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Menschengemachtes CO2 verursacht globalen Temperaturanstieg

Deutschland hat in den letzten Jahren eine Reihe von Ma├čnahmen ergriffen, um den Aussto├č vom Kohlendioxid (CO2) zu senken und damit die gesetzten Klimaziele zu erreichen. Doch sind diese Bem├╝hungen sinnlos, weil der CO2-Anteil in der Luft unbedeutend ist? Das wird in einem Video auf Facebook behauptet. Demnach w├╝rde die Luft nur zu 0,04 Prozent aus CO2 bestehen, wovon wiederum nur 4 Prozent auf den Menschen zur├╝ckzuf├╝hren sind. Deutschland wiederum sei f├╝r 1,7 Prozent des weltweiten, menschengemachten CO2-Aussto├čes und somit f├╝r nur 0,000027 Prozent der gesamten Emissionen verantwortlich. Doch stimmt die Rechnung und beweist sie wirklich, dass Deutschland kaum zur Erw├Ąrmung der Atmosph├Ąre beitr├Ągt?

Bewertung

Die Zahlen sind irref├╝hrend. Es ist zwar richtig, dass der Kohlenstoffdioxidanteil in der Luft nur 0,04 Prozent betr├Ągt. Trotzdem ist das Gas der gr├Â├čte Faktor im Klimawandel. Denn w├Ąhrend die Natur das selbst produzierte CO2 wieder vollst├Ąndig absorbiert, sind die menschengemachten Emissionen eine zus├Ątzliche Belastung. L├Ąnder wie Deutschland k├Ânnen Einfluss darauf nehmen.

Fakten

Die Atmosph├Ąre der Erde besteht aus Stickstoff, Sauerstoff, Edelgasen und einer Reihe von Spurengasen. Kohlendioxid ist ein solches Spurengas. Aktuelle Messungen zeigen, dass der Anteil tats├Ąchlich bei etwa 0,04 Prozent liegt. Laut der World Meteorological Organisation (WMO) ist der Anteil an CO2 seit der Industrialisierung stetig gestiegen. Lag er Anfang des 19. Jahrhunderts bei knapp 280 ppm (parts per million), sind inzwischen etwa 420 ppm erreicht. Auf eine Million Luftmolek├╝le kommen also 420 CO2-Molek├╝le.

CO2-Anteil zwar klein, aber mit gro├čer Wirkung

Doch obwohl der Anteil von CO2 am Gasgemisch in der Atmosph├Ąre gering erscheint, wirkt er sich stark auf das Klima der Erde aus. Denn zum einen ist dieser Wert Expertinnen und Experten zufolge der h├Âchste seit mindestens zwei Millionen Jahren (Download, Seite 6). Zum anderen ist der Anstieg der globalen Erw├Ąrmung laut Treibhausgasindex der US-Wetterbeh├Ârde NOAA zu rund 80 Prozent auf CO2 zur├╝ckzuf├╝hren.

Kohlenstoffdioxid ist wichtig f├╝r das Leben auf unserer Erde und kommt dementsprechend auch in der Natur vor. Landfl├Ąchen und Ozeane geben jedes Jahr rund 210 Gigatonnen Kohlenstoff (C) ab, was umgerechnet rund 770 Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid entspricht. Der CO2-Aussto├č aufgrund von fossilen Brennstoffen betrug 2021 weltweit knapp 37 Milliarden Tonnen (Download, Seite 5), was einen Anteil von etwa 4,5 Prozent bedeutet.

Allerdings ist diese Rechnung unvollst├Ąndig. Denn dank des nat├╝rlichen Kohlenstoffkreislaufs unserer Erde wird der CO2-Aussto├č der Natur auch wieder von ihr absorbiert. Marie-Luise Beck, Gesch├Ąftsf├╝hrerin des Deutschen Klima-Konsortiums, erkl├Ąrte der dpa auf Anfrage: ┬źDie Einlagerungsprozesse von CO2, zum Beispiel durch das Wachsen eines Baumes oder das Verwittern von Gestein, hielten sich in der Vergangenheit mit den Abgabeprozessen, wie durch das Verrotten eines Baumes oder das Atmen der Pflanzen- und Tierwelt, die Waage.┬╗

