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Sprachassistent gibt Mythen von Impfskeptikern wieder

Für Informationen über öffentliche Gesundheit wie Infektionskrankheiten und Impfungen ist das Robert Koch-Institut (RKI) zuständig. Doch in einem Video ist nun zu sehen, dass das RKI angeblich Impfungen für schädlich halten soll. Eine Person fragt den Google-Sprachassistenten: «Sind Impfungen gefährlich?» Daraufhin antwortet die automatische Frauenstimme: «Laut RKI. 13: Die Nebenwirkungen und Risiken von Impfungen sind unkalkulierbar. 14: Impfstoffe enthalten gefährliche Chemikalien, mit denen Kinder wissentlich vergiftet werden.» Dies könne man angeblich «auf der offiziellen Seite des RKI nachlesen», kommentiert ein Facebook-Nutzer. Warnt das RKI tatsächlich vor unkalkulierbaren Impfrisiken?

Bewertung

Auf der erwähnten RKI-Webseite kann man nachlesen, dass Impfen vor Krankheiten schützt und eben nicht gefährlich ist. Der Sprachassistent liest nicht die Einschätzung des Instituts vor, sondern Mythen von Impfskeptikern, die das RKI auf seiner Webseite widerlegt.

Fakten

Die Webseite, die der Sprachassistent zitiert, hat als Überschrift: «Antworten des Robert Koch-Instituts und des Paul-Ehrlich-Instituts zu den 20 häufigsten Einwänden gegen das Impfen». Hier werden also Mythen von Impfskeptikern mit Fakten widerlegt – und nicht vom RKI eine Gefährlichkeit von Impfungen beschrieben.

Auf die vorgelesene Behauptung Nummer 13 – «Die Nebenwirkungen und Risiken von Impfungen sind unkalkulierbar» – antwortet das RKI etwa: «Immer wieder ist in den vergangenen Jahren darüber gestritten worden, ob Autismus, Diabetes oder selbst Multiple Sklerose durch Impfungen ausgelöst werden könnten. Einen Nachweis dafür gibt es allerdings bis heute nicht, vielmehr sprechen die Ergebnisse zahlreicher Studien gegen einen Zusammenhang zwischen Impfungen und den genannten Krankheiten.»

Die Informationsseite zur Widerlegung von Einwänden gegen das Impfen ist einige Jahre alt und wurde zuletzt 2016 aktualisiert.

Aber auch über neuere Impfungen wie die Corona-Impfung schreibt das RKI, dass sie gegen schwere Erkrankungen «weiterhin einen guten Schutz» bietet. Häufige, kurz anhaltende Impfreaktion seien etwa Schmerzen an der Einstichstelle oder Kopfschmerzen und Fieber. Schwere Nebenwirkungen seien selten, schreibt das RKI.

Verantwortlich für die irreführende Antwort ist die Funktionsweise des Sprachassistenten der Suchmaschine Google. «In diesem Fall hat Google Assistant einen sehr isolierten Ausschnitt einer Webseite als Suchergebnis ausgegeben, der den Inhalt des vollständigen Artikels nicht korrekt wiedergibt», teilte ein Google-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur mit. Das Unternehmen arbeite derzeit daran, das Problem zu beheben.

(Stand: 15.12.2022)

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Wissenschaft, Corona, Gesundheit

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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