Bewertung
Irreführend. Kakao und dunkle Schokolade können einen Einfluss auf die Funktion der Blutgefäße haben. Daraus folgt aber nicht, dass handelsübliche dunkle Schokolade oder Trinkschokolade die Zahl der Stammzellen im Blut verdoppeln oder den Menschen verjüngen.
Fakten
Kakaoflavanole sind pflanzliche Inhaltsstoffe aus der Gruppe der Flavonoide. Sie kommen unter anderem in Kakaobohnen vor und können nach Angaben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die Funktion der Blutgefäße unterstützen.
Die EFSA sieht einen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Kakaoflavanolen und der Aufrechterhaltung einer normalen Gefäßerweiterung. Für diesen Effekt nennt die Behörde 200 Milligramm Kakaoflavanole pro Tag. Das ist keine allgemeine Verzehrempfehlung. Die Menge könnte laut EFSA beispielsweise in 2,5 Gramm besonders flavanolreichem Kakaopulver oder in 10 Gramm besonders flavanolreicher dunkler Schokolade enthalten sein.
Wie viel Kakao oder Schokolade dafür tatsächlich nötig wäre, lässt sich also nicht pauschal sagen. Untersuchungen zeigen, dass der Flavanolgehalt von Kakao und Schokolade je nach Produkt und Verarbeitung stark schwanken kann. Der genaue Flavanolgehalt einer handelsüblichen 100-Gramm-Tafel lässt sich anhand des Kakaoanteils allein nicht verlässlich bestimmen.
Bei einer Studie gab es mehr bestimmte Zellen im Blut
Eine vergleichsweise kleine Studie aus dem Jahr 2010, veröffentlicht im «Journal of the American College of Cardiology», untersuchte 16 Menschen mit einer koronaren Herzkrankheit. Sie tranken 30 Tage lang zweimal täglich ein Kakaogetränk mit vielen Flavanolen. Zum Vergleich bekamen sie in einem anderen Studienabschnitt ein Getränk mit deutlich weniger Flavanolen.
Nach dem flavanolreichen Kakaogetränk war die Zahl bestimmter Zellen im Blut etwa doppelt so hoch. Diese Zellen können an der Reparatur und Erhaltung von Blutgefäßen beteiligt sein. Auch die Gefäßfunktion verbesserte sich.
Das bedeutet aber nicht, dass sich die Zahl der Stammzellen im Körper verdoppelt hat. Die Forscher untersuchten nur eine bestimmte Gruppe zirkulierender angiogener Zellen im Blut. Außerdem wurde keine Schokolade mit 70, 75, 90 oder 100 Prozent Kakao getestet, sondern ein speziell zusammengesetztes Kakaogetränk mit einer festgelegten Menge an Flavanolen.
Die verwendete Menge war zudem vergleichsweise hoch: Die Teilnehmer bekamen zweimal täglich 375 Milligramm Kakaoflavanole – insgesamt 750 Milligramm pro Tag. Das lässt sich nicht einfach mit einem Stück normaler Schokolade gleichsetzen.
Die 75-Prozent-Schokolade stammt aus einer anderen Studie
Die verbreitete Angabe mit «mehr als 75 Prozent Kakao» passt zu einer anderen Studie aus dem Jahr 2014. Dabei bekamen 60 gesunde junge Erwachsene einen Monat lang täglich zehn Gramm dunkle Schokolade mit mehr als 75 Prozent Kakao. Untersucht wurden unter anderem Blutdruck, Gefäßsteifigkeit und die Gefäßfunktion. Die Gefäßfunktion verbesserte sich zwar, die Zahl bestimmter Zellen im Blut wurde dabei aber nicht untersucht.
Von einer Verjüngung kann keine Rede sein
Noch weiter geht die Behauptung, Kakao könne den Körper regelrecht verjüngen. Dafür gibt es in den genannten Studien keine Belege. Auch das biologische Alter der Teilnehmer wurde nicht gemessen. Eine Verjüngung des Körpers wurde daher nicht nachgewiesen.
(Stand: 14.9.2026)