Natur kann menschengemachtes CO2 nicht komplett kompensieren

In dieses Gleichgewicht habe der Mensch nun eingegriffen, indem er Kohlenstoffreservoire wie Kohle, ├ľl oder Gas, die vor Jahrmillionen dort abgespeichert wurden, hervorgeholt und verbrannt habe, f├╝hrte sie weiter aus. Zwar nimmt die Natur sogar mehr Kohlenstoffdioxid auf, als sie urspr├╝nglich selbst produziert hat, dient also als sogenannte CO2-Senke. Doch es werden derzeit eben nicht alle zus├Ątzlich verursachten Emissionen kompensiert.

Bereits jetzt zeigt sich, dass die nat├╝rlichen CO2-Senken weniger Kohlenstoffdioxid aufnehmen als noch vor 60 Jahren. Prognosen gehen davon aus, dass sich die Absorptionsprozesse bei weiter steigenden CO2-Emissionen k├╝nftig stetig verlangsamen werden (Download, S.27). In der Folge verbleibt also mehr Kohlenstoffdioxid in der Atmosph├Ąre und heizt sie weiter auf.

Das berichtet auch Marie-Luise Beck: ┬źWeil das CO2 zu etwa der H├Ąlfte quasi-ewig in der Atmosph├Ąre verbleibt, haben wir es auch heute noch mit dem CO2 unserer Ururgro├čeltern zu tun.┬╗ Die Wissenschaft bezeichne das als den kumulativen ÔÇô also sich anh├Ąufenden ÔÇô Effekt von Kohlenstoffdioxid.

CO2-Emissionen aus Deutschland wirken sich aus

Auch der Anteil Deutschlands am von Menschen verursachten CO2-Aussto├č ist mit 1,7 Prozent in dem Video ann├Ąhernd richtig angegeben. Messungen zufolge liegt er bei 1,77 Prozent, was etwa 637 Millionen Tonnen CO2 entspricht. Allerdings ist der Wert gar nicht so gering, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag, stellt auch Marie-Luise Beck klar: ┬źIn unserem Land lebt gerade einmal 1 Prozent der Weltbev├Âlkerung.┬╗

So klein ist die Rolle Deutschlands also nicht: Europaweit verursachen wir hierzulande am meisten Treibhausgas-Emissionen, und hinsichtlich Kohlenstoffdioxid belegte Deutschland 2021 im weltweiten Vergleich Platz 7.

Menschengemachter Klimawandel ist wissenschaftlich bewiesen

Das verbreitete Video stammt aus einer Rede des AfD-Landtagsabgeordneten Omid Najafi im nieders├Ąchsischen Landtag. Immer wieder zweifeln Mitglieder seiner Partei am menschengemachten Klimawandel. Die AfD-Fraktion im Bundestag forderte k├╝rzlich die Bundesregierung auf, sich von internationalen Abkommen zum Klimaschutz zu l├Âsen, s├Ąmtliche Ausgaben in diesem Bereich zu streichen und stattdessen Ma├čnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu ergreifen, ┬źwelcher von nat├╝rlichen Faktoren dominiert wird┬╗. Dies sei angeblich erheblich effektiver und kosteng├╝nstiger.

Doch dass die Erderw├Ąrmung durch den Menschen und seinen CO2-Aussto├č verursacht wird, ist wissenschaftlich erwiesen. Im August 2021 ver├Âffentlichte der Weltklimarat (IPCC) einen alarmierenden Bericht. Demnach werde sich die Erde bei der derzeitigen Entwicklung bereits gegen 2030 um 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter erw├Ąrmt haben.

Eine so rasche Erw├Ąrmung hat der Globus noch nie erlebt. Die Folgen sind in einigen Erdregionen bereits jetzt sp├╝rbar: Extreme Hitze, lange D├╝rreperioden und Starkregen geh├Âren dazu.

(Stand: 5.1.2024)

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Klimawandel, Wissenschaft

Autor(en): dpa

Urspr├╝nglich hier ver├Âffentlicht.

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