Bewertung
Verbreiter des Zitats bleiben eine Quelle für die angebliche Aussage schuldig. Im umfangreichen Strauß-Archiv jedenfalls ist der Satz nicht belegt.
Fakten
In Social-Media-Posts taucht das angebliche Strauß-Zitat immer wieder auf, aber diese nennen keine Primärquelle, keinen genauen Kontext, keine Jahresangabe und keine seriöse Publikation, um die Aussage tatsächlich zu belegen. Solche Einträge sind daher unzuverlässig.
Das Faktencheck-Team der Deutschen Presse-Agentur (dpa) hat sich auf die Suche nach seriösen Quellen begeben:
- In der Zitatsammlung auf der offiziellen Strauß-Webseite «fjs.de» sind viele seiner Aussprüche dokumentiert. Der gesuchte Satz erscheint dort nicht. Auf der gesamten Website ist das Wort «Nebensache» nicht zu finden.
- In journalistischen Zusammenstellungen der bekanntesten Strauß-Zitate etwa im «Handelsblatt» oder in der «Abendzeitung München» taucht der fragliche Satz nicht auf.
- Selbst in Online-Zitatsammlungen zu Strauß, die ihrerseits teilweise nicht durchgängig und vollständig auf entsprechende Belegstellen verweisen, findet sich der Satz nicht (hier oder hier).
Strauß-Kenner bestätigen Echtheit nicht
dpa hat daher bei der Hanns-Seidel-Stiftung angefragt, ob sie einen Nachweis für die angebliche Aussage habe. Die Stiftung ist CSU-nah und besitzt in seinem Archiv für Christlich-Soziale Politik (ACSP) nach eigenen Angaben den «mit mehr als 300 laufenden Metern außerordentlich umfangreichen Nachlass von Franz Josef Strauß».
Im ACSP wurde nun geprüft und festgestellt, dass sich die Aussage «quellenmäßig nicht belegen lässt», so ein Sprecher der Stiftung am 13. Februar 2026. Er ergänzt: «Dies bedeutet aber nicht, dass es in der lange zurückliegenden Zeit nicht einmal so gesagt oder in einem Presseartikel oder ähnlichem zugeschrieben wurde.»
Auch bei der Tochter von Franz Josef Strauß, der CSU-Europaabgeordneten Monika Hohlmeier, hat das dpa-Faktencheck-Team nachgefragt. «Wir haben das Zitat geprüft und können den Ursprung nicht bestätigen», heißt es am 13. Februar aus ihrem Büro.
Angebliches Zitat bleibt ohne Beleg
Kurzum: Es gibt keinen dokumentierten Original-Redetext, kein zeitgenössisches Interview und kein Archiv-Nachweis, der den Satz oder eine sehr ähnliche Formulierung tatsächlich belegt.
Übrigens wird der «Nebensache»-Satz an anderer Stelle AfD-Chefin Alice Weidel zugeschrieben, ohne das zu belegen.
Es ist nicht selten, dass User Namen und Gesicht berühmter Personen nutzen, um eigenen und erfundenen Aussagen mehr Gewicht zu verleihen.
(Stand: 13.2.2026)
