«Nach Einführung des digitalen Euros sind Barzahlungen nur noch bis zu 1000 Euro möglich. Bargeldlose Zahlungen werden ab einer Höhe von 300 Euro automatisch kontrolliert», steht in einem Facebookpost, der sich auf Sätze von Lagarde bezieht. Doch die Statements von Lagarde müssen im Kontext gesehen werden – zumal das ganze Video einen zweifelhaften Hintergrund hat.
Bewertung
Von 2027 an soll es in Europa wegen Terrorfinanzierung und Schutz vor Geldwäsche eine Obergrenze für Zahlungen mit Bargeld in Höhe von 10.000 Euro geben – manche Länder haben schon Regelungen, die niedriger liegen. Ob der digitale Euro eingeführt wird, ist noch unklar. Bargeld wird in jedem Fall weiterhin als Zahlungsmittel akzeptiert werden.
Fakten
Alexej Stoljarow und Wladimir Kusnezow alias «Vovan und Lexus» sind in Russland seit Jahren bekannt dafür, Politiker und Prominente mit Fake-Anrufen hereinzulegen. Im Frühjahr 2023 gaben sie sich für ein Gespräch mit Christine Lagarde als Wolodymyr Selenskyj aus und sprachen auch über digitale Währungen.
Lagardes Worte, die in dem Ausschnitt im Post zu hören sind, geben aber nicht her, was behauptet wird. Zudem ist unklar, ob das Video manipulativ geschnitten wurde.
Digitaler Euro und Kampf gegen Geldwäsche
Im Herbst 2025 soll nach einer zweijährigen Vorbereitungsphase entschieden werden, ob und wann der digitale Euro tatsächlich kommt. In der Debatte ist eine Haltegrenze in Höhe von 3000 digitalen Euro. Die EU steht weiterhin zum Bargeld in Europa, außerdem ist Bargeld im europäischen Verfassungsrecht verankert.
Wegen Geldwäsche, Terrorfinanzierung und Steuerbetrug hat die EU 2024 eine Obergrenze für Zahlungen mit Bargeld in Höhe von 10.000 Euro eingeführt, die von 2027 an gelten soll. Außerdem gibt es schon unterschiedliche nationale Regelungen.
Worüber sprach Lagarde?
Im Video entsteht der irreführende Eindruck, Lagarde habe zu diesen Vorhaben konkrete Vorgaben formuliert. So behauptete sie, dass es «jetzt» in Europa eine Schwelle in Höhe von 1000 Euro gebe, bis zu der man in bar zahlen könne. Tatsächlich gibt es diese Schwelle beispielsweise in Frankreich seit 2015 – mit der Begründung, die Finanzierung von Terroristen zu unterbinden.
Dann sagte Lagarde, für den digitalen Euro werde es begrenzte Möglichkeiten der Kontrolle geben. Es sei in der «Überlegung», für sehr niedrige Beträge, etwa bei 300 bis 400 Euro, einen «Mechanismus» zu haben, «bei dem es keine Kontrollen gibt». Das könne aber «gefährlich» sein, sagt Lagarde.
Sie bezog sich dann auf die Terrorattacken von 2015 in Frankreich, die die Terroristen mithilfe niedriger Geldzahlungen und anonymisierter Kreditkarten finanziert hätten (ab Minute 17:10). In der kurzen Version des Videos ist dieser Kontext weggeschnitten. Lagarde sprach nicht davon, bargeldlose Zahlungen ab 300 Euro automatisch kontrollieren zu lassen.
(Stand: 18.8.2025)
