Bewertung
Es gibt keine Belege für die erwähnten, vermeintlichen Gesundheitsgefahren durch Rapsöl. Fachgesellschaften und Ernährungsmediziner kommen auf Basis von systematischer, langjähriger Forschung zu dem Ergebnis, dass Rapsöl ein Speiseöl mit vielen gesundheitlichen Vorteilen ist.
Fakten
Fachleute bewerten Rapsöl eindeutig positiv: Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfehlen Rapsöl explizit. «Rapsöl ist ein ausgezeichnetes Speiseöl», sagt Hans Hauner, Seniorprofessor für Ernährungsmedizin bei der Else Kröner-Fresenius-Stiftung an der TU München, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Es enthalte viele einfach ungesättigte Fettsäuren und Vitamin E. «Damit ist es im Prinzip sogar etwas besser als Olivenöl und dabei deutlich günstiger», sagt Hauner.
Was im Netz behauptet wird – und was Fachleute dazu sagen
Falsch ist, dass Rapsöl angeblich Entzündungen verursachen soll: «Für die häufig in sozialen Medien verbreitete Behauptung, Rapsöl verursache grundsätzlich Entzündungen, gibt es nach der derzeitigen wissenschaftlichen Bewertung keine belastbare Grundlage», sagt der Ernährungsmediziner Matthias Riedl, ärztlicher Leiter des Medicum Hamburg, auf dpa-Anfrage.
In sozialen Netzwerken wird immer wieder behauptet, die in Rapsöl enthaltenen Omega-6-Fettsäuren förderten Entzündungen. Doch so vereinfacht ist das irreführend: Zwar können aus Omega-6-Fettsäuren grundsätzlich Botenstoffe entstehen, die an Entzündungsreaktionen beteiligt sein können. Studien zeigen jedoch, dass ein höherer Verzehr der üblichen Omega-6-Fettsäuren nicht automatisch zu mehr Entzündungen führt. Ohnehin entstünden Entzündungen im Köper «nicht monokausal», sagt Riedl, also nicht aus einem einzigen Grund.
Zudem gehören Omega-6-Fettsäuren ebenso wie Omega-3-Fettsäuren zu den essenziellen Fettsäuren, die der Körper unbedingt benötigt. Rapsöl enthält vergleichsweise viel Omega-3. Das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 liegt bei etwa 2:1 und gilt als günstig.
Industrielle Verarbeitung ist nicht automatisch etwas Schlechtes für den Körper
Raffiniertes Öl sei angeblich grundsätzlich ungesund, wird zudem irreführend behauptet. Auch diese Aussage greift zu kurz. Die Raffination dient unter anderem dazu, unerwünschte Begleitstoffe zu entfernen und Öle hitzestabiler zu machen. «Industriell verarbeitet» bedeutet deshalb nicht automatisch gesundheitsschädlich.
Denn gerade bei nativen, also naturbelassenen Ölen können bei höheren Temperaturen gesundheitsschädliche Zersetzungsprodukte entstehen. Ernährungsmediziner Riedl weist ebenfalls darauf hin, dass starkes oder wiederholtes Erhitzen vieler Öle problematisch sein kann – unabhängig davon, ob es sich um Rapsöl oder andere Fette handele. Entscheidend ist daher nicht allein, ob ein Öl raffiniert oder nativ ist, sondern auch, wie es verwendet wird.
Eine weitere Falschbehauptung lautet, Rapsöl erhöhe angeblich das Krebsrisiko. Für ein erhöhtes Krebsrisiko durch den üblichen Verzehr von Rapsöl gibt es derzeit keine belastbaren Hinweise. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) verweist darauf, dass systematische Übersichtsarbeiten kein erhöhtes Krebsrisiko bestätigen konnten.
Schock-Behauptungen sorgen für Verunsicherung statt Einordnung
Für drastische Falschbehauptungen wie einer «Vergiftung» durch Rapsöl gibt es also keine Belege. Lebensmittel in Deutschland müssen Vorschriften entsprechen und werden kontrolliert. «Die wissenschaftlichen Empfehlungen fallen deutlich anders aus als viele Diskussionen in sozialen Netzwerken», sagt Ernährungsmediziner Matthias Riedl auf dpa-Anfrage.
Panikmache in sozialen Medien diene vor allem dazu, mit fesselnden Schocknachrichten Reichweite zu generieren. Zuspitzung und Verunsicherung funktionierten in sozialen Medien oft besser als differenzierte Einordnung, sagt Ernährungsmediziner Hans Hauner der dpa. «In sozialen Medien geht es meist nicht um wissenschaftliche Fakten, sondern um Aufmerksamkeit und Klicks.»
(Stand: 9.6.2026)
