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Video wurde in niederländischer Moschee aufgenommen

In Debatten über Musliminnen und Muslime stößt man häufig auf Pauschalisierungen und Vorurteile. Viele Menschen in Deutschland nehmen den Islam als Bedrohung wahr, was zum Teil auf Desinformation zurückzuführen ist. Behauptungen über den Islam verbreitet aktuell in sozialen Medien auch ein Video, in dem man zunächst Kinder in einem Raum mit rotem Teppich sieht. «Deutsche Kinder werden in eine Moschee geführt, sollen sich setzen, zuhören, Bewegungen nachmachen, Gebete mitsprechen», lautet der gesprochene Kommentar dazu. Nach einigen Minuten widmet sich das Video dann einem angeblichen «großen Schweigen»: In Baden-Württemberg stehe ein Islamlehrer wegen Missbrauchs vor Gericht, doch der Medienbetrieb «flüstert» und «senkt den Blick». Was ist dran an diesen Behauptungen?

Bewertung

Das Video entstand in einer Moschee in den Niederlanden. Es zeigt eine Gruppe aus einer Schule in Zwolle. Über den Fall in Baden-Württemberg berichteten verschiedene Medien.

Fakten

Es ist nicht das erste Mal, dass Bilder aus Moscheen in einem falschen Kontext verbreitet wurden – darunter auch das aktuell geteilte Video. So wurden die Kinder bereits in den USA und in Neuseeland verortet, wie in Faktencheck-Artikeln von «Snopes» und AFP zu lesen ist.

Video zeigt Moschee in Zwolle

Doch die Filmszene wurde in Europa aufgenommen – jedoch nicht in Deutschland. Unter anderem veröffentlichte die britische «Daily Mail» das Video. Man hört darin eine Männerstimme, die auf Niederländisch mit den Kindern spricht. In der Videobeschreibung wird die Ghulzare Madina Moschee im niederländischen Zwolle genannt.

Die niederländische Nachrichtenseite «De Stentor» berichtete bereits 2016 über die Gerüchte um das Video und ließ den Imam der Moschee in Zwolle zu Wort kommen. «In den letzten zwei Jahren hatten wir mehrere Schulen und Gruppen von Interessierten zu Besuch», wird er zitiert. «Dies war eine von vielen Führungen.»

Auch das lokale Medium «De Dalfser Marskramer» berichtete 2014 über Schulausflüge in die Moschee. Das Foto im Artikel ist auch in dem aktuell verbreiteten Video zu sehen, zeigt aber einen größeren Ausschnitt.

Die Form der Fenster, der Teppich, die Deckenleuchten und die Stühle finden sich auch auf einer Aufnahme der Moschee bei Google Maps. Die Gardinen und die Beschaffenheit der Wand weichen hingegen ab. Das Foto ist auf 2019 datiert. In einem «De Stentor»-Artikel von 2017 sieht der Raum hingegen aus wie im Video. Möglicherweise wurde er umgestaltet oder in der Moschee gibt es mehrere Gebetsräume.

Das Video ist also nicht aktuell und zeigt keine deutschen Kinder.

Berichterstattung über Ellwangen

Auch die Behauptung über den Prozess in Ellwangen ist irreführend. Mehrere baden-württembergische und überregionale Medien berichteten.

Ein islamischer Religionslehrer steht vor dem Landgericht Ellwangen, weil er mehrere Kinder sexuell missbraucht haben soll. Der 35 Jahre alte deutsche Staatsbürger soll sich laut Staatsanwaltschaft in einem Schülerwohnheim in Giengen an der Brenz in seiner Funktion als sogenannter Hoca an Jungen vergangen haben. Ein Hoca ist ein Religionslehrer auf Türkisch.

(Stand: 28.4.2026)

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Religion

Autor(en): dpa

Ursprünglich hier veröffentlicht.

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