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Klimaschutz überflüssig? Wie Prognosen missinterpretiert werden

Können wir alle Gesetze zum Klimaschutz zu den Akten legen, weil selbst der Weltklimarat (IPCC) die Erderwärmung jetzt nicht mehr für so dramatisch hält? Diese Interpretation neuer Prognosen von IPCC-Wissenschaftlern durchzieht soziale Medien seit Wochen. Auch Alice Weidel (AfD) greift sie im Bundestag auf. Warum diese Auslegung falsch ist.

Bewertung

Das pessimistischste Szenario des Weltklimarats beinhaltet eine Erderwärmung von 3,3 bis 5,7 Grad Celsius bis zum Ende dieses Jahrhunderts. Wissenschaftler, die dem IPCC zuarbeiten, gehen inzwischen zwar nur noch von Extremwerten bis maximal 3,5 Grad aus, eine Entwarnung sind die neuen Daten jedoch nicht.

Fakten

Der Weltklimarat (IPCC) fasst den weltweiten Forschungsstand zum Klimawandel zusammen und bewertet ihn. IPCC-Berichte dienen als Handlungsgrundlage für die Politik. Als Folgen des Klimawandels gelten heute zum Beispiel häufigere und stärkere Hitzewellen, Überschwemmungen, Dürren und Gletscherschmelze.

Warum Klimaschutzgesetze weiter nötig sind

Im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter hat sich die Erde laut IPCC bis jetzt bereits um mehr als ein Grad erwärmt. Das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau (1850-1900) zu begrenzen, sei praktisch schon unmöglich, urteilte der Weltklimarat in seiner Synthese aus dem Jahr 2023.

Diese 1,5 Grad könnten bereits in der ersten Hälfte der 2030er Jahre überschritten werden, wenn klimaschädliche Treibhausgase nicht noch in diesem Jahrzehnt drastisch gesenkt würden. Sie entstehen vor allem bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas zur Energiegewinnung.

Die internationale Staatengemeinschaft hat sich 2015 im Pariser Abkommen auf zwei Zielmarken geeinigt: 1,5 Grad Celsius Erderwärmung als angestrebte Obergrenze und 2,0 Grad als absolute Obergrenze. Diese Limits, an denen sich auch die deutsche Regierung orientiert, basieren auf einem wissenschaftlichen Konsens: Werte darüber lassen Risiken für Mensch und Ökosysteme drastisch ansteigen.

Warum es grundsätzlich falsch ist, bei bis zu 3,5 Grad Erderwärmung von Entwarnung zu sprechen, hat ein dpa-Faktencheck unter die Lupe genommen.

Was ist das «Römische Klimaoptimum» und taugt es als Vergleich?

Im Facebook-Post heißt es unter anderem: «Da wir mehrere Grad vom römischen Klimaoptimum, mit seinen reichen Ernten entfernt sind, macht sog. Klimaschutz keinerlei Sinn.» (Schreibweise im Original) Das sogenannte Römische Klimaoptimum umfasst eine Phase von mehreren Jahrhunderten (im Kern von 200 vor bis 150 nach Christus) mit einem stabilen und warm-feuchtem Klima im Mittelmeerraum. Dieses natürliche Phänomen beförderte zum Beispiel gute Ernten. Messen ließen sich die Temperaturen damals nicht, die Annahme beruht auf archäologischer Forschung.

Die heutige Erderwärmung ist innerhalb von rund 150 Jahren vor allem vom Menschen verursacht worden. Sie unterscheidet sich so grundlegend von der römischen Zeit, dass ein direkter Vergleich wissenschaftlich nicht haltbar ist. Das betont der Weltklimarat im Kapitel 2 seines Berichts zum Wandel des Klimasystems. «Das Klima der Erde hat sich immer natürlich verändert, aber sowohl das globale Ausmaß als auch die Geschwindigkeit der jüngsten Erwärmung sind ungewöhnlich.» Die Forschung zeige, dass die globale Oberflächentemperatur heute höher ist als seit Jahrtausenden.

Lassen sich Dürren an aktuellen Regenmengen festmachen?

Nein, nicht nur. Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung sammelt flächendeckende Informationen zum Bodenfeuchtezustand in Deutschland. Die Forschenden vergleichen die aktuellen Messwerte mit Daten seit Mitte des 20. Jahrhunderts. Wiederholte großflächige Dürren treten danach hierzulande vor allem seit den 2010er Jahren auf. Auffällig ist eine Serie trockener Jahre seit 2018.

(Stand 15.6.2026)

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Klimawandel, Politik, Wissenschaft

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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