Bewertung
Schon im Jahr 2020 galten in Deutschland 4,3 Millionen Menschen als pflegebedürftig – der Anstieg wird falsch dargestellt.
Fakten
Im Jahr 2019 haben schon rund 4 Millionen Deutsche Leistungen aus der sozialen Pflegeversicherung bezogen. Im Jahr 2020 waren es rund 4,3 Millionen. Im Jahr 2021 hatte die Zahl die Marke von 5 Millionen knapp erreicht, zum Jahresende 2023 galten bereits knapp 5,7 Millionen Menschen in Deutschland als pflegebedürftig.
Es hat also tatsächlich einen starken Anstieg der Pflegebedürftigen in Deutschland gegeben. Falsch ist jedoch die Behauptung, der Anstieg sei von 1,5 Millionen Menschen im Jahr 2020 ausgegangen. Die Zahl beziehen einige User zudem auf die «Anzahl der Menschen mit Behinderung und Pflegestufe», doch dabei werden zwei unterschiedliche Sozial- und Anspruchssysteme vermischt.
Im Post heißt es weiter, das Bundesgesundheitsministerium habe eine Prognose von «5,9 Millionen Pflegebedürftigen erst für das Jahr 2050» abgegeben. Eine Information, wo das Ministerium dies mitgeteilt haben soll, fehlt. Das Statistische Bundesamt schrieb 2023 auf Grundlage der Pflegevorausberechnung, dass die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland von rund 5,0 Millionen Ende 2021 auf etwa 6,8 Millionen im Jahr 2055 steigen wird.
Warum mehr Menschen pflegebedürftig sind
Das Statistische Bundesamt erklärte 2024, die Zunahme der Pflegebedürftigen sei insbesondere mit der Pflegereform von 2017 begründet. Damals fasste der Staat das Einstufungsmodell neu, weshalb mehr Menschen einen Anspruch hatten und als pflegebedürftig eingestuft wurden als vorher.
Zwei kürzlich veröffentlichte Studien von der AOK und dem Iges-Institut haben ebenfalls ergeben, dass der Anstieg mit dem neuen Einstufungsmodell zusammenhängt. Eine Sprecherin der AOK schrieb der dpa: «Die deutliche Zunahme der sogenannten Pflegeprävalenz, d.h. des Anteils der formell als pflegebedürftig eingestuften Menschen in der Bevölkerung, ist primär mit der Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs ab Januar 2017 verbunden.»
Zukunft des Pflegesystems
Ohne Gegenmaßnahmen drohen der Pflegeversicherung massive Schwierigkeiten, in Zukunft ausreichend finanziert zu sein. Der Anteil der über 80-Jährigen steigt in den kommenden Jahren, in diesem Alter nimmt das Risiko zu, pflegebedürftig zu werden. Schon zwischen 2016 und 2025 sind die Kosten laut «Wirtschaftswoche» von rund 28 auf 70 Milliarden Euro gestiegen.
Gleichzeitig sinkt in Deutschland die Geburtenrate. Die Personen in Arbeit, die Beiträge in die Pflegeversicherung und ebenso in die Rentenversicherung einzahlen, werden also aller Voraussicht nach weniger.
Womöglich werden darum zum Beispiel die Rentenbeiträge steigen, im Raum steht auch, das Renteneintrittsalter auf 70 Jahre zu erhöhen. Es gibt außerdem Überlegungen, dass in Zukunft weitere Gruppen einzahlen – wie Abgeordnete, Beamte und Selbstständige.
Zum unterstellten Zusammenhang mit der Covid-Impfung
Aus den falschen Zahlen im Facebook-Post leitet nie Nutzerin eine weitere Behauptung ab: «Ein kausaler Zusammenhang mit der Impfkampagne lässt sich damit nun nicht mehr leugnen.»
Auf Anfrage der dpa teilte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums mit: «Ein Zusammenhang zwischen Impfschäden und dem besonderen Ausmaß des Anstiegs der Pflegebedürftigkeit kann nicht hergestellt werden.» Das ergäben Daten, die den Medizinischen Diensten der Bundesländer für erstmalig als pflegebedürftig eingestufte Personen vorliegen.
«Zu den einbezogenen Diagnosen gehört auch die Diagnose „U12“ (Unerwünschte Nebenwirkungen bei der Anwendung von Covid-19-Impfstoffen)», schrieb der Sprecher per Mail. Unter den Versicherten mit erstmaliger Empfehlung eines Pflegegrades hatten zwischen 2021 und 2025 demnach nur 0,000 bis 0,002 Prozent die Diagnose «U12».
(Stand: 12.6.2026)
