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Rügenwalder Mühle bleibt nach Übernahme weiter bestehen

Mit der eigenen Strategie, vermehrt auf vegane und vegetarische Ersatzprodukte zu setzen, sorgt der Fleischhersteller Rügenwalder Mühle nicht nur für Zuspruch. Ein viel geteilter Facebook-Post behauptet Ende März 2024, das Unternehmen solle nun nach einem Gewinneinbruch «vor dem Aus» stehen und übernommen werden. Verschwindet der Name Rügenwalder Mühle wirklich vom Markt?

Bewertung

Rügenwalder Mühle steht nicht «vor dem Aus». Es stimmt zwar, dass der Gewinn des Unternehmens zuletzt stark zurückging und eine Übernahme bevorsteht. Doch nach der Übernahme sollen Marke und Unternehmen erhalten bleiben.

Fakten

Der Facebook-Post verweist als Quelle auf die Branchenzeitung «Fleischwirtschaft», die sich auf den Jahresabschluss des Unternehmens zum Jahr 2022 bezieht. In diesem berichtete Rügenwalder Mühle zwar über einen Gewinneinbruch um 90 Prozent, verzeichnete aber keinen Verlust. Der Umsatz mit vegetarischen Produkten sei trotz geringerer Verkäufe weiter leicht gestiegen.

Als Grund für das Geschäftsergebnis gibt Rügenwalder Mühle der Zeitung Probleme mit «Lieferketten, Rohstoffverfügbarkeit und Kostensteigerungen» an. Da die Preise aufgrund der hohen Inflation gestiegen seien, hätten Verbraucher eher auf Eigenmarken der Supermärkte gesetzt, behauptet das Unternehmen.

An den rückgängigen Ergebnissen von Rügenwalder Mühle dürfte auch der harte Wettbewerb im Markt um vegetarische Produkte seinen Anteil haben. Die «Lebensmittel Zeitung» berichtete im Mai 2023 über Marktforschungsdaten, nach denen Rügenwalder Mühle in den vorherigen zwölf Monaten Marktanteile an Konkurrenten verloren habe. Der Fleischersatzmarkt sei aber im gleichen Zeitraum sowohl nach Umsatz als auch nach Verkäufen weiter gewachsen.

Übernahme aus strategischen Gründen – Marke bleibt

Dass die Rügenwalder Mühle übernommen werden soll, gab das bislang unabhängige Unternehmen bereits im November 2023 bekannt. Der Hersteller soll künftig mehrheitlich zum Lebensmittelkonzern Pfeifer & Langen («Diamant Zucker», «funny-frisch») gehören. Beide Unternehmen betonen in einer Pressemitteilung ausdrücklich, die fleischlosen Produkte zukünftig weiterentwickeln zu wollen. Das Geschäft mit echtem Fleisch findet keine Erwähnung.

Zu einem «Aus» für die Rügenwalder Mühle führt der Zusammenschluss aber nicht. Marke und Unternehmen bleiben erhalten, wie ein Sprecher der Kölner Familienholding Pfeifer & Langen seinerzeit der Deutschen Presse-Agentur mitteilt. Es sei kein Abbau von Arbeitsplätzen geplant. Auch das bisherige Management soll demnach im Amt bleiben.

Gesamte Lebensmittelbranche leidet unter Inflation

Auch andere Unternehmen in der Branche sind von wirtschaftlichen Problemen betroffen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) ist der Lebensmittelverkauf im Einzelhandel seit drei Jahren rückgängig. 2023 war der reale Umsatz, der gestiegene Nahrungsmittelpreise berücksichtigt, so gering wie zuletzt im Jahr 2015. Der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE) zufolge ist auch der reale Umsatz der Lebensmittelproduzenten um 0,9 Prozent zurückgegangen.

Ob Rügenwalder Mühle ohne den Fokus auf vegetarische Produkte besser abgeschnitten hätte, ist fraglich. Wie das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung zuletzt 2022 mitteilte, ist der Fleischkonsum in Deutschland weiter rückgängig. Einen niedrigeren Pro-Kopf-Konsum habe es seit der Erfassung in 1989 nicht gegeben. Nach Destatis-Daten wurde 2023 in Deutschland 4,0 Prozent weniger Fleisch produziert als im Vorjahr.

Wie das «Handelsblatt» im Juli 2023 berichtete, sind wirtschaftliche Probleme in der Fleischproduktion akut. Immer mehr Schlachthöfe schlössen, da die Nachfrage aufgrund der gestiegenen Preise stark gesunken sei. Die drei größten Schlachtkonzerne produzierten 2022 alle jeweils weniger Fleisch als noch im Vorjahr.

Von schlechteren Geschäftszahlen berichtet daher auch die Konkurrenz der Rügenwalder Mühle. Der drittgrößte Fleischproduzent Vion verzeichnete 2022 einen Jahresverlust von 108 Millionen. Marktführer Tönnies verkündete schon 2021 einen Umsatzrückgang – und hält seine Geschäftsergebnisse dem «Handelsblatt» zufolge seitdem lieber geheim.

(Stand: 3.4.2024)

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Wirtschaft, Verbraucher

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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