In den sozialen Netzwerken wird der Entscheidung der US-Grenzbeamten eine angebliche Nachricht aus Kanada gegenübergestellt: «USA verweigern ihm bei der WM das Visum – Kanada lädt ihn ein, in Vancouver zu pfeifen», heißt es in einem Sharepic über Artan. Kommt der Schiedsrichter also im Land des Mitausrichters zum Zug?
Bewertung
Dafür gibt es keine Belege. Die FIFA als Turnierveranstalter hat mitgeteilt, dass Artan nach der Abweisung an der Grenze kein WM-Spiel leiten könne. Die Behauptung über einen Einsatz in Vancouver geht offenbar auf einen Social-Media-Beitrag eines Politikers aus der kanadischen Provinz British Columbia zurück. Das Posting ist aber allgemein gehalten und nicht zwangsläufig auf ein WM-Spiel bezogen. Artan reiste am Mittwoch nach Somalia.
Fakten
Am Montag verbreitete sich in internationalen Medien die Nachricht, dass Omar Artan am Flughafen von Miami die Einreise in die USA verweigert wurde. Unter den vielen Reaktionen aus aller Welt ist ein X-Beitrag von David Eby, Regierungschef der kanadischen Provinz British Columbia: «Herr Artan wäre in British Columbia willkommen und würde gefeiert für das, was er überstanden hat und wo er heute ist. Wir sollten ihn in Vancouver pfeifen lassen» (englischsprachiges Original: «Mr. Artan would be welcomed and celebrated in British Columbia for what he’s overcome and where he is today. Let’s have him referee in Vancouver»).
Kanada ist neben den USA und Mexiko eines der Ausrichterländer der Fußball-Weltmeisterschaft, die Stadt Vancouver in British Columbia ist einer der Spielorte. Ebys Beitrag lässt sich so verstehen, als wünsche er sich, dass Artan eines der dortigen WM-Spiele leiten soll.
Die WM wird von Eby selbst zwar nicht erwähnt, er zitiert auf X aber einen Beitrag der BBC, in dem es um das Turnier und den Fall Artan geht. Dennoch lässt sich Ebys Beitrag auch so interpretieren, dass er eine allgemeine Einladung aussprach und Artan ein anderes Fußballspiel in Vancouver pfeifen lassen möchte.
Eine offizielle Einladung aus Kanada ist nicht bekannt. Ähnlich wie Eby äußerte sich aber die Bürgermeisterin des Spielorts Toronto.
FIFA schließt Einsatz von Artan aus
Nach der Abweisung Artans durch US-Grenzbeamte teilte der Fußball-Weltverband FIFA unter anderem auf dpa-Anfrage mit, dass der Schiedsrichter «nicht in der Lage sein wird, bei der WM zu trainieren und Spiele zu leiten» (Original: «will be unable to train and officiate at the FIFA World Cup 2026»). Die Ausrichterländer träfen die Entscheidung darüber, wer einreisen dürfe, so der Weltverband. Artan verpasste aufgrund der Abweisung das Vorbereitungstreffen der Turnierschiedsrichter, das in Miami stattfand.
FIFA-Präsident Gianni Infantino äußerte sich auf einer Pressekonferenz am Mittwoch nur vage zum Fall Artan. Es sei «natürlich unglücklich», dass ihm die Einreise verweigert worden sei. «Wir kontrollieren nicht alles. Wir versuchen, wir werden diskutieren, wir werden sprechen, wir werden sehen. Manchmal ist es gut, einfach zu chillen, relaxen. Wir versuchen, alles zu lösen», sagte Infantino. Später sagte er allgemein zum Thema Einreisen: «Wir hoffen, dass wir gute Nachrichten haben», wurde dabei aber nicht konkreter, was er meinte.
Nominierung für UEFA-Supercup
Nach Angaben des Fernsehsenders CNN warfen die US-Behörden Artan Verbindungen zu einer Terrororganisation vor. Genaueres ist nicht bekannt. Die US-Regierung von Präsident Donald Trump hatte vor rund einem Jahr erneut eine Liste von Staaten veröffentlicht, deren Bürger nicht in die USA einreisen dürfen. Artans Heimatland Somalia zählt dazu. In Trumps erster Amtszeit war eine ähnliche Regelung vom Supreme Court gekippt worden.
Artan betonte gegenüber der «New York Times», dass er ein gültiges Visum für die USA habe. Am Mittwoch wurde er in Somalia unter anderem vom Regierungschef des Landes empfangen. International gab es viel Kritik an seiner Abweisung sowie am Verhalten der FIFA gegenüber den USA als Ausrichterland der WM.
Artan gilt als einer der besten Schiedsrichter Afrikas. Der europäische Fußballverband UEFA nominierte ihn als Reaktion auf die US-Entscheidung für das Spiel um den europäischen Supercup zwischen Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain und Europa-League-Gewinner Aston Villa Mitte August.
(Stand: 12.6.2026)
