Im Frühjahr 2026 brach das Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff aus – drei Passagierinnen und Passagiere starben. In sozialen Medien kursierte in diesem Zusammenhang ein Video von US-Präsident Donald Trump, in dem er die Weltgesundheitsorganisation beschimpft und erklärt, die USA würden sich „nicht fügen“ bei Maskenpflichten und anderen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus. Das Video stammt jedoch aus einem anderen Kontext: Im August 2023 veröffentlichte Trump es auf seinem sozialen Netzwerk Truth Social. Er bezog sich darin auf Covid-19.
„TRUMP zu WHO und HANTAVIRUS: ‚Linke Fanatiker versuchen Angst zu schüren und die COVID-Beschränkungen zurückzubringen'“, zitierte ein X-Nutzer den US-Präsidenten Donald Trump in einem Beitrag vom 9. Mai 2026. „‚Nicht mit uns. Wir schließen keine Schulen, befolgen keine Maskenpflicht, dulden keine Impfzwänge.'“ In dem Beitrag teilte der Nutzer ein Video von Trump, wie er diese Aussagen macht.
Auch auf Facebook und in anderen Sprachen wurde das Video mitsamt der Behauptung verbreitet.

Auf dem niederländischen Kreuzfahrtschiff „Hondius“ infizierten sich im April 2026 mehrere Passagiere mit dem Hantavirus. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels waren drei Reisende an der Infektion mit dem Virus gestorben, eine von ihnen war eine deutsche Staatsbürgerin. Weitere deutsche Passagierinnen und Passagiere infizierten sich. Nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP auf Grundlage offizieller Angaben wurde das Virus bislang bei sieben Patientinnen und Patienten bestätigt, bei einem achten gilt eine Infektion als wahrscheinlich.
Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sagte am 12. Mai 2026, die Arbeit zur Eindämmung des Hantavirus-Ausbruchs „sei noch nicht erledigt“. Das „globale Risiko“, das von dem Ausbruch ausgehe, sei unterdessen „gering“, erklärte die WHO am 17. Mai 2026.
Zu den Betroffenen gehören unter anderem zwei US-amerikanische Staatsbürger. Die USA traten im Januar 2026 aus der WHO aus, was Präsident Trump am 11. Mai 2026 im Zusammenhang mit dem Ausbruch des Hantavirus erwähnte: Er bereue es nicht, kein Mitglied der WHO mehr zu sein und glaube, die USA seien „in sehr guter Verfassung“ (hier archiviert).
Das online geteilte Video von Trump stammt jedoch aus dem Jahr 2023. Seine Aussagen darin bezogen sich auf die Corona-Pandemie.
Mithilfe von Stichwortsuchen fand AFP eine längere Version des Videos auf Trumps Plattform Truth Social, die der damalige Präsidentschaftskandidat am 30. August 2023 veröffentlichte (hier archiviert). Auf dem X-Account seiner Wahlkampagne wurde das Video ebenfalls am 30. August 2023 gepostet.

Darin warf Trump „linken Irren“ vor, „sehr hartnäckig zu versuchen, die Covid‑Lockdowns zurückzubringen“. Jedoch erwähnt er weder die WHO noch das Hantavirus.
Unter Verweis auf „neue Varianten“ des Coronavirus, die zu dieser Zeit aufgetreten seien, behauptete Trump, „sie wollen die Covid-Hysterie neu entfachen“, um damit den erweiterten Einsatz der Briefwahl bei der Präsidentschaftswahl 2024 zu rechtfertigen – einer Methode, von der Trump seit Langem ohne Beweise behauptet, sie sei von Betrug durchsetzt.
„Das sind schlechte Menschen, das sind kranke Menschen, mit denen wir es zu tun haben“, sagte der US-Präsident in dem Video. „Aber an jeden Covid-Tyrannen, der uns unsere Freiheit nehmen will, richte ich diese Worte: Wir werden nicht gehorchen.“
Dasselbe Video wurde bereits mit einer weiteren Falschbehauptung geteilt, wonach Trump im Jahr 2024 über einen Ausbruch der Affenpocken gesprochen hätte. Weitere Faktenchecks über Falschbehauptungen und Verschwörungserzählungen zum Hantavirus sammelt AFP auf der Website.
Fazit: Ein Video, in dem US-Präsident Donald Trump erklärt, die USA würden keine Maskenpflichten, Schulschließungen und Impfpflichten zur Eindämmung des Virus mittragen, stammt aus dem Jahr 2023 und steht im Zusammenhang mit Covid-19. Mit dem Ausbruch des Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff im Frühjahr 2026 haben seine Aussagen nichts zu tun.
