videoveröffentlichung Anfang August 2025 ein solches Forum stattgefunden hatte, bei dem der Premierminister anwesend war. Und auch eine mögliche andere Ankündigung für einen von Indien verhängten Handelsstopp findet sich nirgends.
EU will Umweg für russisches Rohöl unterbinden
Indien und die EU verhandeln seit Jahren über ein Handels- und Investitionsabkommen, von dem sich auch Deutschland Vorteile verspricht. Einige Experten argumentieren, dass die Beziehungen zwischen Indien und der EU sogar durch die US-Zölle gestärkt werden könnten, da Indien sich nun auf Handelspartner außerhalb der USA konzentrieren müsse.
Zwar gibt es auch von Brüssel Einschränkungen: Von dem 18. Sanktionspaket der EU gegen Russland ist auch Indien als Drittland betroffen. Die EU will Importe von Produkten aus russischem Rohöl, die über einen Umweg durch Drittländer wie Indien gehen, verbieten. Einen von Indien ausgehenden Handelsstopp gegenüber der EU gibt es trotzdem nicht.
Falsche Angaben zur iPhone-Produktion
Im Video werden einige weitere Behauptungen aufgestellt, die sich als falsch oder irreführend erweisen.
So heißt es, dass Apple in Indien 30 Prozent seiner iPhones produziere, mehr als in China. Zwar stimmt es, dass Apple mittlerweile in Indien herstellen lässt und weitere Produktion von China nach Indien verlagern will. Noch werden in China aber Analysten zufolge deutlich mehr iPhones produziert als in Indien.
Das etwa zehnminütige Video besteht aus weiteren Meinungsäußerungen und teilweise aus Falschbehauptungen. Die zentrale Aussage ist falsch, denn Indien hat den Handel mit Deutschland nicht gestoppt.
(Stand: 26.08.2025)
