Video von Robert De Niro zeigt Dreharbeiten, keine „Ansage“ gegen Pro-Palästina-Demonstranten

„Das ist kein Film“, schreit Robert De Niro, „das ist real“. Er ist sichtlich aufgebracht, die Menschen um ihn herum blicken ernst. „Wer auch immer das getan hat, wer auch immer für diesen Anschlag verantwortlich ist, sie meinen es ernst, sie sind gefährlich und sie sagen, sie werden es wieder tun“.

In zahlreichen Videos, die seit Anfang Mai in Sozialen Netzwerken kursieren, steht in den Untertiteln dabei in Klammer: „7. Oktober“ und „Robert De Niro stands with Israel“. Auf X, Tiktok und Threads wird in unterschiedlichen Sprachen behauptet, der US-Schauspieler spreche zu Pro-Palästina oder Pro-Hamas-Demonstrierenden – teilweise heißt es, die Aufnahme spiele in New York, teilweise ist von der University of California in Los Angeles die Rede – dort wurde Anfang Mai ein pro-palästinensisches Solidaritätscamp polizeilich aufgelöst.

Die Behauptung teilte etwa der X-Account „Sprinterfactory“, der schon mehrfach mit Desinformation aufgefallen ist. Sie wurde ursprünglich auch von Medien wie Haaretz, der Jerusalem Post und Bild verbreitet.

Was passiert wirklich in dem Video?

X-Beitrag, in dem das Video von Robert De Niro geteilt wird.
In diesem Video soll Robert De Niro angeblich zu Pro-Palästina-Demonstrierenden sprechen – doch tatsächlich zeigt es einen Filmdreh (Quelle: X; Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV.Faktencheck)

Netflix und De-Niro-Sprecher bestätigen: Text stammt aus Drehbuch

Eine Google-Suche führt zu einem Bericht des US-Magazins Variety, in dem es heißt, die Aufnahme zeige Dreharbeiten für die Netflix-Serie „Zero Day“, in der De Niro mitspiele.

In der Serie spielt auch der US-amerikanische Schauspieler Jesse Plemons mit, er ist ebenfalls im Video zu sehen.

Das bestätigen auf Anfrage von CORRECTIV.Faktencheck auch der Pressesprecher von Robert De Niro und ein Pressesprecher von Netflix.

De-Niro-Sprecher Stan Rosenfield schreibt: „Bei dem Video handelte es sich um einen kleinen Ausschnitt aus einer Probeszene der Netflix-Serie ‚Zero Day‘, die am 27. April in den Straßen von New York gedreht wurde und in der die von De Niro gespielte Figur eine Gruppe (alles bezahlte Statisten) konfrontiert. De Niros Text war zu 100 Prozent geskriptet.“ Bei Netflix verweist Sprecher Steffen Wist auf ein Statement, das man bereits der AP gab. Auch darin ist von Dreharbeiten die Rede, De Niros Statement stamme aus dem Skript.

Fotos belegen, dass De Niro bei Drehtermin in New York war

David Puente, Faktenchecker bei Open Online fand weitere Aufnahmen von diesem Drehtag am 27. April und verlinkte sie auf X. Der Vergleich dieser Stockfotos von Getty Images mit der Aufnahme, die in Sozialen Netzwerken kursiert, zeigt mehrere Übereinstimmungen. So trägt De Niro auf manchen Bildern dieselbe Jacke wie im Video, außerdem sind da wie dort mehrere Personen im selben Outfit – darunter Plemons – in De Niros Umfeld zu sehen.

X-Beitrag des Journalisten David Puente.
Journalist David Puente zeigt auf X: Der Vergleich mit Stockfotos belegt, dass die Aufnahme von De Niros Rede tatsächlich von Dreharbeiten am 27. April 2024 stammt. (Quellen: X; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Laut der AFP stammt das Video ursprünglich von einem Tiktok-Beitrag vom 28. April. In dem Beitrag ist nicht von Protesten die Rede, in den Hashtags steht „newmovie“ und „zerodays“. Auf Anfrage von CORRECTIV.Faktencheck antwortete der Account bislang nicht, laut AFP hat er aber bestätigt, dass das Video bei einem Filmset nahe der Wall Street entstanden sei. De Niro spielt in der Serie einen ehemaligen US-Präsidenten, der jetzt einen Ausschuss leitet, der einen Cyber-Angriff aufklären soll.

Das Video und die Rede De Niros haben also nichts mit Protesten zu tun, sondern sind Teil eines Filmdrehs. Haaretz löschte seinen Artikel darüber später wieder, die Jerusalem Post korrigierte sich. Bild schrieb auf Anfrage von CORRECTIV.Faktencheck, man habe den Artikel angepasst. Nun heißt es dort: „Auch Bild berichtete irrtümlich, dass sich de Niro an Demonstranten richtete.“

Redigatur: Sophie Timmermann, Steffen Kutzner

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USA, Israel-Hamas-Konflikt

Autor(en): CORRECTIV

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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