Auf Instagram kursiert ein Video mit der Behauptung, ein Elektro-SUV, also ein Auto der Oberklasse sei erst ab rund 166.000 zurückgelegten Kilometern umweltfreundlicher als ein Verbrenner. Der Akku halte jedoch nicht lange genug, um diese Distanz zu erreichen. Zudem könne dieser nicht recycelt werden. Als Beleg werden Berechnungen der Fraunhofer-Gesellschaft angeführt.
Batterien von E-Autos können recycelt und die Rohstoffe dem Produktionskreislauf zurückgeführt werden. Die hohe Kilometerzahl, ab der ein Elektroauto der Oberklasse umweltfreundlicher ist als ein Verbrenner, ist ein Worst-Case-Szenario, das von einem Fraunhofer-Institut errechnet wurde. Durchschnittliche Elektro-Neuwagen, die mit Strom aus erneuerbaren Quellen geladen werden, schneiden deutlich besser ab – auch in der Oberklasse.
Fakten
Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung erklärt in zwei Veröffentlichungen (2025 und 2020), dass Elektroautos in der Herstellung zunächst höhere Treibhausgasemissionen verursachen als Verbrenner. Hauptgrund ist die energieintensive Produktion der Batterie. Je größer und leistungsstärker diese ist, desto schlechter die CO2-Bilanz.
Entscheidend für die endgültige Bilanz ist jedoch die gesamte Lebensdauer des Fahrzeugs. Laut Fraunhofer-Institut sinken die Treibhausgasemissionen eines Elektroautos über den gesamten Lebenszyklus gegenüber vergleichbaren Verbrennern um 40 bis 50 Prozent.
Stromart entscheidet maßgeblich über CO2-Bilanz
Die Studie weist jedoch darauf hin, dass ein schweres, wenig effizientes E-Fahrzeug mit großer Batteriekapazität und geringer jährlicher Fahrleistung, das mit dem deutschen Strommix geladen wird, in der Treibhausgasbilanz kaum besser gegenüber einem entsprechenden konventionellen Fahrzeug abschneidet (PDF, Seite 18).
In einer Modellrechnung aus dem Jahr 2020 wurde ein Oberklassefahrzeug mit sehr großer 120-kWh-Batterie betrachtet, kombiniert mit besonders hohen Emissionen bei der Batterieherstellung und dem damaligen deutschen Strommix. Unter diesen ungünstigen Annahmen ergab sich ein sogenannter Break-even-Punkt, ab dem die CO2-Bilanz besser ist, von rund 230.000 Kilometern verglichen mit einem Dieselfahrzeug.
Die Studie zeigte jedoch zugleich, dass sich die Bilanz deutlich verbessert, wenn mehr erneuerbare Energien genutzt werden. Beim Laden mit Ökostrom sinkt der Break-even-Punkt desselben Oberklassefahrzeugs auf etwa 100.000 Kilometer. Bei Mittelklassewagen mit kleineren Batterien liegt er mit 20.000 Kilometern noch deutlich darunter (PDF, ab Seite 6).
Zudem weisen die Forschenden darauf hin, dass Elektrofahrzeuge, die erst 2030 gekauft werden, ihre bessere Klimabilanz früher erreichen dürften als Fahrzeuge aus dem Jahr 2019. Grund dafür seien effizientere Produktionsprozesse und ein klimafreundlicherer Strommix.
Batterien halten oft deutlich länger als Garantiezeit
Laut Analysen des Flottenunternehmens Geotab verlieren Batterien im Schnitt rund 2,3 Prozent Kapazität pro Jahr. Sinkt diese auf zwischen 70 und 80 Prozent, so sind die Akkus für den Fahrbetrieb zu schwach.
Viele Hersteller bieten daher eine Garantie von acht Jahren oder etwa 160.000 Kilometer an. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Leistung der Batterien danach wirklich zu gering für die weitere Nutzung ist.
Eine britische Untersuchung von rund 8.000 Fahrzeugbatterien verschiedener Hersteller kam 2025 zu dem Ergebnis, dass selbst acht bis neun Jahre alte Batterien im Median noch rund 85 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität besaßen. Fahrzeuge mit mehr als 100.000 Meilen Laufleistung erreichten häufig weiterhin Werte zwischen 88 und 95 Prozent.
Auch der ADAC berichtet aus Langzeittests, dass Batterien oft deutlich länger nutzbar bleiben als die Garantiezeiten vermuten lassen. Die Ingenieure gingen davon aus, dass nur noch 70 Prozent Kapazität erst nach etwa 200.000 Kilometern erreicht würden.
Beim Recycling werden Rohstoffe aus Batterien gewonnen
In der EU und auch in China sind Hersteller gesetzlich verpflichtet, Fahrzeugbatterien zurückzunehmen und zu recyceln. Dabei werden wertvolle Rohstoffe wie Lithium, Nickel oder Kobalt zurückgewonnen. Aufgrund der EU-Batterieverordnung müssen bis 2027 mindestens 50 Prozent des Lithiums und 90 Prozent des Kupfers, Kobalts und Nickels zurückgewonnen werden.
Nach Angaben des Fraunhofer-Instituts könnten bis 2035 rund 30 Prozent des Bedarfs an wichtigen Batterierohstoffen durch recyceltes Material gedeckt werden. Die Forschenden gehen zudem davon aus, dass sich der ökologische Fußabdruck von Batterien durch Zweitnutzung und Recycling um 35 bis 80 Prozent verkleinern lässt.
(Stand: 28.5.2026)
