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ARD-Sendung über Erderwärmung von 2007 war nie verboten

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler warnen vor drastischen Folgen des Klimawandels wie Hitzen, Dürren und Überschwemmungen. Daneben gibt es auch wenige Einzelpositionen, die die aktuelle Erderwärmung nicht als menschengemacht ansehen. Doch werden diese aktiv aus den Medien verbannt? Über einen Fernsehbeitrag, in dem etwa Kritiker des Weltklimarats IPCC zu Wort kommen, heißt es in sozialen Medien: «Diese ARD Sendung wurde verboten.» Davon kann aber keine Rede sein.

Bewertung

Die Sendung stammt aus dem Jahr 2007. Daher ist sie nicht mehr online auf ARD-Seiten zu finden.

Fakten

Der im Video gezeigte Bericht stammt aus dem ARD-Politikmagazin «Report München», das vom Bayerischen Rundfunk (BR) produziert wird. Der Beitrag wurde am 21. Mai 2007 unter dem Titel «Denkverbote für Klimaforscher – Der Weltklimarat und seine unbequemen Kritiker» ausgestrahlt. Er ist also rund 16 Jahre alt.

Auf der Webseite von «Report München» reicht das Archiv ein Jahr zurück, in der ARD-Mediathek fünf Jahre. Kaum eine Sendung hat gemäß Rundfunkrecht eine Verweildauer von mehr als fünf Jahren in der Mediathek, schreibt die ARD auf ihrer Webseite. Dass der Beitrag von «Report München» online nur noch in sozialen Medien oder auf Videoplattformen zu finden ist, liegt also an seinem Alter.

Der BR bestätigt auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass der Sendungsbeitrag nicht verboten wurde. «Der Beitrag war – wie alle Beiträge von report München – ein Jahr lang auf der Internetseite von report München abrufbar», teilt eine BR-Sprecherin am 26. April 2023 mit. «Ausschnitte der Sendung werden immer wieder als Raubkopien auf Social-Media-Plattformen ins Netz gestellt und mit Fake-News verbunden.»

Zum Zeitpunkt der Ausstrahlung des Beitrages im Mai 2007 habe es eine Diskussion um Besetzung und Arbeit des Weltklimarates IPPC gegeben. «Führende Wissenschaftler haben dazu kritisch Stellung genommen. Diese Diskussion hat der Beitrag dargestellt», teilt die BR-Sprecherin mit.

Der Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) trägt die wissenschaftlichen Grundlagen und den weltweiten Forschungsstand über die Auswirkungen der globalen Erwärmung und seine Risiken zusammen und bewertet sie. Dazu beruft er Tausende Wissenschaftler aus aller Welt.

Unter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern besteht international weitgehend Einigkeit darüber, dass die aktuelle Erwärmung menschengemacht ist. «Es ist unbestreitbar, dass menschliche Aktivitäten den Klimawandel verursachen und der menschliche Einfluss extreme Klimaereignisse wie Hitzewellen, starke Regenfälle und Dürren häufiger und schwerwiegender macht», sagt der Vorsitzende des Weltklimarats IPCC, Hoesung Lee, im Juni 2022. Die Handlungen des Menschen hätten den Planeten in einer Geschwindigkeit erwärmt, die es zumindest in den letzten 2000 Jahren nicht gegeben habe. «Wir sind auf dem besten Weg, innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte eine globale Erwärmung von 1,5 Grad Celsius zu erreichen», so Lee.

Um den unvorhersehbaren Kriterien im Klimasystem begegnen zu können, wurde in den zwei Jahrzehnten seit einer Evaluation im dritten IPCC-Bericht 2001 an der Verbesserung von Klimamodellen gearbeitet. Dass die heutigen Systeme sehr zuverlässige Aussagen treffen, zeigt sich auch beim Vergleich früherer Vorhersagen mit den Beobachtungen der Realität.

Im aktuellen sechsten Sachstandsbericht von 2021 merkt der Weltklimarat an, dass sich schon die Projektionen der Modelle im Bericht des Jahres 1990 im Nachhinein in vielen Bereichen mit der Entwicklung des Klimas gedeckt hätten und die neuesten Versionen annähernd «perfekte» Übereinstimmungen mit den eingetroffenen Verhältnissen lieferten (siehe FAQ 3.3).

Auch im Wissenschaftsblog «RealClimate» werden die gemessenen Oberflächentemperaturen der Erde regelmäßig mit vergangenen Berechnungen verglichen: Über die Jahre hinweg lagen die Ergebnisse immer im von den Modellen geschätzten Bereich.

(Stand: 4.5.2023)

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Klimawandel, Wissenschaft, Umwelt

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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