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Im Koalitionsvertrag steht nichts über CO2-Konten für Haushalte

Stellen Sie sich vor, Sie bekommen plötzlich Post von der Bundesregierung – ein Schreiben mit Ihrem ganz persönlichen CO2-Konto. Jeder Einkauf, jede Autofahrt, jeder Heizvorgang würde ab sofort registriert und von Ihrem individuellen CO2-Budget abgezogen. So oder so ähnlich malt ein virales Tiktok-Video die Zukunft aus – angeblich geplant und bereits im Koalitionsvertrag verankert. Die Rede ist von digitalen CO2-Profilen für alle Bürgerinnen und Bürger. Doch was ist dran an dieser Behauptung?

Bewertung

Im Koalitionsvertrag steht nichts über persönliche CO2-Konten für Haushalte.

Fakten

Bisher bestimmt der Staat in Deutschland, wie viel eine Tonne CO2 kostet – aktuell sind das 55 Euro. Das ist im Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) geregelt. Damit soll der Umstieg auf klimafreundlichere Technologien wie Wärmepumpen oder Elektroautos attraktiver werden.

Ab 2027 ändert sich das System: Dann gilt ein europaweiter CO2-Zertifikatehandel. Der Mann in dem Tiktok-Video behauptet, es werden bis dahin für jede Bürgerin und jeden Bürger eine Art digitales CO2-Profil angelegt. Dabei bezieht er sich auf Seite 29 des Koalitionsvertrags der Bundesregierung.

Dort heißt es zwar: «Wir unterstützen die Einführung des ETS 2, um europaweit gleiche Bedingungen zu schaffen. Dabei wollen wir einen fließenden Übergang des deutschen BEHG in das ab 2027 europäisch wirkende Emissionshandelssystem (ETS 2) gewährleisten.» Von einem individuellen CO2-Konto ist jedoch nicht die Rede.

Kein privates CO2-Konto, aber direkte Auswirkungen

Auch auf anderen Seiten des Koalitionsvertrages lässt sich das Wort «CO2-Konto» nicht finden. Private Haushalte sind zwar vom neuen Emissionshandel betroffen. Sie nehmen allerdings nicht direkt mit einem eigenen Konto daran teil. Stattdessen werden weiterhin Unternehmen mit Zertifikaten handeln.

Das heißt, Unternehmen, die Öl, Gas oder andere fossile Brennstoffe verkaufen, müssen für den Ausstoß von CO2 Zertifikate kaufen – und zwar zu einem Preis, der sich am Markt bildet. Diese Zusatzkosten werden sie wahrscheinlich an ihre Kundinnen und Kunden weitergeben. Ob sich das sofort nach Einführung des neuen Systems auf den Preis auswirken wird, ist jedoch nicht sicher.

Der ADAC warnt in diesem Zusammenhang vor steigenden Spritpreisen und fordert ein Klimageld für die Verbraucherinnen und Verbraucher.

(Stand: 4.7.2025)

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Klimawandel, EU

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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