Aufruhr in rechten Kreisen: Die Kehrtwende Spaniens in seiner Migrationspolitik wird in sozialen Netzwerken als «Blitzeinbürgerungen» von 500.000 illegalen Personen bezeichnet. Manch Nutzer sieht in der angeblichen Maßnahme gar ein Ausschalten der Stimmen von 500.000 Spaniern. «Sie führen Krieg gegen uns», meint Julian Ardat, AfD-Kandidat für die anstehende Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses am 20. September 2026. Sein Beitrag wird in sozialen Netzwerken verbreitet. Will Spanien wirklich eine halbe Million an Illegalen einbürgern, wie er behauptet?
Bewertung
Nein, Spanien hat eine Maßnahme zur einmaligen Legalisierung des Aufenthaltsstatus von etwa 500.000 undokumentierten Migranten beschlossen. Eine Einbürgerung wäre ein späterer, gesonderter Rechtsakt mit zusätzlichen Bedingungen.
Fakten
Spaniens linksgerichtete Regierung hat die Legalisierung des Aufenthaltsstatus von rund 500.000 Immigranten eingeleitet. Das habe das Kabinett beschlossen, sagte Regierungssprecherin Elma Saiz bei einer Pressekonferenz.
Der Beschluss der spanischen Regierung sieht vor, dass alle Einwanderer, die nachweisen, dass sie sich vor dem 31. Dezember 2025 in Spanien aufgehalten und keine Straftaten begangen haben, auf Antrag eine vorläufige Aufenthaltserlaubnis mit sofortiger Arbeitserlaubnis erhalten. Nach einem Jahr kann sie in eine reguläre Aufenthaltserlaubnis umgewandelt werden.
Aufenthaltsstatus und Einbürgerung: Was sind die Unterschiede?
Beim Aufenthaltsstatus in Spanien geht es darum, dass eine Person legal in dem Land leben und mitunter arbeiten darf, aber weiterhin Ausländer bleibt. Das bedeutet, diese Menschen bekommen keinen spanischen Pass und haben kein Wahlrecht bei nationalen Wahlen.
Für eine Einbürgerung in Spanien muss die Person einen jahrelangen Aufenthalt im Land nachweisen, Sprach- und Kulturtests bestehen sowie einen Eid ablegen und meist die alte Staatsangehörigkeit aufgeben. Dafür erhält der Antragsteller einen spanischen Pass und Wahlrecht.
Fast ein Fünftel der Bevölkerung Spaniens im Ausland geboren
Spanien hat in den vergangenen Jahren einen deutlichen Anstieg der Zuwanderung erlebt. Nach jüngsten Daten des nationalen Statistikamtes Ine lebten im Jahr 2025 rund 9,8 Millionen Menschen im Land, die im Ausland geboren wurden – knapp 20 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die größten Gruppen ausländischer Herkunft kamen aus Marokko und Kolumbien.
(Stand: 29.1.2026)
