Bewertung
Die fraglichen Videos zeigen keine Reaktion auf die jüngsten Ereignisse, sondern wurden bereits im Jahr 2024 aufgenommen. Zu sehen sind unter anderem Exil-Venezolaner in Panama. Sie demonstrierten gegen die mutmaßliche Fälschung der damaligen Präsidentschaftswahl in ihrem Heimatland.
Fakten
Eine Bilderrückwärtssuche mit einem Standbild aus einem der Videos führt zu einem Instagram-Beitrag, der bereits mehrere Monate alt ist. Zu sehen ist ein Großteil der hintereinander geschnittenen Videos von feiernden Menschen mit venezolanischen Fahnen auf einer Straße zwischen Hochhäusern, die nun von einigen als Reaktion auf die Gefangennahme Maduros ausgegeben werden.
Ein weiteres Video von einem Umzug mit mehreren Fahrzeugen durch eine Menschenmenge ist ebenfalls nicht aktuell, sondern findet sich bereits in einem Beitrag aus dem Juli 2024 auf Facebook.
Klar ist also: Die Aufnahmen sind deutlich älter als Januar 2026. Doch was zeigen sie?
Auf dem Instagram-Account, der einige der Videos im August 2025 verbreitete, finden sich dazu keine genauen Informationen. Viele der Beiträge beschäftigen sich zwar mit Politik in Südamerika, jedoch zumeist mit Brasilien.
Video aus Panama-Stadt
Mehr Kontext liefert eine Suche nach dem Aufnahmeort. Ein Schriftzug auf einem Geschäft im Hintergrund zeigt, dass die meisten der Videos in Panama-Stadt aufgenommen wurden. Sie stammen also, anders als behauptet, gar nicht aus Venezuela. Nur das Video, das aus einer erhöhten Position aufgenommen wurde und die Fahrzeugkolonne zeigt, stammt aus der Hauptstadt Caracas. Zu sehen ist eine Kundgebung der Opposition kurz vor der Präsidentschaftswahl 2024.
Eine Internetsuche ergibt, dass es im Juli 2024 auch in Panama Demonstrationen mit Bezug zu Venezuela gab. Eine davon fand direkt vor der venezolanischen Botschaft statt. Weitere Videos, die Ende Juli 2024 veröffentlicht wurden, zeigen dieselbe Menschenmenge am selben Ort (hier und hier). Die Aufnahmen, die nun fälschlicherweise als aktuell verbreitet werden, sind also schon rund anderthalb Jahre alt.
Zurückhaltung in Venezuela
In Panama und weiteren Ländern, darunter auch Venezuela selbst, gab es damals Proteste als Reaktion auf die Präsidentschaftswahl in Venezuela. Die Wahlbehörde hatte Maduro zum Sieger erklärt. Oppositionspolitiker und Beobachter äußerten jedoch große Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Wahl und berichteten von Unregelmäßigkeiten. Die USA, die EU sowie mehrere südamerikanische Staaten erkannten das Ergebnis nicht an.
Auch nach der Gefangennahme Maduros am 3. Januar 2026 gingen Menschen in Ländern auf der ganzen Welt auf die Straße, wie Fotos zeigen. Neben Freude über den Sturz Maduros gab es auch Protest gegen die US-Intervention in Venezuela. Aus dem Land selbst wird nur von verhaltener Freude über den Sturz Maduros berichtet – bedingt offenbar auch durch die Angst vor Verfolgung durch die venezolanische Regierung, die nun von Maduros bisheriger Stellvertreterin angeführt wird. Mehrere Millionen Venezolaner, viele davon Anhänger der Opposition, haben das Land in den vergangenen Jahren aufgrund der Wirtschaftskrise und der autoritären Führung verlassen.
(Stand: 5.1.2026)
